22.03.09

Premiere vs. Kathrein: Sat-Receiver-Hersteller auf 26 Millionen € verklagt

Dr. Kathrein: Hat momentan weniger Grund zur Freude

Der Schuldige an den schlechten Abozahlen von Premiere ist für Murdoch endlich gefunden: Prof. Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein aus Rosenheim. Er soll nun über 26 Millionen an den Murdoch-Sender zahlen.

Lohnt es sich, Satellitenreceiver in Deutschland herzustellen? Bei den Lohnkosten hierzulande?

Wenn man Qualitätsprodukte herstellt, sich an die Gesetze hält und die richtigen Geschäftspartner wie den Pay-TV-Sender Premiere hat, dann ja - so dachte bislang Dr. Kathrein, Chef des Rosenheimer Herstellers von Antennen, Antennenverstärkern, Satellitenempfängern und sonstiger Funkgerätschaften. Und ärgerte sich, wenn seine Sat-Empfänger in China nachgebaut oder in der Presse hin und wieder als "Hackers Liebling" dargestellt wurden, nur weil sich andere Betriebssysteme einspielen ließen. Das ging schließlich bei Philips und Nokia auch.

Doch nun soll Dr. Kathrein Premiere über 26 Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Wieso das?

Na ja, einer muss ja schließlich Schuld sein an den schlechten Abozahlen von Premiere, die jahrelang kreativ hoch gerechnet wurden. Das Programm kann es natürlich nicht sein.

Die kuriose Logik der nun vor Gericht geendeten Auseinandersetzung:

     

  1. Das Unternehmen Zehnder hat aus China Satellitenreceiver importiert, die ab Werk Premiere gratis und illegal entschlüsselten.
  2. Dr. Kathrein hat 90% Anteile an Zehnder.
  3. Die Firma Kathrein stellt für Premiere Satellitenreceiver her, die Premiere legal entschlüsseln können und dürfen.
  4. Die Verträge zu 3. enthalten Vertragsstrafen für den Fall, dass Kathrein das Wissen über die Verschlüsselung zum Nachteil von Premiere mißbraucht.

Damit erscheint es juristisch klar, Dr. Kathrein für die Rechtsverstöße von Zehnder verantwortlich zu machen. Doch das Unternehmen Kathrein hat mit dem Unternehmen Zehnder zunächst einmal nichts zu tun. Dass Dr. Kathrein an beiden Anteile hält, ändert nichts daran, dass sie am Markt Konkurrenten sind. Ebenso ist nicht davon auszugehen, dass Dr. Kathrein mutwillig das eigene Geschäft beim Unternehmen Kathrein mit zugelassenen Premiere-Receivern dadurch sabotiert hat, dass er bei Zehnder illegale Receiver entwickeln oder importieren ließ. Wunderlich ist die Sache aber so oder so und wie immer bei diesen Auseinandersetzungen, kann man nur daneben stehen und sich wundern.

Er erwägt nun eine Gegenklage - auf Rufschädigung. Und es ist auch klar, welche Firma zukünftig nicht mehr mit Premiere zusammenarbeiten und keine Premiere-zertifizierten Receiver mehr herstellen wird. Was die eigentliche Absicht dieses absurden Gerichtsverfahrens sein könnte: Das inzwischen von Murdoch übernommene Pay-TV-Unternehmen möchte nämlich nur noch eigene bzw. vom zum Konzern gehörenden Satellitenempfänger-Hersteller Armstrad gefertigte Geräte zum Empfang von Premiere zulassen.

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