23.03.14

So funktioniert's: Raspberry Pi Camera Module einrichten

Das Raspberry Pi Camera Module

Mit dem Camera Module steht das erste offizielle Zubehör der Raspberry Pi Foundation für den kleinen Minicomputer zur Verfügung. Endlich kann der Pi seine Umgebung sehen. Nur wie nutzt man diese tolle neue Eigenschaft für eigene Projekte aus?

Das Raspberry Pi Camera Module Das Raspberry Pi Camera Module

Jedem, der schon mal einen Raspberry Pi in der Hand gehalten hat, ist wohl das MIPI-CSI-2 (CSI: Camera Serial Interface) aufgefallen – ein schmaler Eingang, direkt neben dem HDMI-Anschluss am Board, an den man das Raspberry Pi Camera Module anschließen kann. Vorsicht: Der Anschluss ist identisch mit dem DSI (Display Serial Interface), welcher sich über dem Netzanschluss des Minicomputers befindet.

Beim Camera Module handelt es sich um ein Zusatzmodul speziell für den Raspberry Pi, das aus dem Minicomputer blitzschnell eine programmierbare Digitalkamera macht. Das Modul ist 25 x 20 x 9 mm groß, besitzt einen 5-Megapixel-Sensor (Omnivision 5647) für Foto- und Videoaufnahmen und wird mit einem kurzen 15-poligem Flachbandkabel an den Raspberry Pi angeschlossen. Fotos haben dabei eine maximale Auflösung von 2.592 x 1.944 Pixeln. Videos eine Auflösung von 1.080p (30 Bilder pro Sekunde), 720p (60 Bilder pro Sekunde) oder auch 640 x 480 Pixel (60 oder 90 Bilder pro Sekunde). Ton wird von dem Modul nicht aufgenommen. Mit einem Gewicht von nur 3 g ist es leicht genug für mobile Anwendungen – alles in allem also ein äußerst praktisches Zubehör für experimentierfreudige Fotografen. Die Stromaufnahme des Moduls beträgt 250 mA.

Vorsicht, du stehst unter Strom…

Will man das Camera Module an den Raspberry Pi anschließen, ist Vorsicht geboten – ach, eigentlich schon beim Auspacken. Das Modul reagiert nämlich sehr empfindlich auf Reibungselektrizität und mit der sind wir Menschen bekanntlich gerne aufgeladen. Bevor man das Modul also aus der Schutzverpackung holt, sollte man sich erstmal erden. Klappt ganz einfach, indem man einen Wasserhahn oder einen Heizkörper anfasst, falls es hier blitzt war es nicht die Kamera sondern man selbst. Sobald man nicht mehr geladen ist, kann’s auch schon losgehen.

Ein wenig Fingerspitzengefühl

Mit Daumen und Zeigefinger drückt man sanft an beiden Seiten des Camera DSI und zieht den Verschluss leicht nach oben, aber den Verschluss dabei nicht von der Halterung lösen. Danach wird das Modul über das Flachbandkabel in das Camera DSI gesteckt. Zwei Dinge sollte man dabei beachten: Erstens ist das Flachbandkabel relativ empfindlich, also nicht knicken, sondern nur vorsichtig biegen. Zweitens müssen die Verbindungslinien auf dem Kabel vom Ethernet-Port weg zeigen, wenn man das Kabel in den passenden Eingang steckt. Sobald das Kabel drin ist, muss man einfach nur den Clip des Camera DSI wieder vorsichtig schließen, am besten hält man dabei das Kabel mit einem Finger auf Position und drückt wieder mit Daumen und Zeigefinger den Verschluss nach unten. Jetzt ist das Camera Module einsatzbereit.

Schaut euch dazu auch dieses kurze Video der Raspberry Pi Foundation an:

www.youtube.com/watch

Raspbian für das Camera Module fit machen

Jetzt ist es Zeit, den Raspberry Pi mit Camera Module in Betrieb zu nehmen. Dafür den Raspberry Pi booten und einloggen. Hat man den Pi schon einmal benutzt und seine eigenen Zugangsdaten eingerichtet, kann man diese benutzen. Ansonsten die Werk-Zugangsdaten eingeben: Nutzername „pi“, Passwort „raspberry“. Das Passwort sollte aber auf jeden Fall später geändert werden, damit niemand von außen auf die Kamera zugreifen kann. Dann heißt es die Firmware auf den neuesten Stand zu bringen. Dafür gibt man folgende Kommandos in die Befehlszeile ein:

sudo apt-get update

sudo apt-get upgrade

 

Danach muss das Camera Module im Betriebssystem noch aktiviert werden. Hierfür muss die Konfigurationsoberfläche gestartet werden:

sudo raspi-config

 

Unter dem Menüpunkt „camera“ ist „enable“ auszuwählen.

Die Konfiguration wird mit „Finish“ abgeschlossen. Nach einem Reboot ist die Kamera einsatzbereit.

Die wichtigsten Befehle

Um mit der zur installierten und konfigurieren Software und dem Camera Module Fotos oder Videos zu machen, sind vor allem zwei Kommandozeilenbefehle wichtig: raspivid und raspistill. Beide Kommandos bieten etliche Parameter für die Feinjustierung an. Der Befehl raspivid erzeugt Videos und raspistill erzeugt Fotos. Über den Parameter –o kann der Name der zu erzeugenden Datei festgelegt werden. Die Dauer der Vorschau-Anzeige wird über –t festgelegt. Die weiteren Parameter werden mit Beispielen unter raspberrypi.org/camera beschrieben.

Über diese Parameter konfiguriert man nach und nach seinen Raspberry Pi zu einer richtigen Digitalkamera, die aber zusätzlich noch all die praktischen Fähigkeiten des Raspberry Pi hat. Mit etwas Geschick kann man so zum Beispiel eine Gesichtserkennung für die Haustür programmieren, damit man unerwünschtem Besuch nicht ahnungslos die Tür öffnet.

Über den Gastautor

Dies ist ein Gastbeitrag von E.F. Engelhardt. Große, kreative Projekte mit Raspberry Pi und dem Camera Module beschreibt er in seinem Buch „Foto und Video mit Raspberry Pi“. Es ist im Franzis Verlag erschienen und kostet 30 Euro.

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