Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

31.10.06

Schatz, flieg den Hubi aus der Küche!

chopper

Test: Micro-RC-Helikopter - Geek-Spielzeug der Extraklasse

 

Auspacken, aufladen, fliegen. Nie war es einfacher, einen Helikopter zu pilotieren. Und genau das wollte ich schon immer mal tun.

"Test" ist ein grosses Wort. Aber wir kennen alle diese Dutzenden von netten Spielsachen, nutzloser Gimmicks und raffinierter Gadgets, die von Webseiten wie ThinkGeek vertrieben werden und die Augen der Techies leuchten lassen - bloss angeschafft hat man sich ja weder die Seife mit Koffeinzusatz noch den grünen Laser oder das absolut Beschriftungsfreie Keyboard. Der Micro-RC-Hubschrauber von Thinkgeek hingegen hats jetzt in meine Wohnung geschafft - er ist bezahlbar und angeblich kinderleicht zu steuern.

«Aber behalten Sie im Auge, dass "leicht" ein relativer Begriff ist», warnt die Webseite. Tatsächlich ist die Kontrolle in der Vertikalen nicht allzu schwer zu behalten - den Steuerknüppel langsam nach vorne schieben, und mit dem typischen "Flap-Flap-Flap" eines Hubschraubers (Kein Witz! Die Kartonschachtel als Startplattform wirkt wie ein Resonanzkörper und verstärkt den Effekt) hebt das Plastikinsekt langsam ab.(Einschub: Selbst oder grade in den besten Häusern, wie beispielsweise bei Google, wo die Kantine vom ehemaligen Tournee-Koch der Grateful Dead betreut wird und die Ingenieure wochentags auf dem Rasen Segway-Polo spielen, geben sich Geeks den kindischsten Beschäftigungen hin. Einer hat zum Beispiel 120 Kilogramm Kilogramm Silly-Putty gekauft, worauf ein Dutzend hochbezahlter Googler zwei Stunden lang mit dem Knetzeug spielten. Dagegen sind Untersuchungen über die Aerodynamik eines Rundflüglers - sprich das Spiel mit einem Modell-Hubschrauber - geradezu langweilig seriös.)

Auch Drehungen der Nase gehen leicht vonstatten - und wenn sie zu leicht, sprich von selbst stattfinden, hilft eine Korrektur an der Trimmung.

Nur Vorwärts oder Rückwärts fliegt der Heli nicht. Jedenfalls nicht dann, wenn ich das gerne möchte: langsam bewegt er sich mit dem leisen Luftzug, den ein spaltbreit geöffnetes Fenster durch meine Wohnung ziehen lässt - bis er in die Nähe eines Objekts wie eine Wand gerät, an das er sich dann eben so gemächlich wie unweigerlich «ansaugt».

Das weiss ich während der ersten Testflüge natürlich noch nicht, denn die Ansaugtendenz ist nur auf der zusätzlichen Anleitung bei ThinkGeek und nicht in den zum Schreien komischen Übersetzungen der chinesischen Gebrauchsanweisung beschrieben.

Da Objekte, namentlich Wände, in den notorisch winzigen Appartments in San Francisco immer ziemlich nahe dem Flugpfad liegen, zeitigen die Flugstunden (unterteilt in Lektionen von jeweils fünf Minuten - danach muss der Micro-Heli wieder an die Ladestation) relativ magere Fortschritte. Inzwischen kann ich den Chopper sauber schweben und sogar einen kleinen Kreis in meiner Küche fliegen lassen. Die Wahl des Landeorts ist indes noch immer Glückssache.

Resultat eines solchen Zufall-Ansaug-Lande-Absturzes war bald schon ein gebrochenes Rotorblatt, und das schien das Ende des äusserst filigranen Luftfahrzeugs. Tatsächlich aber lassen sich kleine Reparaturen leicht mit normalem Büroklebband vornehmen, und das Gerät fliegt wieder wie vorher: Stabil, so lange niemand im Raum heftig seufzt...

Fazit: Nettes Bürospielzeug für Leute, die sich die 40 Dollar und das Kopfschütteln der Vorgesetzten leisten können (oder selbständig sind) und somit für Kinder unter 35 Jahren absolut ungeeignet. Für die gibt's den Blimp oder das 4-Rotoren-UFO. Die sind zwar deutlich teurer, erforden aber nicht das Fingerspitzengefühl, das erst Geeks im Anflug auf die Midlife-Crisis aufweisen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer