30.12.13

Project S: Highend-Smartphone für 300 Dollar [Hands-on-Video]

Ein möglichst schlichtes Design ist den Machern des Project S wichtig.

Kann man ein Highend-Smartphone für nur 300 Dollar bauen? Der taiwanesische Hersteller BungBungame meint: Ja, auf jeden Fall. Hätte das Unternehmen nicht schon erfolgreich Tablets auf den Markt gebracht, würde man wohl Betrug wittern.

Ein möglichst schlichtes Design ist den Machern des Project S wichtig.

Wenn man Geeks und Nerds ein Traum-Smartphone entwerfen lässt, kommt wahrscheinlich so etwas wie das Project S heraus. Alle Daten rufen "Highend", nur der Preis eben nicht. Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo will die federführende Firma BungBungame aus Taiwan satte 5 Millionen US-Dollar zusammenbekommen, damit das Project S in Serie gehen kann. Interessierte Händler sollten gar gleich ganze Ladungen vorbestellten können. Aber da machte das ansonsten sehr liberale Indiegogo dann doch einen Strich durch die Rechnung: Interessenten dürfen maximal 20 Project S auf einmal vorfinanzieren, aber nicht 50 oder 100.

Ein wenig erinnert das alles ja an das Ubuntu Edge. Wir erinnern uns: Canonical startete medienwirksam und ebenfalls auf Indiegogo ein Crowdfunding-Projekt fürs eigene Smartphone. Das sollte mit Eckdaten daherkommen, die heute sagenhaft erscheinen und dabei im Early-Bird-Sonderangebot nur 600 Dollar kosten. Allerdings wollte Ubuntu ernsthaft 32 Millionen US-Dollar vorab einsammeln. Ein Projekt zwischen Mut und Größenwahn. Letztlich stellte es zwar Rekorde auf, verfehlte aber das Finanzierungsziel.

Canonical aber ist immerhin ein in der Techszene bekannter Name. Ganz anders bei BungBungame, die mir persönlich vorher überhaupt nichts sagten. Tatsächlich gibt es das Unternehmen aber immerhin bereits seit 2008 und auch ihre Ernsthaftigkeit haben sie schon unter Beweis gestellt: Drei Tabletgenerationen haben sie auf den Markt gebracht – allerdings nicht in Europa, sondern in Taiwan, Japan und den USA.

Nun also wollen sie ein Smartphone herausbringen und der Erstling soll gleich der ganz große Wurf werden. Kollege Johannes Knapp von newgadgets.de war bei BungBungame in Taiwan vor Ort und konnte einen Design-Prototypen des Project S in die Hand nehmen. Hier sein Video:

www.youtube.com/watch

Das Gerät wurde auch bereits auf einem Vorschau-Event in New York für die Elektronikmesse CES 2014 gezeigt. Man kann festhalten: Das Unternehmen meint es ernst. Das Datenblatt des Project S ist vielversprechend:

  • Prozessor: acht Kerne
  • Display: 5,8 Zoll, 2.560 x 1.440 Pixel
  • Drahtlos: Bluetooth, WLAN, NFC, Miracast, Qi Wireless Charging
  • RAM: 3 GB
  • Festspeicher: 32 GB, mit Micro-SD weitere 64 GB
  • Kameras: 16 Megapixel hinten, 2 Megapixel vorn
  • Geschützt gegen Wasser und Staub nach IP55/IP58

So manches Detail wie der genaue Prozessortyp oder die Größe des Akkus werden nicht genannt. Aber der Preis: 299 US-Dollar. Dieser Spottpreis sei möglich, weil sie eine effektive kleine Firma seien, heißt es. Und zudem hätten sie mit ihrer Leidenschaft und ihrer Vision auch Zulieferer überzeugen können. Nun gut, das muss man dann glauben.

Das Smartphone soll es in Schwarz und in Weiß geben. Das Gehäuse besteht aus Glas und Aluminium, soll hochwertig verarbeitet sein und reduziert die Zahl der Knöpfe und Anschlüsse auf das Notwendigste. Entsprechend klar kommt das Äußere daher – und kantig. Allein der seitliche Kopfhöreranschluss irritiert, denn das wird in so mancher Situation unpraktisch sein.

Project S braucht ein Crowdfunding-Wunder

Nur noch bis zum 11. Januar haben die Macher Zeit, die 5 Millionen Dollar einzusammeln. Sollten sie das Ziel verfehlen, bekommen die Unterstützer ihre Summe von Indiegogo zurück. Momentan steht das Projekt bei nicht einmal 50.000 Dollar. Nach allem, was man so kennt, scheint ein Erfolg des Projekts sehr fraglich. Sollte es dennoch klappen, soll das Smartphone im November 2014 ausgeliefert werden. Sollte es nicht klappen, soll das Project S wohl trotzdem auf den Markt kommen, dann allerdings zu einem höheren Preis.

Wie immer beim Crowdfunding gibt es für diesen Termin keine Garantie. Es stellt sich auch die Frage, was die bereits etablierte Konkurrenz bis dahin auf den Markt bringen wird. Und nicht zuletzt bin ich persönlich kein großer Fan dieses Wettlaufs um das billigste Smartphone. Da setze ich meine Hoffnungen eher auf Projekte wie das Fairphone.

Wer das Projekt unterstützen möchte, findet hier alle weiteren Informationen.

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