04.09.13

Galaxy Gear: Samsung präsentiert die Smartwatch, die Apple hätte bauen sollen

Samsung Galaxy Gear. Alle Bilder: Samsung

Samsung hat auf der IFA eine elegante Smartwatch vorgestellt - die in etwa so aussieht, wie man sich Apples möglicherweise geplante iWatch im Geiste ausgemalt hatte. Die Koreaner haben damit im Kampf um ein vermeintliches neues Geschäftsfeld vorgelegt. Das Ergebnis hat nur zwei kleine Nachteile.

 

Ich habe nicht viel zu meckern. Die Samsung Galaxy Gear gefällt mir. Ob es nun sechs bunte Farben sein müssen, die zur Auswahl stehen, tut nichts zur Sache. Farben sind der Trend des Sommers, auch das nächste iPhone wird wohl in mehreren Geschmackstönen daher kommen, also warum nicht auch eine Smartwatch in mehreren Varianten.

Es ist das Konzept, das mich schnell überzeugt hat. Die Oberfläche der Gear ist bewusst schlicht gehalten, die Typographie ist elegant. Nur die nötigsten Informationen, nur eine App in jedem Fenster. Eine Bedienung alleine über Wischgesten, eine Kamera, die ins Armband eingebaut ist, Mikro und Lautsprecher befinden sich am Verschluss. Die Verarbeitung: solide. Keine Frage: So sollte eine Smartwatch sein.

Ich habe ein kurzes Hands-on-Video der Gear gedreht:

www.youtube.com/watch

Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit dem Verschluss der Uhr. Um sie zu schließen - wie ich später erst entdeckte - ist ein wenig Kraft notwendig.

Die Galaxy Gear funktioniert nicht eigenständig, sie ist wie ein Parasit von einem Smartphone abhängig, mit dem es sich via Bluetooth verbindet. Beide tauschen Informationen synchron aus. Einen Anruf, den man auf der Uhr entgegen nimmt, kann man auf dem Smartphone weiter führen. Trifft auf der Uhr eine Nachricht ein, wird sie ohne weitere Handgriffe auf dem Smartphone angezeigt, wenn man es herausholt. Die Standardoberfläche zeigt die Uhrzeit an, das Wetter und die aktuelle Temperatur in auffälligen Symbolen. Bereits jetzt stehen einige Apps wie Line und Path zur Verfügung und es sollen bald mehr werden. Mit zehn wählbaren Oberflächen lässt sich die Uhr dem eigenen Geschmack anpassen.

Das größte Fragezeichen dürfte hinter der Akkulaufzeit stehen. Samsung gibt für die 315 mAh 25 Stunden an - und das ist enttäuschend. Eine Armbanduhr, die täglich an die Steckdose muss, ist nicht attraktiv. Es können natürlich nur schwer zwei Wochen sein, wie es dank des E-Ink-Displays bei der Pebble der Fall ist. Mindestens drei Tage Laufzeit hätte man sich aber auch für ein kleines Farbdisplay schon gewünscht. Ein weiterer Nachteil, und der wird auch Samsung selbst treffen: Die Galaxy Gear funktioniert nur mit einigen Geräten der Galaxy Familie, darunter dem S4 und dem neuen Note 3. Das schließt Käufer anderer Android-Systeme aus, und damit verbaut sich Samsung die Chance, die Galaxy Gear zu einem Verkaufsschlager zu machen.

Nicht gegeizt

Bei den technischen Eigenschaften hat Samsung nicht gegeizt: Das 1,6-Zoll-Display (Super Amoled) verfügt über eine stattliche Auflösung von 320 x 320 Pixel. Der Prozessor taktet mit 800 MHz, Gyroskop und Beschleunigungssensoren sind drin. Die Galaxy Gear lässt sich damit auch als Fitness-Tracker benutzen. Sie kann Videos sowie Audio-Dateien aufnehmen und abspielen. Ein Sprachassistent unterstützt die Bedienung. Die Kamera löst mit 1,9 Megapixeln auf, 512 MB RAM sind drin, der interne Speicher beträgt immerhin 4 GB. Die Galaxy Gear soll noch in diesem Monat zusammen mit dem neuen Phablet Galaxy Note 3 für 299 Euro UVP auf den deutschen Markt kommen.

Wird man das haben wollen? Trotz der guten Verarbeitung muss ich für mich selbst sagen: erst einmal nicht. Ich habe seit vielen Jahren keine Armbanduhr mehr - mein Smartphone reicht mir, wenn ich wissen will, wie spät es ist. Und eine neue Armbanduhr, die mehr als diese Grundfunktion besitzt, mag praktisch sein, mir würde sie aber schnell auf den Geist gehen. Mein Smartphone meldet sich schon jetzt mehrmals die Stunde mit neuen Benachrichtigungen, Mails oder WhatsApp-Nachrichten. Oft genug ignoriere ich das für einen Moment, weil ich einfach meine Ruhe haben will. Für mich ist es wichtig, das Smartphone in der Tasche zu haben und so selbst kontrollieren zu können, wann ich darauf zugreife. Bei einer Smartwatch, fürchte ich, würde mir diese Kontrolle abgenommen.

Nicht für jeden

Das wird vielen ganz anders gehen, der Branchenverband Bitkom gab just gestern die Ergebnisse einer Umfrage bekannt. 38 Prozent der Deutschen würden sich demnach für eine Smartwatch interessieren. Dass es so viele sind, mag ich zwar ebenso wenig glauben, wie, dass Smartwatches ein ähnlich großer Erfolg werden können wie Smartphones. Aber gut gemachte schlaue Uhren werden schon kein Flop werden, sondern sicher eine zufriedenstellende Zahl von Käufern finden.

Den doch recht hohen Preis, die Bindung an ein Galaxy-Gerät und die kurze Akkulaufzeit muss dabei in die Berechnung mit einbeziehen, wer sich einen Kauf vorstellen kann. Von den Nachteilen abgesehen, ist die Galaxy Gear aber eine Smartwatch, wie Apple kaum eine attraktivere wird bauen können. Samsung zeigt, dass man dazu in der Lage ist, attraktive Produkte zu bauen und sich immer wieder neu zu erfinden.

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