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30.05.13

IT-Welt im Wandel: Post-PC ist keine Frage der Hardware, sondern unserer Daten

Neue Geräteklassen sind nur ein Teil des Post-PC-Phänomens.

Ein erneuter Abgesang auf den PC-Markt, rosige Aussichten für Tablets: Die jüngsten Zahlen der Marktforscher von IDC scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen. Dabei trifft eine vermeintliche Wachablösung der Laptops durch Tablets nicht den Kern der Sache: Welche Hardware wir benutzen, wird zunehmend egal. Wichtiger ist, dass uns unsere Daten überall zur Verfügung stehen. Eine mannshohe Herausforderung für App-Entwickler, die ein Umdenken erfordert.

Neue Geräteklassen sind nur ein Teil des Post-PC-Phänomens. Neue Geräteklassen sind nur ein Teil des Post-PC-Phänomens.

Soll doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Die einen lieben Tablets, die anderen wollen nicht von ihren Laptops los und genug Menschen benutzen beides. Ich persönlich brauche meine PC-Tastatur und meinen 23-Zoll-Bildschirm, um produktiv zu arbeiten, genauso wie mein Smartphone für unterwegs. Andere Kollegen schwören auf ihr Tablet, an das sie bei Bedarf eine Tastatur koppeln. Der heutige Technikmarkt gibt alles her. Und das ist das Schöne: Jeder kann sich aus dem Angebot an Tablets, Phablets, Smartphones, Hybriden, Laptops, bald auch Smartwatches nach Lust, Laune und Geldbeutel den bevorzugten Mix zusammenstellen.

Deswegen eigentlich müßig, was IDC jüngst vergleicht: Tablets laufen Laptops den Rang ab, lautet die Schlagzeile. Schaue ich mir die Linien genau an, kann ich allerdings keinen besonders nennenswerten Rückgang der Verkaufszahlen von Laptops und PCs erkennen. Die Dinger werden uns in einer Form erhalten bleiben. Einige Hersteller, die nur PCs und Laptops verkaufen und keine Tablets, könnten Probleme bekommen. Diebische Freude mag deswegen bei mir aber nicht aufkommen. Wichtiger finde ich ohnehin einen ganz anderen Aspekt: Wie bekommen wir Zugriff auf unsere Daten und Apps auf allen Geräten, die wir benutzen?

Dieses Detail wird in Zukunft immer wichtiger werden. Der Musikdienst, für den ich Geld bezahle, die To-Do-List oder das digitale Gedächtnis, die meine Aufgaben und Notizen in der Cloud speichern. Meine Chats auf Facebook oder Skype, meine Mails, interessante Textstellen oder Texte, die ich für später speichere, meine Office-Dateien, Bilder. Egal, welches System oder Gerät ich wo benutze, ich möchte meine Daten dort verwenden.

Die Herausforderung ist trotz zahlloser Angebote noch lange nicht gelöst. Die meisten Menschen etwa verwenden Windows PCs aber kein Windows Phone, sondern eher Android oder iPhone. Schon gibt es Inkompatibilitäten aufgrund unterschiedlicher Dienste. Würde man nur in der Windows-Welt bleiben, fehlten trotzdem einige Apps, die nicht für beide Systeme zur Verfügung stehen. Außerdem mag kaum ein Nutzer all seine Daten einem Anbieter anvertrauen. Bevorzugt wird ein Mix, der aber Apps auf allen Systemen voraussetzt.

Google setzt derzeit viel daran, einen Datenabgleich zwischen Chrome OS und Android zu schaffen (wie auf der Google I/O gezeigt). Doch während für Android fast jede erdenkliche App zur Verfügung steht, sind es für Chrome OS deutlich weniger. Die Nutzer setzen also weiterhin auf andere, nicht direkt kompatible Systeme, wenn sie zusätzlich zum Android-Gerät noch einen Laptop wollen.

Responsive Design für Apps

Mir ist es eigentlich egal womit, ich will nur zu Hause am Schreibtisch meine Tastatur und meinen 23-Zoll-Screen benutzen. Ob ein Desktop-PC, ein Laptop, ein Smartphone oder auch ein Tablet die Recheneinheit dafür darstellt, ist einerlei, solange es flüssig läuft. Gerne darf es auch ein Smartphone sein, das sich kabellos mit Tastatur, Maus und Bildschirm verbindet. Ich will dort nur meine Apps und meine Daten haben. Wenn ich unterwegs arbeite, hätte ich gerne Zugang zu allen Daten und Apps auch auf meinem Laptop.

Das stellt immer höhere Anforderungen an App-Entwickler; eigentlich so viele, dass es kaum noch tragbar ist. Denn auch wenn Tablets und Smartphones immer wichtiger werden: Laptops und PCs werden so schnell nicht verschwinden. Statt dessen werden weitere Kategorien hinzu kommen, wie Smartwachtes, Wohnzimmerkonsolen, Media Server, Bordkonsolen (im Auto), Wearables mit eigenem Ökosystem. Und auf allen wollen wir möglichst ohne viel Aufwand Zugriff auf unsere Daten haben.

Post-PC? Ja, meinetwegen. Aber Datenabgleich und Multiplattform heißen die Zauberworte für die Zukunft. Angesichts begrenzter Entwickler-Ressourcen und heute schon mehr als genug Betriebssystemen auf dem Markt, liegt die Herausforderung hier. Und eine Lösung führt unweigerlich über offene Standards. Eine App-Entwicklung muss mit möglichst vielen Systemen kompatibel sein, im besten Fall mit allen. Es muss reichen, ähnlich wie beim Responsive Webdesign eine App zu programmieren, die sich automatisch allen Systemen anpasst. Ein weiter Weg.

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