12.06.13

Playstation 4: Die bessere Xbox One?

Die PlayStation 4 - besser als die Xbox One? (Foto: Sony)

Alles steht und fällt von einer guten Präsentation. Als die PlayStation 4 angekündigt und nicht einmal das Gehäuse dem Publikum gezeigt wurde, waren die wenigsten potentiellen Käufer überzeugt. Vor der offiziellen Eröffnung der E3 wendete sich das Blatt: Nach Sonys Pressekonferenz ist die PS4 plötzlich eine schicke Konsole, die nicht nur günstiger als der direkte Konkurrent Xbox One ist, sondern nichts von Kamera-Spionage, Regionalcodesperre und Eindämmen des Gebrauchtwarenhandelns wissen möchte. Alles super? Die perfekte Spielekiste also?

Die PlayStation 4 - besser als die Xbox One? (Foto: Sony)

Die Ankündigungen auf der wohl wichtigsten Spielemesse der Welt, der E3 in Los Angeles, klingen aber auch großartig für Spieler. Das, womit Microsoft bei der Xbox One Konsumenten bevormunden möchte, soll es bei der PS4 nicht geben. Spiele gebraucht erwerben? Das funktioniert wie beim Vorgänger ganz normal. Ebenfalls ist es kein Problem, ein Game auf Blu-ray einem Freund zu leihen oder dergleichen. Händler wie GameStop dürfte das beruhigen. Einerseits. Aber machen wir uns nichts vor: Das ist doch nur Augenwischerei, oder?

 

Gebrauchte Spiele?!

Die ersten Jahre  der PlayStation 3 funktionierten klassisch - wie bei einer normalen Konsole eben. Ein erworbenes Spiel zum Vollpreis konnte wieder in Geld verwandelt werden, ein Käufer durfte die Second-Hand-Ware uneingeschränkt nutzen. Neben Electronic Arts war es auch das Unternehmen Sony, das Gebrauchtkäufer mittels Online-Pass nochmals zur Kasse bitten wollte. Online-Multiplayer-Modi wurden und werden via Code aktiviert, die ausschließlich neuen Spielen beiliegen und nur einmal eingelöst werden können. Zwar kündigte EA bereits eine Abkehr von diesem Konzept an, doch wieso sollte sich Sony diese Art des Monetarisierens entgehen lassen? Es funktioniert doch bei hauseigenen Blockbustern durchaus, bestimmt auch bei der PlayStation 4.

Die Frage ist perspektivisch ohnehin, ob das in drei, vier Jahren überhaupt eine Rolle spielt. Die 500GB große Festplatte der PS4 deutet an, wo der Fokus liegt. Digital erworbene Spiele, geladen aus dem PlayStation Store, wird  man so oder so nicht an Freunde geben können. Für diese Software gelten andere Geschäftsbedingungen - vielleicht sind die Beschränkungen der Xbox One (mehrere Nutzer können auf ein geladenes Spiel zugreifen) hier sogar fairer? Zumindest verrät Sony in dieser Richtung noch nicht allzu viel.  Es mag am Ende ähnlich zugehen wie bei der PlayStation 3, macht das Bewerben des „Gebrauchte Spiele sind für uns voll okay“ mittelfristig überflüssig. In Zeiten von Streams, schnellen Downloads und vielleicht sogar digitalen Sparangeboten gibt es  bald keinen Grund mehr, so sehr auf das Erwerben von gebrauchten Blu-rays herumzureiten. Davon ab: Manche Spieler sollten vielleicht einmal nachzählen, wie viele Spiele sie überhaupt auf dem Flohmarkt, bei Ebay und Co. gekauft haben.

Günstigere Paranoia

Offensichtlich ist die PlayStation 4 100 Euro günstiger als Microsofts anstehende Entertainment-Maschine. Die wiederum wird mit der zweiten Kinect-Generation ausgeliefert, man kommt nicht um diese Bewegungssteuerung herum. Sony hat dennoch mit der neuen PS Eye-Kamera ein Gegenstück parat, das wahrscheinlich an die 60 Euro kosten wird.  Sobald geeignete Spiele für die PS4 erscheinen, wird also ggf. eine Anschaffung der Peripherie fällig - und dann holt man sich doch eine Technik ins Haus, die die Paranoia aufleben lässt. Was, wenn diese Cam das Spielverhalten ebenfalls aufnimmt, auswertet und an den Verfassungsschutz, die NASA (vielleicht lebt ja ein Alien unter uns?) oder wen auch immer schickt? Verfolgungswahn ist im Grunde auch hier angebracht? Wobei: Der Controller der Wii U verfügt ebenfalls über eine Kamera, der 3DS auch. Jedes Smartphone heutzutage sowieso.  Ob und inwieweit etwas genutzt wird, liegt gewiss im Ermessen der Hersteller und der gesetzlichen Regelungen in einem Land, in dem ein Produkt verkauft wird. Das dürfte für Sony, Nintendo und Microsoft gleichermaßen gelten.

Klobiges Design

Eigentlich seltsam, dass sich so wenige Leute bei Twitter und Facebook über das Design der PS4 amüsiert haben. Im Grunde ist dies doch ein genauso stylischer Klotz wie die Xbox One? Aber vermutlich ist dies aufgrund der leistungsfähigen Architektur kaum anders möglich. Der 8-Kern-Prozessor von AMD mit seiner 1,84 Teraflops-GPU benötigt gewiss eine entsprechende Kühlung. Und das Blu-ray-Laufwerk sowie die 500GB benötigen ebenfalls Platz. Von einer besonders hübschen Optik kann eher nicht die Rede sein. Vorzüge gibt’s allerdings: Die HDD lässt sich offiziellen Aussagen zufolge wechseln - wie schon beim Vorläufer. Bei Microsoft ist dies allen Anschein nicht geplant. Und wenn doch, dann lässt man sich dies gut bezahlen - mit offiziellen Festplatten, die auf Standards pfeifen. So war es schließlich bei der Xbox 360.

Apropos: Löblich ist, dass Sony bei dem dezent veränderten und mit einem Touchpad versehenem DualShock 4-Controller wieder einen Akku integriert. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt Microsoft bei der Xbox One. Einen Akkupack sowie ein Headset für Onlinegespräche kauft man hier als Zubehör, bei Sony ist beides von Haus aus eine Selbstverständlichkeit. Löblich.

Eingeständnisse?

Wer mit der PlayStation 4 über das Internet spielen möchte, muss dafür zahlen. Der bereits von der PS3 bekannte PlayStation+-Dienst wird vorausgesetzt, er kostet 5 Euro im Monat. Da schaut sich Sony sichtlich etwas von Xbox Live des Mitbewerbers ab. Die anderen Vorteile, darunter monatlich kostenlose Spiele, Cloud-Sicherung von Spielständen etc., sollten bleiben. Letztlich führt dies dazu, dass sich mehr für PS+ entscheiden (müssen), wenn sie auf Mehrspieler-Unterhaltung Wert legen.

Schick oder nicht? (Foto: Sony)

Wer das alles nicht braucht, muss seine PS4 nicht einmal mit dem Internet verbinden. So betont es Sony auch auf der E3. Ob es in der Praxis und vor allem im Laufe der Zeit so bleibt? Was, wenn ein Entwickler dies voraussetzt - und sei es bei einem MMOG? Dann kann im schlimmsten Fall das Game nicht verwendet werden. Nur wie sinnvoll ist im 21. Jahrhundert eine Spielkonsole ohne Netz-Anbindung? Ich jedenfalls mache tagtäglich Gebrauch von praktischen Funktionen - und sei es, um einen Film oder eine TV-Serie auf den HDTV zu streamen, eine Demo zu saugen oder ein kleines Indie-Game zu kaufen. Klar kann man sich über die Tatsache, die Xbox One müsse regelmäßig ins Internet, aufregen. Nur wie viele von den „Hatern“  nutzen die modernen Elemente ihrer Konsolen jetzt schon?  Es ist in meinen Augen schön und gut, wenn dieser Aspekt von Sony hervorgehoben hat, in der Realität ist mir das aber total egal - weil nicht relevant.  Die PS4 möchte 2014 mit spannendem Cloudgaming (PS3-Spiele als Stream) und dem Erstellen von Live-Spielestreams begeistern - wer sollte darauf denn dringend verzichten wollen? Dann kann man sich den Kauf der Konsole gleich sparen und sein SNES auspacken.

Doch kein Ende der klassischen Spielkonsole?!

Was mir an der PS4 an sich gut gefällt: Das bisher Präsentierte erinnert sehr an die PlayStation 3. Ja, die neue Sony-Kiste fühlt sich wie ein Gerät zum Spielen an. Klar bewirbt man allerlei Features, darunter auch der Ausbau der Connectivity-Elemente mit PS Vita, Smartphones und Tablets. Aber es gibt noch Datenträger und einen Controller zum sofortigen Loslegen - egal, ob man nun Internet hat oder nicht. Sony hebt Multimedia-Klimbim nicht wie Microsoft in den Vordergrund, sondern den Aspekt des Spielens. Jetzt muss es nur noch mit dem Software-Angebot klappen. Hier und da ein paar Exklusiv-Entwicklungen, sonst vorrangig Multiplattform-Produktionen wurden auf der E3 gezeigt. Und da muss man Microsoft lassen, dass sie zumindest quantitativ doch sehr gut vorgelegt haben. Subjektiv betrachtet, gefällt mir das weniger überfrachtete Konzept der PS4 besser, während mich das Spiele-Lineup der Xbox One etwas mehr reizt. Wie schade, dass die beiden Konsolen trotz ähnlicher Hardware nicht miteinander kompatibel sind - das hätte viele Diskussionen womöglich überflüssig gemacht.

Alles in allem hat Sony bei den Spielern sichtlich Sympathiepunkte gesammelt  - genau die, die Microsoft durch die mittlerweile etwas relativierte Gängelung verloren hat. Und so sehr ich über die Vorbestellung nachdenke, so sehr bleibt meine naturgegebene Skepsis: Zum einen überlebte meine am Launch gekaufte PS4 den YLOD-Fehler nicht, zum anderen fehlen mir noch die Killer-Apps, die mich blind zu einer Konsole greifen lassen. Denn bei allem Blabla über Technik, Angst vor Überwachung und Feature-Overkill spielt noch immer das Spielen die Hauptrolle. Oder?

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!