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29.11.12

Die eigene Cloud im Kasten: Hamburger Startup Protonet erreicht Crowdfundingziel in 48 Minuten

Protonet: Alles, was ein kleines Unternehmen an Cloud-Infrastruktur braucht?

Der Preis für die örtliche Unabhängigkeit unserer Daten - sind unsere Daten. Das ist, wie das Prinzip Cloud funktioniert. Die Frage lautet, was man dafür zahlen und installieren müsste, um die Daten bei sich selbst zu hosten. Die Antwort darauf gibt das Hamburger Startup Protonet, das eine Crowdfinanzierungsrunde für einen Miniserver in dieser Woche in Rekordzeit abschloss: superchic wäre es - aber auch nicht gerade billig.

Das Rechenzentrum fürs Büro muss nicht in scheinbar unüberschaubar verdrahteten Server-Schränken untergebracht sein. Es kann eine modische Box sein, die man wie einen Zentraldrucker einfach auf den Schreibtisch stellt. Fertig ist die eigene Cloud - und eigentlich noch mehr als das. Wenn man so will, umfasst Protonet ein ganzes Rechenzentrum und große Teile der IT-Infrastruktur eines kleinen bis mittleren Unternehmens. Eine Box ersetzt Server, Datenspeicher, Cloudsystem und Groupware. Alles in einer kleinen, orangen Kiste.

Vier Jahre sollen die Hamburger an der Protonet-Box gearbeitet haben. In dieser Woche ging man dann schließlich an den Start und versuchte, sich das notwendige Kapital über Crowdinvesting heranzuholen. Die Geldgeber müssen von der Idee überzeugt gewesen sein und wie gebannt auf den Startschuss gewartet haben: Nach nur 48 Minuten auf Seedmatch übertrafen die Hamburger ihr Finanzierungsziel in Höhe von 50.000 Euro um das vierfache. Bei 200.000 Euro stoppten die Gebote. Das Geld soll den Hamburgern reichen, um die Box in Produktion zu geben.

Was der Spaß kostet? Ab knapp 2.300 Euro (plus Mehrwertsteuer) geht es los. Dafür erhält ein Unternehmen die Box mit 2 TByte Speicherkapazität und 1 Jahr Support. Das teuerste Angebot kostet knapp 3.600 Euro mit 16 TByte Kapazität und 3 Jahren Support. Das wirkt auf den ersten Blick viel, für Unternehmen ab einer bestimmten Größe kann sich das aber durchaus lohnen. Wie Protonet auf der Seedmatch-Seite zum Projekt schreiben, soll in absehbarer Zeit eine eigene Version für Privatleute aufgelegt werden, die 800 Euro kostet. Das ursprünglich angedachte Mietmodell hat man wieder aufgegeben. Man kann die Server jetzt nur noch kaufen. Im Video zur Aktion präsentieren sich die Gründer sehr sympathisch:

Die Box ist mit dem Gängigsten vorkonfiguriert, was von einem Server heute verlangt wird, wie Apache 2, MySQL, Rails oder RabbitMQ. In drei Minuten soll der Server betriebsbereit sein. Man muss praktisch nur noch Strom- und LAN-Kabel einstecken und die WLAN-Antennen montieren. Dann lässt sich auf den NAS sowohl intern als auch von unterwegs per Rechner oder Smartphone auf die Struktur zugreifen. Im "sozialen" System unter der Haube soll man so genannte Channels anlegen können, Mini-Netzwerke für einzelne Abteilungen oder Arbeitskreise mit Kunden. Mit nur einem Knopfdruck soll sich ein neues WLAN-Netz für Kunden einrichten lassen.

Eigene Daten nicht den Großkonzernen überlassen

Bei t3n war man Anfang Oktober im Test teilweise durchaus angetan, fand die Konfigurierung leicht, das Gehäuse gut verarbeitet, allerdings die Weboberfläche nicht unbedingt intuitiv bedienbar. Die CPU sei etwas schwachbrüstig, einige gängige Protokolle fehlten, die Box kein vollwertiger Ersatz für einen Router. Ferner würden Cloudlösungen Dritter, wie Dropbox oder Google Drive, nicht unterstützt. Das wird mit dem Gedanken der eigenen Cloud wohl Absicht gewesen sein, allerdings biete die vorhandene Software keinen gleichwertigen Ersatz. Das Prinzip der eigenen Cloud stecke noch in den Kinderschuhen, schreibt Autor Martin Brüggemann.

Wichtiger ist vielleicht die Botschaft, die Protonet hier vermittelt: Eine eigene Cloud fürs Büro und Hardware aus deutschen Landen sind möglich. Will man eine Cloud, muss man nicht zwingend auf die großen Anbieter zurückgreifen. Man kann sie für sich selbst und für andere Zuhause aufbauen. Die Frage ist, ob einem Heimanwender die Lösung aus NAS, Server, Router und Software-System wirklich 800 Euro wert ist. So chic Protonet auch ist, ich habe da meine Zweifel.

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