22.09.06

Pocket Web - mobile Unabhängigkeit für Einsteiger?

Pocket Web

Gemäss 1&1 hat man mit dem Pocket Web "E-Mails und Internet immer dabei". Leeres Versprechen oder cooles Gadget?

1&1 ist sonst ja eher als Internet-Provider bekannt. Das Pocket Web - eine Art PDA/Smartphone - hat es aber dennoch verdient, etwas genauer untersucht zu werden. Glaubt man der Werbung, kriegt man nämlich für relativ wenig Geld viele nützliche Funktionen: E-Mail, Internet, Kalender, Adressbuch und Telefonie/SMS. Und dies alles nur für knapp ?10 pro Monat. Sie werden sich sagen: "Die Sache hat doch sicher einen Haken!" Hat sie auch ...

Auf den ersten Blick sieht alles schön und gut aus. Für sehr wenig Geld kann man immer und überall E-Mails lesen und im Internet surfen. Schaut man aber etwas genauer hin, erkennt man rasch, dass es sich beim Pocket Web eher um ein Spielzeug als um ein Arbeitsgerät handelt.

Mit seinen 11.5 cm x 7.5 cm ist das Pocketweb in etwa gleich gross wie ein Palm Handheld. Das Plastikdesign hat einen äusserst billigen Touch, jedoch will man mit dem Gerät ja arbeiten und nicht eine Modeschau bestreiten. Ferner kann man für die knapp ?50 auch nicht ein Design à la Apple erwarten. Gesteuert wird das Pocket Web über eine QWERTZ-Tastatur und einen 8-Wege-Button. Ferner gibt es auf der Tastatur Hotkeys um z.B. schnell die E-Mail Anwendung zu starten. Das Farbdisplay (4'000 Farben) misst knapp 7 cm x 4.5 cm und läuft mit einer Auflösung von 240 x 160 Pixel. Gemäss 1&1 hat das Pocket Web eine Standby-Zeit von 120h und eine Betriebszeit von 2.5h.

Mittels Push-Verfahren kann man unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort E-Mails empfangen. Da dies über IMAP geschieht, hat man kein Problem mit E-Mails, welche immer auf dem falschen Gerät sind. Jedoch funktioniert das Pocket Web nur mit E-Mail Adressen von GMX, 1&1 oder web.de. Wer nicht stolzer Besitzer einer solchen Adresse ist und dennoch das Pocket Web nutzen will, muss sich eine solche einrichten und die E-Mails vom bestehenden Account auf die neue Adresse forwarden lassen. Schreibt man ein E-Mail, sind maximal 4'000 Zeichen möglich - dies entspricht in etwa einer guten A4-Seite Text. Interessanterweise dürfen sowohl eingehende E-Mails als auch Antworten auf eingegangene E-Mails (inkl. Zitat) maximal 10'000 Zeichen enthalten. Auf unsere Anfrage, wie sich diese Diskrepanz genau erklären lässt, hat 1&1 nicht wieder geantwortet. Folgende Dateianhänge werden vom Pocket Web unterstützt: JPG, GIF, BMP (!), TXT (!), DOC & PDF. Bei einer Auflösung von 240 x 160 Pixel dürfte dabei aber wohl kein wirklicher Sehgenuss aufkommen.

Ins Internet gelangt man via GPRS, sprich es sind in etwa Übertragungsraten von 50Kb/s möglich. Der Browser unterstützt jedoch weder Frames (diese werden nacheinander statt nebeneinander angezeigt) noch Java noch Plugins wie Flash und Konsorten. Der Surfspass wird daher ziemlich limitiert. Dass der Pocket Web Pop-Ups ebenfalls nicht anzeigen kann, mag ja eine angenehme Seite haben (man wird weniger mit Werbung belästigt), jedoch vernunmöglicht dies das Surfen auf vielen Seiten. Dank einer Flatrate von ?9.99 pro Monat kann man wenigstens ohne Zeit- oder Datenbeschränkung surfen.

Dass sowohl ein Adressbuch als auch ein Kalender eingebaut wurde, ist sicherlich hilfreich, jedoch sucht man vergebens nach einer Synchronisationsfunktion. Web Pocket lässt sich also weder mit den Outlook-Kontakten noch mit dem GMX-Adressbuch abgleichen. Das Argument, dass man für so wenig Geld halt nicht alles bekommt, wurde bereits etwas überbeansprucht. Wer will schon alle Kontakte von Hand kopieren?

Nebst den oben beschriebenen Funktionen kann man mit dem Pocket Web auch telefonieren (über das mitgelieferte Headset - alternativ auch via Bluetooth-Headset, welches extra kostet) und SMS schreiben. Dies geschieht übers Vodafone-Netz und kostet ?0.29/Minute ins Festnetz und ins Vodafone-Mobilnetz und ?0.59/Minute in andere Mobilfunknetze. SMS kosten ?0.19. Mit einem SMS-Paket kann man für ?9.99 pro Monat 100 SMS versenden.

Schliesst man für 24 Monate einen Vertrag ab (Internet-Flatrate pro Monat: ?9.99), erhält man von 1&1 das Pocket Web, die SIM-Karte und ein Headset für ?49.99. Meldet man sich zusätzlich noch für das SMS-Paket an (?9.99 pro Monat - 100 SMS inklusive), kostet das Gerät nur noch ?1. Die SIM-karte darf man jedoch nur mit dem Pocket Web benutzen - man kann also nicht mit einem anderen Gerät von der Flatrate profitieren. Im Übrigen können zur Zeit nur Leute in Deutschland von Pocket Web "profitieren".

Naja, scheinbar gibt es einen Grund, wieso BlackBerrys deutlich teurer sind als das Pocket Web: sie funktionieren. Das Pocket Web ist ja wirklich billig, aber gleichzeitig weist es einfach zu viele Mankos auf, um als Arbeitsgerät durchzugehen. Für knapp ?50 (plus ?10 pro Monat) erhält man ein Spielzeug, welches wohl mehr frustiert als Spass macht. Wie oben beschrieben wurde, ist der Surfspass enorm eingeschränkt und wenn man keine E-Mail Adresse bei GMX, 1&1 oder web.de hat oder haben will, ist das Gerät schon fast nutzlos. Da gibt man meiner Meinung nach halt lieber etwas mehr aus und hat dafür auch was rechtes.

Update (26.9.2006 - 15:14): Nun hat 1&1 doch noch auf meine Anfrage (wieso man bei "normalen" E-Mails nur 4'000 Zeichen zur Verfügung hat während man bei Antworten 10'000 Zeichen verwenden kann) geantwortet:

 

Weil bei einer Antwortmail bzw Weiterleitung die Ursprungsmail noch mitgesendet werden kann. Was demzufolge 4000 + 4000 + Sicherheitsdifferenz ausmacht.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Mit freundlichen Grüssen

Customer Care Service

1&1 Internet AG

Soso, jeder andere E-Mail-User hat ja auch nur 4'000 Zeichen zur Verfügung, deshalb macht die Rechnung ja auch wahnsinnig Sinn ... Für mich ist das eher eine Schikane der Kunden ...

Weiterführende Links:
Pocket Web

1&1

BlackBerry

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