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02.12.08

Philips Bilderrahmen mit WLAN im Test: Fotorahmen mit Internetzugriff

Der digitale Photorahmen von Philips brilliert mit hoher Auflösung und Wireless LAN. (Bild: Philips)

Mit dem digitalen Bilderrahmen PhotoFrame 8FF3WMI von Philips kann man Omas und Mütter jeden Tag aus der Ferne vom Neuem glücklich machen. Man stellt den Bilderrahmen den Liebsten auf den Nachttisch und zaubert via Internet jeden Abend ein neues, tagesaktuelles Foto in den Bilderrahmen.

8FF3WMI/00 tönt schrecklich, das Teil heisst bei mir ab sofort Fotogrüsser. Denn mit dem neuen digitalen Bilderrahmen von Philips kann man nicht nur zu Hause seine eigenen Bilder präsentieren, sondern die Diashow fernsteuern.

Auf den ersten Blick ist der Philips-Fotozeiger ein üblicher 8-Zoll-Bilderrahmen mit 800 x 600 Pixel Auflösung. Sein integrierter Speicher von 512 Megabyte schluckt ungefähr 2000 Fotos, die er ordentlich der Reihe nach oder im Zufallsverfahren auf dem Display erscheinen lässt. Die Bildübergänge sind hübsch animiert, zu grosse Bilder skaliert er automatisch und recht vernünftig.

Dank SD-Kartenslot kann man aber auch einfach die Speicherkarte aus der Kamera in den Bilderrahmen einschieben und sofort die Fotos betrachten. Grösser als 20 Megapixel dürfen dann die einzelnen JPEG-Dateien nicht sein. Wer seinen Bilderschatz auf einem USB-Stick hortet, kann auch diesen einfach anstöpseln. Ferner lässt sich der Bilderrahmen selbst per USB an den PC anschliessen und verhält sich dann wie ein normales Laufwerk, auf das man einfach die Bilder im Explorer kopieren kann.

Drahtlos füttern

So weit, so langweilig. Denn diese Fähigkeiten haben Billigst-Bilderrahmen aus dem Discounter auch. Allerdings haben die Billigvarianten meist ein schlecht auflösendes, kontrastarmes Display. Neben hoher Bildqualität bietet Philips aber auch clevere Zusatzfunktionen. Die denn Holländer haben erkannt, dass eigentlich niemand an seinem Bilderrahmen rumfummeln will. Deshalb haben sie den Bilderzeiger mit einer WLAN-Schnittstelle ausgestattet. Das heisst, er lässt sich so einfach über das Netzwerk mit Bildern füttern und der eingebaute Bilderspeicher wird drahtlos verwaltet. Der besondere Clou daran ist, dass man den PhotoFrame sogar aus dem Internet per RSS-Feed mit täglich neuen Bildern versorgen kann.

Auf der Philips-Verpackung prangen viele Logos. Davon garantiert vor allem der WPS-Kleber Einfachheit bei der Installation. Im drahtlosen Netzwerk müssen nämlich alle Beteiligten konfiguriert werden und vor allem sollen sie in einem sicheren Netzwerk auch einen geheimen Schlüssel teilen. Blöd daran ist nur, dass man den Schlüssel meist selber vergisst und ihn theoretisch mühsam über drei Tasten am Bilderrahmen eintippen müsste. Die Erlösung heisst Wi-Fi Protected Setup (WPS). Dabei drückt man am WLAN-Router und am Bilderrahmen jeweils eine Taste, wodurch beide Geräte für wenige Minuten in einen "Verbrüderungsmodus" schalten und automatisch per Funk die geheimen Schlüssel austauschen. Im Test hat das mit einer FritzBox WLAN 7210 problemlos geklappt. Der deutsche Router befreundete sich problemlos mit dem holländischen Bilderrahmen. Die Berliner bezeichnen den Trick übrigens als WPS-Push-Button-Methode (WPS-PBC), womit Sie auch gleich eine neue Abkürzung gelernt haben.

Danach muss man nur noch die mitgelieferte Windows-Software "Photo Manager" - am besten gleich in der aktuellsten Version aus dem Internet - herunterladen und installieren. Danach kann man direkt auf die sämtliche Bilder, seien diese im Speicher des Bilderrahmens oder in Speicherkärtchen zugreifen und diese mit Drag & Drop in Ordnern organisieren. Selbstverständlich lassen sich auch beliebe Bilddaten vom PC so auf den Bilderrahmen transferieren.

Es empfiehlt sich, sämtliche Bilddateien erst mal auf dem PC zu lagern und dort zu organisieren. Der Bilderrahmen lahmt nämlich bei gewissen Kopierfunktionen bedenklich. Schiebt man ihm beispielsweise ein volles SD-Kärtchen ein, dauert es Minuten, bis er die Vorschaubildchen generiert hat. Das kann der PC schneller und besser.

 

Im Photomanager kann man die Reihenfolge der Bilder verändern und diese minimal bearbeiten (Beschneiden, Rotieren, Ausschnitt bestimmen). Bildübergänge und Anzeigedauer lassen sich leider nicht individuell pro Bild definieren.

Auch alle anderen Einstellungen (Zeitschaltuhr des Bilderrahmens, Netzwerkeinstellungen etc) lassen sich leider nicht in der Software bewerkstelligen sondern müssen weiterhin mühsam am Bilderrahmen über die Steuertasten vorgenommen werden.

Die Philips-Techniker haben sich übrigens auch mit dem Stromsparen befasst. Der Rahmen lässt sich zeitgesteuert oder je nach Tageslicht automatisch dimmen und dunkel schalten. Unerklärlich ist, warum Philips nicht für eine paar Euros einen Bewegungssensor in den Rahmen verbaut. Bewegt sich vor dem Teil während einer Stunde nämlich nichts, kann man ihn getrost abschalten. Aber auch andere Hersteller haben diese Idee bisher nicht aufgenommen.

Fernbedienung fehlt

Der Bilderrahmen selber hat auf seiner Rückseite vier Drucktasten und eine 4-fach-Wippe mit der sich alle Einstellungen vornehmen lassen. In der Praxis ist das aber eher mühsam, weil man nur entweder Tastenbeschriftung oder Bildschirm sieht. Nebenbei dekoriert man fleissig den spiegelnden Rahmenrand mit Fingerabdrücken. Hier hätte ich mir eine Infrarotfernbedienung gewünscht.

Nur über diese Tastatur lässt sich der Netzwerkzugriff des PhotoFrame definieren und aktivieren. Im Prinzip kann der Bilderrahmen auf beliebige DLNA-Server im Heimnetzwerk zugreifen und Bilder direkt dort drahtlos abholen und anzeigen. Im Test funktionierte das mit einem Windows-Server mit Media Player 11 problemlos. Auf die Bilddaten eines Synology-UPnP-Servers konnte ich aber unerklärlicherweise nicht direkt zugreifen. Allerdings kann man auf die Synology-Photo-Station via RSS-Feed zugreifen. Wie das funktioniert, lesen Sie später.

Der Oma-Trick

Hat man WLAN und Netzwerk im Griff, ist es Zeit, das coolste Feature des Philips-Fotobetrachters zu beschreiben. Dank WLAN kann er seine Fotos nälich auch direkt aus dem Internet holen. Ein Breitband-Router als Türe ins Internet ist dabei allerdings Voraussetzung.

In der Praxis macht es aber kaum Sinn, einige Milliarden Bilder aus Flickr auf dem Fotorahmen abzuspulen. Man will natürlich nur bestimmte Bilder abspielen. Diese Bilderauswahl löst man clevererweise über "Really Simple Syndication" oder kurz RSS. Auf einer Internetseite steht einfach die Dateiliste von gewünschten Bildern. Der Bilderrahmen holt sich diese Dateiliste ab und arbeitet sie durch, das heisst er holt nach und nach alle auf der Liste aufgeführten Bilder aus dem Internet und zeigt sie an.

Das Beste an RSS ist, dass die üblichen Bilderverwalter wie Flickr und Picasa diese Technik automatisch unterstützen. Wenn man also ein Bilderalbum im Internet bei Picasa speichert, wird auch automatisch die passende RSS-Liste erstellt. Man muss nun dem Bilderrahmen nur noch die Webadresse der zugehörigen RSS-Liste mitteilen und schon holt er das Album aus dem Internet.

Das Ganze ist dynamisch, das heisst der Bilderrahmen aktualisiert die Liste periodisch im Internet. Wird das Album und damit die RSS-Liste geändert, zeigt auch der Bilderrahmen die neuen Bilder an. Der Rahmen wird so - wie von Geisterhand - aus der Ferne gesteuert.

Am einfachsten mit Picasa

Nun wollen Sie natürlich wissen, wie das in der Praxis funktioniert. Am bequemsten und kostenlos lässt es sich mit Picasa aus dem Google-Imperium realisieren. Dazu müssen Sie zuerst das Windows-Programm herunterladen und installieren. Sie können alternativ das Bilderalbum auch direkt im Web verwalten (Google-Mail, Fotos), das ist allerdings ein bisschen umständlicher.

 

1. Picasa kopiert Bilder ins Internet

Nach dem Start von Picasa sortieren Sie einige Lieblingsbilder in ein Album. Danach klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Album und wählen "Webalbum hochladen". Falls Sie noch keinen Gmail-Account haben, wird dieser angelegt, ansonsten müssen Sie lediglich die Daten eintippen und Picasa kopiert die Bilder automatisch ins Internet. Achten Sie darauf, dass der Ordner im Internet nicht öffentlich ist.

Nach dem Upload können Sie mit einem Klick auf "Online anschauen" sofort ins Webalbum wechseln. Sie gelangen auch jederzeit ins Webalbum, wenn Sie sich bei Gmail anmelden und den Reiter "Fotos" wählen.

Im Browser öffnen Sie nun Ihr Album, wodurch kleine Vorschaubilder angezeigt werden. Am rechten Rand sehen Sie das Wort RSS. Wenn Sie darauf klicken, öffnet sich das Album als RSS-Stream. Für unseren Zweck klicken Sie aber auf das Wörtchen RSS mit der rechten Maustaste und wählen "Linkadresse kopieren". Sie haben nun die RSS-Adresse in der Zwischenablage.

Nun starten wir den Frame-Manager von Philips. Dort klicken wir auf RSS-Feed und dann das Pluszeichen. Dadurch können wir einen neuen RSS-Feed definieren. Kategorie und Name sind beliebig. Nach einem Klick in das Adressfeld fügen wir die RSS-Adresse einfach durch rechten Mausklick und "Einfügen" ein. Mit "Hinzufügen" schliesst sich das Fenster. Die Informationen werden nun automatisch an den Bilderrahmen übertragen.

Als Letztes muss man den Rahmen noch anweisen, diesen RSS-Feed zu verwenden. Dazu fummelt man auf der Rahmenrückseite rum, bis man das Menü "Online" findet und dort in der Position Online der vorher definierten Feed auswählt.

Das wars.

Nun zeigt der Frame immer automatisch alle Bilder an, welche im Picasa-Album im Internet definiert sind. Kopiert man neue Bilder in das Album, erscheinen sie spätestens eine Stunde später auch auf dem Frame. Man kann also jeden Tag das Album aktualisieren und auf dem Schlafzimmertischchen von Oma gibt es jeden Abend die neusten Enkelbilder.

Im Test war das ganze Spielchen in knapp einer Stunde eingerichtet. Danach funktioniert es wartungsfrei. Ärgerlich ist aber, dass sich der Philips PhotoFrame den eingeschalteten Online-Modus nicht permanent merkt. Wird der Bilderrahmen ausgeschaltet oder vom Strom getrennt spielt er nach dem Neustart das interne Album ab und muss erst wieder über das Menü auf "Onlinebetrieb" umgeschaltet werden.

Fazit:

Der Philips-Bilderrahmen bietet viele Funktionen und gute Displayqualität. Bezüglich einfacher Bedienbarkeit hätte er aber einige Softwareanpassungen verdient. Insbesondere die Windows-Software sollte sämtliche Einstellungen am PhotoFrame direkt vornehmen können. Wünschenswert wäre ferner, dass der Frame sich via Dynamic DNS ( direkt im Internet registrieren kann. Dadurch könnte er jederzeit komplett ferngewartet werden und wäre 100%-Oma-sicher.

Mit der RSS-Funktion bietet er aber eine clevere Möglichkeit, aus der Ferne mit neuen Bildern versorgt zu werden. Die Beschäftigung mit dem Philips PhotoFrame hat dabei gezeigt, dass in vielen Geräten clevere Möglichkeiten stecken, deren Nutzung leider in der Dokumentation nur unzureichend erklärt werden.

Der PhotoFrame 8FF3WMI kostet rund 250 Euro (349 Franken).

Technische Daten:

Bildformat: 4:3

Auflösung: 800 x 600

Kontrastverhältnis: 300:1

Betrachtungswinkel: horizontal 130 Grad, vertikal 110 Grad

Lebensdauer bei 50 Prozent Helligkeit:20000 Std.

Helligkeit: 250 cd/m²

Komplettes Datenblatt des PhotoFrame als PDF

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