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29.11.13

Zimmerpflanze mit WLAN: Ziehe deinen Farn auf dem Router groß

Pflanze mit Antenne? Darunter versteckt sich ein Router.

Das "Konsortium für ein langsameres Internet" baut grüne Gadgets - im wahrsten Sinne des Wortes. Neben iPhone-Docks und USB-Sticks aus Ton bietet die Gruppe auch einen Router an, auf dem man eine Pflanze großziehen kann. Ein bewussterer Umgang mit dem Netz ist das Motto der Initiative. Dafür wird der Besucher spätestens dann sensibilisiert, wenn er einen Blick auf den Preis wirft.

Pflanze mit Antenne? Darunter versteckt sich ein Router.

Besonders hübsch ist das ja leider nicht immer, was unsere DSL- oder Kabelprovider uns aufbürden, wenn wir kabellos ins Internet gehen wollen. Hässliche graue Kästen mit nervend blinkenden Lichtern werden uns ungefragt mitgeschickt, auch wenn wir lieber etwas Schöneres wollen. Gut, dass der Routerzwang derzeit in der Diskussion ist und abgeschafft werden könnte.

Denn wer einen grünen Daumen hat und seine Wohnung etwas natürlicher gestalten möchte, der hat jetzt die Chance, auf einem Router eine Zimmerpflanze großzuziehen: Der Cybernatic Meadow Router wird mit einem Tongefäß ausgeliefert, in das man ein wenig Erde und die Saaten kleiner Pflanzen einsetzen kann. Aus dem Router wird ein Blumentopf mit Antennen.

In diesem wahrlich grünen Gadget steckt ein ordentlicher Router von TP-Link, der WLAN sowohl in den Frequenzbereichen mit 2,4 als auch mit 5 GHz anbietet. Insgesamt will er es auf bis zu 600 Mbit/s bringen (eine entsprechend schnelle Festnetzverbindung natürlich vorausgesetzt), zwei USB-Schnittstellen und vier Gigabit-Ethernet-Ports sind drin. Das Konsortium hat im Router allerdings das Plastikgehäuse gegen eine Holzkiste ausgetauscht. In dem Tongefäß lassen sich kleine Pflanzen ohne tiefes Wurzelwerk wie etwa Farne oder Moose großziehen. Ein Router gibt im Dauerbetrieb zumindest ein wenig Wärme ab - kein schlechtes Klima also, um Pflanzen großzuziehen. Und das Arbeitszimmer wird endlich ein wenig grüner. Die Vorteile liegen klar auf der Hand.

 

Echtes Green IT für 350 Dollar

Die Nachteile allerdings auch: Dass man in dem kleinen Gefäß keine größeren Pflanzen aufziehen kann und dass keine Saaten mitgeliefert werden - geschenkt. Aber dass man den Tondeckel jedes Mal abnehmen und abtropfen lassen soll, wenn man die Pflanze gießt, wirkt unpraktisch und nicht zu Ende gedacht. Mal eben den Router zu gießen, ist also nicht drin. Und für diesen Nachteil wirkt der Verkaufspreis von 350 US-Dollar denn auch vollkommen absurd, zumal das Herzstück, der Router, bei Amazon für nur 60 Dollar angeboten wird. Für den satten Aufpreis von fast 300 Dollar erhält man nur die passende Holzkiste und das Tongefäß. Das kann ja wohl nicht deren Ernst sein. Oder eben doch?

Denn die Idee an sich gefällt irgendwie. Warum nicht Zimmerpalmen von wasserdichten Festplatten wärmen lassen oder den Festplattenrekorder hinter Kletterpflanzen verstecken, wenn man Grafikchips im Prinzip ja schon längst mit Hilfe von Aquarien kühlen kann? Bei Green IT denkt man erstaunlicherweise nur an Energiegewinnung und -einsparung, aber selten an tatsächliches Pflanzengrün. Und immer muss man irgendetwas kaufen. Bedeutet ein bewussterer Umgang mit den begrenzten Ressourcen des Planeten aber nicht auch, mal etwas selbst zu machen?

 

Man wäre ja verrückt, wenn man das kaufen würde

In der Reihe Cybernatic Meadow ist außerdem ein iPhone-Dock erschienen - das iPhone wird auf einem Tongefäß sitzend wieder aufgeladen, während ein kleiner Kaktus auf dem gleichen Korkbrett wächst. Eine Ablage aus Beton und Kork eignet sich perfekt als Fotoständer oder als Aufbewahrung für einen mitgelieferten USB-Stick aus Beton. Im Manifest "Prinzipien für ein langsameres Internet" wirbt die Initiative für einen bewussteren Umgang mit dem Netz. Das bedeutet nicht, auf schnelle Breitbandleitungen zu verzichten. Die Initiatoren werben vielmehr dafür, Informationen und Veränderungen bewusster wahrzunehmen und sich einfach mehr Zeit dafür zu lassen. Man kämpft gegen eine Weitergabe von Daten an Dritte und für eine Vielfalt von Erfahrungen und unterschiedliche Herangehensweisen an das Netz, keine Gleichschaltung.

Hehre Ziele, und den feilgebotenen Produkten ist bei näherer Betrachtung ein Augenzwinkern durchaus anzumerken. "350 Dollar für eine Router-Zimmerpflanze?!" Das kaum noch kritische, vom Gear Acquisition Syndrom befallene Internet-Konsumopfer horcht doch spätestens hier auf: "Ich will nur eine Pflanze auf meinen Router stellen und soll dafür Unsummen ausgeben? Ich wäre doch verrückt, wenn ich so etwas für einen Bruchteil der Kosten nicht selbst in die Hand nähme." Ja, wäre man.

Mehr Informationen findet ihr auf der Website des Consortium for Slower Internet.

Gefunden bei Slashgear und DigitalTrends.

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