11.07.13

Ausprobiert: Raspberry Pi als Mediacenter

Raspberry Pi Modell B (Bilder: Frank Müller)

Der Raspberry Pi ist wohl der Einplatinen-Computer, der dank einer großen medialen Aufmerksamkeit den meisten Menschen bekannt ist. Jetzt habe ich ausprobiert, wie zeitraubend und schwierig (oder wie schnell und einfach) es denn ist, sich mit dem Raspberry Pi ein Mediacenter einzurichten.

 

Dank der neuen "New Out Of Box Software (Noobs)" muss man schon mal kein Nerd sein, um mit dem Raspberry Pi zu starten. Noobs besteht aus einer ZIP-Datei, die man einfach entpackt und deren Inhalt man auf eine SD-Karte kopiert, die man vorher ordentlich formatiert hat, zum Beispiel mit dem Formatierungsprogramm der SD Association.

Danach einfach neu starten, und schon präsentiert sich ein Auswahlmenü mit verschiedenen Betriebssystemen, die man auf der SD-Karte installieren kann. Geht etwas schief, kann man einfach wieder in den Wiederherstellungsmodus gehen, indem man beim Neustart die Umschalt-Taste gedrückt hält.

Zur Auswahl stehen

Mit OpenELEC und RaspBMC sind zwei dedizierte Media-Distributionen dabei, für meine Zwecke also prima geeignet. Leider hat die aktuelle Version von Noobs einen Bug, der mich erst einmal etwas zurückgeworfen hat.

Startprobleme mit Noobs RaspBMC und die Lösung

Die Installation des RaspBMC ging problemlos und nahm nur ein paar Minuten in Nach dem Eintragen der WLAN SSID und des Passworts beginnt der Raspberry Pi gleich fleißg damit, neue Kernel-Module herunterzuladen und startet nach wenigen Sekunden neu. Vorfreude, dann der Schock: Kernel panic - not syncing: VFS: Unable to mount root fs on unknown-block(179,2).

Eine kleine Forensuche sorgte dann dafür, dass es weitergehen konnte. In diesem Thread des Raspberry Pi-Forums stieß ich auf die ganz einfache Lösung. Nach der Kernel Panic neu starten, dabei die Umschalt-Taste halten, um in das Wiederherstellungsmenü zu gelangen. Jetzt einfach mit dem Editor diesen Eintrag in config.txt bearbeiten

dwc_otg.lpm_enable=0 root=/dev/mmcblk0p2 rootfstype=ext4 noatime quiet rootwait loglevel=1 persistent-logs zram.num_devices=2

und aus der 2 eine 6 machen, so dass er so aussieht.

dwc_otg.lpm_enable=0 root=/dev/mmcblk0p6 rootfstype=ext4 noatime quiet rootwait loglevel=1 persistent-logs zram.num_devices=2

Problemloses WLAN, Plugins für viele Zwecke

Wie oben beschrieben, funktionierte mein WLAN-Stick Edimax Mini-Stick problemlos. Hat man erst einmal Verbindung zum Internet, kann man Plugins herunterladen, mit deren Hilfe man z.B. Youtube-Videos oder alle Southpark-Folgen im Original oder auf Deutsch sehen kann. Plugins für Internet-Radio, Facebook oder Gmail kann man sich ebenfalls herunterladen. Leider gibt es im Moment keine Möglichkeit, Streaming-Dienste wie Lovefilm oder Watchever zu nutzen.

Dank Consumer Electronics Control funktioniert die TV-Fernbedienung

Überraschenderweise funktioniert dank CEC auch die Bedienung des Raspberry Pi per TV-Fernbedienung. Nur die Escape-Taste vermisse ich, um aus Untermenüs wieder herauszukommen. Wieder hat das Internet die Lösung: Bei meinem TV-Gerät von LG muss man zwei Tasten drücken – erst Stop, direkt danach Ok. Kompfortabler geht’s mit der kostenlosen App [itunes itunes.apple.com/de/app/official-xbmc-remote/id520480364] Official XBMC Remote[/itunes].

Airplay ist möglich, aber etwas holprig

Nachdem ich einem weiteren Tipp aus einem Forum folgte und den Namen des Raspberry Pi in raspberry.local änderte, tauchte der Raspberry Pi auf dem iPhone im AirPlay-Menü auf und ließ sich als Audioausgabe anwählen. Manchmal funktioniert das ganz gut, manchmal schaltet man lieber wieder um auf die Songs, die auf der Festplatte liegen, weil es zu Aussetzern und Störungen kommt.

Erfreulicherweise spielt RaspBMC auch Dateien ab, die auf meiner Mac-formatierten LaCie liegen. Man kann zwar nicht darauf schreiben, aber das Befüllen erledigt man sowieso besser am Rechner.

Alternativen zu Noobs

Es gibt noch diverse andere Betriebssysteme für den Raspberry Pi. Berryboot ermöglicht es, direkt beim Start aus verschiedenen Betriebssystemen auszuwählen, die dann aus dem Netz heruntergeladen werden, um davon zu starten.

Raspyfi dagegen ist ein Project, das den Raspberry in eine audiophile Klangquelle auf der Basis des Music Player Daemon MPD verwandeln will, an deren Ausgang man noch einen Ditigal-Analog-Wandler hängen kann, um besten Sound herauszukitzeln.

Und Rasplex ist ein Betriebssystem, das den Raspberry Pi in einen Plex-Client verwandelt. Lässt sich auch sehr einfach mit ein paar Klicks installieren, ohne dass man das Terminal bemühen müsste.

Für meinen Geschmack ist Raspbmc via Noobs am vielseitigsten einsetzbar und läuft am rundesten.

Fazit: Vielseitig einsetzbar. Spaß für viele Stunden.

Der Raspberry Pi ist in der Version B ein richtiger kleiner Rechner, der sich vielseitig einsetzen lässt. Man kann XBMC oder OpenELEC darauf laufen lassen, ihn als AirPlay-Abspielgerät oder als kleinen Rechner nutzen. Und da SD-Karten nicht teuer sind, kann man verschiedene davon mit verschiedenen Systemen für unterschiedliche Zwecke bespielen.

Außerdem ist es problemlos möglich, sich mit seinem Rechner über ssh am Raspberry Pi anzumelden und weitere Programme zu installieren.

Zwar läuft noch nicht alles perfekt, und zu Anfang muss man ein bisschen basteln, aber der Raspberry Pi als Mediacenter ist deutlich vielseitiger und benutzerfreundlicher als meine alte Emtec-Box. Schade nur, dass Watchever nicht darauf läuft. Aber vielleicht kommt das ja doch noch. Im Apple TV steckt schließlich ebenfalls ein ARM-Prozessor und da geht es.

Den Raspberry Pi Version B mit 512 MB Arbeitsspeicher gibt es bei getDigital für 38,95 Euro. Wer noch eine alte SD-Karte, ein Handy-Netzteil mit Micro-USB-Stecker, USB-Tastatur und -Maus besitzt, kann damit schon starten. Ansonsten sollte man daran denken, gleich das passende Gehäuse und Schnittstellenerweiterungen mitzubestellen.

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