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23.09.14

Pure Jongo im Test: Sound vom Handy synchron im ganzen Haus

(Bilder: W.D.Roth)

Bluetooth-Lautsprecher gibt es inzwischen viele. WLAN-Multiroom-Systeme auch. Pure Jongo will beides kombinieren und dabei absolut synchron spielen. neuerdings.com hat es ausprobiert.

(Bilder: W.D.Roth) (Bilder: W.D.Roth)

Immer mehr Menschen haben ihre Musik komplett auf dem Smartphone gespeichert. Das ist meist nicht High-End-Qualität und bei den heutigen Smartphones ist die Speicherkapazität auch meist deutlich geringer als bei einem dedizierten MP3-Spieler wie einem iPod Classic - das iPhone 6 könnte in der Version mit maximalem Speicher Abhilfe bringen - doch für jene, die ohnehin alles mit ihrem Smartphone machen, sehr praktisch.

Mit Bluetooth-Lautsprechern, von klein bis ganz groß, kann das Smartphone auch zur Stereoanlage werden. Allerdings muss man dann die Lautsprecher mitschleppen, wenn man statt in der Küche im Schlafzimmer Musik hören will.

Multiroom-Systeme erlauben es, Musik von einem Server im ganzen Haus zu verteilen. Allerdings gibt es dabei oft Probleme mit der Synchronität, besonders beim Hören von Internetradio: Ausgerechnet Systeme wie Abacast, die dafür sorgen, dass ein Wiedergabegerät das nächste füttert, indem es den Stream weiterreicht, sorgen für Verzögerungen bis in den Minutenbereich. Wenn dann in jedem Zimmer etwas anderes zu hören ist, im einem Raum noch der Titel spielt, der im anderen Raum schon vor zwei Minuten abgelaufen ist, erinnert das eher an eine Kofferradiokakophonie am Baggersee.

Pure Cask-Id ist ein System, das die Wiedergabe synchronisiert - bis in den Millisekunden-Bereich, sodass sogar zwei einzelne Mono-Lautsprecher als Stereo-Pärchen verschaltet werden können. Die Pure Jongo-Lautsprecher gibt es folglich als Mono- und Stereo-Ausführungen.

App zwingend erforderlich

Der kleinste Typ, der S3, ist ein Stereo-System mit eingebautem Akku, das von Küche über Hobbykeller bis Garten auch ohne Netzanschluss eingesetzt werden kann. Der A2 ist ein reiner Line-Adapter, aber auch mit SPDIF-Ausgang koaxial und optisch, um das System an eine bestehende Hi-Fi-Anlage zu koppeln. T2, T4 und T6 sind Mono-Lautsprecher mit 20, 50 und 100 W. Schließlich kann auch das Pure Evoke F4, ein DAB- und Webradio, in das System als Lautsprecher eingebunden werden.

Zur Steuerung ist die Pure-Connect-App für Android oder iOS erforderlich. Alternativ kann das Smartphone über Bluetooth an einen Pure Jongo gekoppelt werden, der das Signal über WLAN an die anderen Lautsprecher weiterreicht. Die App ist allerdings auch in diesem Fall erforderlich, um das System zu steuern. Analog-Quellen können lokal am jeweiligen Lautsprecher angeschlossen, aber nicht über das System an weitere Lautsprecher gestreamt werden.

Eingerichtet wird der erste Lautsprecher über ein temporäres (ad-hoc) WLAN-Netz, die weiteren können dann über eine Taste an den Lautsprechern verkoppelt werden.

Gewöhnungsbedürftige Benutzeroberfläche

Im Praxistest störte, dass der Login in Pure Connect, den Nachfolger der Pure Lounge, seit einiger Zeit nur noch über Facebook möglich ist - Accounts mit Login über E-Mail-Adresse und Passwort können zur Zeit aufgrund einer Störung nicht angelegt werden. Wer keinen Facebook-Account will oder zumindest diesen nicht akkufressend auf dem Smartphone nutzen will, kann die App dennoch verwenden, muss aber erst einmal den Login-Bildschirm beiseitewischen. Favoriten kann man so natürlich nicht ablegen.

Die Benutzeroberfläche der Pure App ist gewöhnungsbedürftig; sie präferiert zunächst das eigene Abo-Streaming-Angebot von Pure Connect, das aber wegen der erwähnten Störung für Neukunden aktuell außerhalb des Testmodus gar nicht nutzbar ist. Zugriff auf Internetradios ist möglich, wenn diese bei Pure Connect gelistet sind - welche Bitrate und damit Qualität der Stream dann hat, kann man allerdings nicht erkennen.

Bei Radio Caroline ist beispielsweise statt der Auswahl von 28 k Mono bis 128 k Stereo beim Sender selbst und mit seiner eigenen App nur eine Auswahl verfügbar. Diese klang sehr muffig, wie der Mono-Stream, doch lag dies am S3. Auf einem T4 ist der Sound auch mono (weil kein Pärchen verfügbar war) und gerade in den Höhen wesentlich besser, während der S3 klingt wie noch gar nicht ausgepackt und zwischen den Mono- und Stereo-Modi kaum ein Unterschied erkennbar ist. Der A2, mit dem ein Test an einer hochwertigen Anlage möglich gewesen wäre, konnte gar nicht zur Zusammenarbeit mit dem Android-Smartphone Desire Z bewegt werden: Schaltete man ihn in der App ein, so schalteten er sich zwei Sekunden später dort wieder aus, so wie Dr. Boyers Mystery Box.

Will man gespeicherte Dateien abspielen, ist die Pure-App auch etwas gewöhnungsbedürftig: statt eines Dateisystems ist die Suchfunktion zu bemühen, die dann erstmal gar nicht alle Titel eines Albums anzeigt, sondern nur einige „Favoriten“. Zudem kommt sie wie einige ältere MP3-Spieler bei Dateien mit variabler Bitrate (VBR) mit der Dauer des Musikstücks durcheinander und zeigt einen 3-Minuten-Titel schon mal mit 16 Minuten an. Das Abspielen selbst funktioniert aber einwandfrei. Ein Musikarchiv auf dem PC kann über die UPnP-Funktionen beispielsweise des Windows Media-Players auch angezapft werden, sodass man nicht allein auf die Speicherkarte des Smartphones angewiesen ist.

Technisch innovativ, Klang des S3 bescheiden

Man kann so sein Smartphone durch das ganze Haus tragen und nach Bedarf einzelne Lautsprecher ein- und ausschalten und auch getrennt regeln. Unterschiedliche Programme in unterschiedlichen Räumen sind allerdings nicht möglich und die Kopplung aller Lautsprecher ist nach dem Neustart des Handys mitunter zunächst etwas „wacklig“. Auch sollte man vermeiden, mit einem der Lautsprecher aus dem Einzugsbereich des WLAN zu laufen, beispielsweise in den Keller in ein WLAN-„Funkloch“: Reißt die Funkverbindung ab, stoppt das System und Lautsprecher und Stream müssen nach Rückkehr in den Empfangsbereich neu gestartet werden.

Technisch ist das System sehr innovativ; der Klang speziell des transportablen Lautsprechers S3 ist allerdings ebenso noch verbesserungswürdig wie die Stabilität eines solchen Systems: Hier kann es schon einmal vorkommen, daß ein Lautsprecher, der wegen leeren Akkus oder Abschaltung mit Netztrennung inaktiv war, nicht gleich wieder mitspielen will. Bleiben dagegen alle Geräte permanent in Standby, ist die von Pure sonst gewohnte Energie-Sparsamkeit eingeschränkt. Das allerdings hat das System mit vielen Multiroom-Streaming-Systemen gemeinsam; es liegt hier noch im unteren Bereich.

Für den, der sein Smartphone schon jetzt als Kommandozentrale und Fernbedienung für seine Audio-Anlage benutzt, sind die Pure Jongo-Lautsprecher durchaus interessant. Eine normale Stereo-Anlage ersetzen sie allerdings nur, wenn man wirklich nur Internetradio und MP3-Dateien hören will. Im Gegensatz beispielsweise zu Apple Airplay ist man allerdings von spezieller Hardware unabhängig. Die im Test aufgetretenen Probleme inklusive des mäßigen Klangs des S3 sollen nach Aussagen des Herstellers durch ein Softwareupdate behoben werden.

Update 16.10.14: Über einen Monat nach der IFA ist das versprochene App-Update, das auch die Firmware der Lautsprecher und Adapter aktualisiert, nun tatsächlich für Android verfügbar. Ergebnis: Die S3 klingen nun nicht mehr wie noch gar nicht ausgepackt, nur leider noch etwas baßlasting/dröhnend, doch deutlich besser als zuvor, und der A2-Adapter funktioniert jetzt auch, ohne dass die App ihn immer wieder ausschaltet. Auch die Stabilität des Systems scheint sich verbessert zu haben. Der Screen der App funktioniert auf dem HTC Desire Z allerdings anch wie vor nur im Hochformat - beim Querdrehen dreht er sich zwar nun mit, doch nur für etwa eine Sekunde, dann wird er wieder zurückgedreht. Insgesamt ist das System hiermit nun aber benutzbar.

Update Ende 2014: Im Dauertest hat sich der A2 trotz der Mängel "App nicht drehbar" und "Login nur via Facebook" sehr bewährt, da die Verbindung zu Internetstreams sehr stabil ist und auch Zwangstrennung oder Downloads übersteht, ohne ständig zu puffern. Die Ausfälle der Wiedergabe sind deutlich geringer als bei älteren Systemen. Die Qualität echten Broadcastings via Satellit wird von den Downtimes her langsam erreicht (auch bei Sat gibt es ja witterungsbedingte Störungen).

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