17.09.14

Parrot Zik: On-Ear-Kopfhörer mit Vollausstattung

Parrot Zik

Der französische  Hersteller Parrot ist vor allem für seine Freisprechsysteme bekannt, aber auch für seine Kameradrone „AR.Drone 2.0“. Seit einiger Zeit bietet Parrot außerdem einen hochwertige Kopfhörer mit dem unscheinbaren Namen „Zik“ an.  Dabei ist der Kopfhörer selbst, vor allem aber auch seine Ausstattung so gar nicht unscheinbar. Im neuerdings-Test soll der Parrot Zik nun zeigen, was er drauf hat und ob er seinem hohen Preis gerecht wird.

 

Was schon zu Beginn des Tests ins Auge springt: Der Parrot Zik ist wirklich reichhaltig ausgestattet. Das beginnt schon beim Design aus der Feder von Philip Starck. Das edle Oberflächenfinish des Kopfbügels und der Ohrmuschelträger aus gebürstetem Aluminium sowie die textilummantelten Kabel wirken sehr angenehm und hochwertig. Dieser Eindruck setzt sich bei den elektronischen Features fort: Der Zik bringt so ziemlich alles mit, was momentan sinnvoll in einem Kopfhörer untergebracht werden kann. So ist die rechte Ohrmuschel mit einer berührungssensitiven Außenschale versehen und eine aktive Kompensation von Außengeräusche ist ebenso vorhanden wie eine komfortable Headsetfunktion. Schlussendlich sorgen Bluetooth und die zusätzliche integrierte NFC-Technologie für die drahtlose Verbindung zu Smartphones oder Tablets. Dies alles macht den Zik sehr universell einsetzbar.

Der Klang

Die verwendeten Treiber sorgen im Zik für einen durchaus soliden Klang. Höhen werden allzeit sauber und klar, weitestgehend ohne Verzerrungen wiedergeben, im mittleren Bereich klingt er warm und ausgewogen und nur in den tiefen Frequenzen fehlt es dem Zik etwas an Durchsetzungsvermögen. Aber andererseits ist es auch angenehm, dass man bei Parrot auf die Überbetonung der Bässe à la „Beats“ verzichtet.  Insgesamt spielt sich der Parrot Zik so zwar nicht in die akustische Oberklasse der On-Ear-Kopfhörer, aber er sorgt jederzeit für angenehmen Musikgenuss. Vielleicht hätte Parrot aber doch ein wenig mehr auf die Abstimmung der Treiber achten sollen - der Fokus bei der Entwicklung scheint hingegen eher den weiteren Features des Zik gegolten zu haben.

Eines dieser Features, nämlich die aktive Geräuschunterdrückung, kommt aber auch wieder dem Musikgenuss entgegen. Mit der Hilfe von vier kleinen Mikrofonen erfasst und analysiert die integrierte Elektronik die Umgebungsgeräusche und sorgt durch deren Überlagerung mit einem invertierten Signal für eine Auslöschung eben dieser Umgebungsgeräusche. Soweit die Theorie.

In der Praxis funktioniert das dann auch erstaunlich gut: Parrots Noise Cancelling Funktion ist in gewissen Frequenzbändern erstaunlich effektiv. Wer den Parrot Zik mit aktiviertem Noise Cancelling im Flugzeug verwendet, wird überrascht sein, wie ruhig und angenehm sich ein Flug plötzlich darbieten kann. Der Zik blendet den Triebwerkslärm fast vollständig aus und was übrig bleibt ist ein leises und hochfrequentes Geräusch in der Art eines „weißen Rauschens“, welches gelegentlich durch ein Zwitschern und Knistern ergänzt wird. Das alles wiederum wird aber sehr leicht von Musik überdeckt und ergibt so einen relativ ungetrübten Musikgenuss. Trotzdem hat die aktive Geräuschunterdrückung aber auch ihrer Grenzen: Stimmen werden nicht ausgeblendet und wer sich der Hoffnung hingibt das heimische Kindergeschrei damit auszublenden, wird ebenfalls enttäuscht.

Die Smartphone-App

Parrot bietet für die Steuerung des Parrot Zik eine eigene Smartphone App namens „Parrot Audio Suite“ an. Diese ist inzwischen sowohl für iOS und Android als auch für Windows Phone erhältlich.

 

Nur mit dieser App ist es möglich, den Noise-Cancelling-Modus des Kopfhörers zu aktivieren. Darüber hinaus ermöglicht sie aber auch die Aktivierung eines Sieben-Band-Equalizers, bietet ein voreingestelltes Klang-Profil, welches von Lou Reed mitgestaltet wurde und stellt darüber hinaus einen DSP-Modus zur Verfügung, mit welchem man verschiedene Klangräume simulieren kann.

Die Parrot Audio Suite informiert darüber hinaus auch über den aktuellen Akkustand. Es empfiehlt sich hierauf ein Auge zu haben, der Kopfhörer selbst lässt einen über den Akkustand nämlich im Unklaren, und zwar genau so lange, bis der Akku leer ist, der Zik ein kurzes Warnsignal ausgibt um sich direkt im Anschluss auszuschalten.

Der Tragekomfort

Der Zik wiegt zwar nur etwas mehr als 300 g, auf Dauer übt er damit aber spürbaren Druck auf den Kopf aus. Zwar ist der Kopfbügel gut und angenehm gepolstert, da der Zik aber gleichzeitig auch recht eng am Kopf anliegt, ergibt sich vor allem in horizontaler Richtung  ein störender Druck auf die Schädelstruktur. Nun habe ich aber einen recht großen Kopfumfang, dadurch mag das Problem bei mir stärker zum Tragen kommen als bei Benutzern mit weniger ausgeprägtem Dickkopf.

Die Bedienung

Das Beste zuerst: Mein persönliches Highlight ist die rechte Ohrmuschel, welche auf der Außenseite als Touchpad ausgelegt ist. Darauf lässt sich mit einem einfachen Fingertipp die Musik starten oder pausieren, ankommenden Telefongespräche annehmen oder beenden und mit einfachen Gesten (hoch, runter, vor und zurück) ist die Lautstärke zu verändern oder man wechselt zwischen einzelnen Tracks hin und her. Intuitiv und einfach - deutlich einfacher als die Suche nach der richtigen Taste auf einer Kabelfernbedienung. Leider ist diese Art der Steuerung aber auch sehr empfindlich und so kann es schnell passieren, dass man aus Versehen einen Track weiterspringt, wenn man nur mal schnell der Kopfhörer richtig über die Ohren schieben möchte.

Zusätzlich sind in der rechten Ohrmuschel zwei Sensoren integriert: Diese sorgen dafür, dass Musik pausiert, sobald man den Kopfhörer absetzt, und fortgesetzt wird, wenn man ihn wieder aufsetzt. Telefoniert man mit dem Zik, sorgt das Abnehmen das Kopfhörer automatisch dazu, dass das Telefonat wieder zurück an das Telefon übergeben und dort fortgeführt werden kann.

Insgesamt ist das Bedienkonzept der Zik nahezu perfekt gelungen.

Eine Frage der Verbindung

Parrot spendiert dem Zik mehrere Möglichkeiten der Verbindung: Per USB findet der Zik Anschluss direkt am USB-Port eines Computers. Dies dient aber mitnichten der Audio-Wiedergabe, sondern nur um den Kopfhörer aufzuladen. Dieser Aufladevorgang dauert ungefähr drei Stunden, danach ist der Zik voll geladen und soll laut Parrot bis zu 6 Stunden Musik abspielen. Diese Ausdauer hat das vorliegenden Exemplar jedoch nicht an den Tag gelegt. Stattdessen ging ihm schon nach etwa drei bis vier Stunden die Puste aus.

Die Audiowiedergabe ist kabelgebunden über eine 3,5-mm-Klinkenverbindung oder drahtlos per Bluetooth möglich. Wer von verknoteten Kopfhörerstrippen genug hat wird sich freuen zu hören, dass die mitgelieferten Kabel eine solide Textilhülle bieten, welche die leidige Neigung der Selbstverknotung auf ein vertretbares Minimum reduziert. Aber wer braucht schon Kabel, wenn Bluetooth an Bord ist. Vor allem in der Verbindung mit dem ebenfalls integrierten NFC-Standard vereinfacht das die Sache doch ungemein. Zwar konnte ich es mit dem neuen iPhone 6 noch nicht testen, mit einem vorhandenen HTC One klappte es auf Anhieb und sekundenschnell: Die Bluetooth-Verbindung ist so deutlich einfacher hergestellt, als üblicherweise über die Aktivierung des Pairing-Modus und der anschließenden Eingabe einer PIN.

In diesem Zusammenhang wird der Zik seinem Namen aber dann gelegentlich doch gerecht und gibt sich manchmal etwas Zik-kig (gelungener Wortwitz?) wenn man versucht, den Kopfhörer mit einem zweiten Gerät zu koppeln. Wer daran denkt, dass das Koppeln mit einem zweiten Abspielgerät nur dann funktioniert, wenn nicht gerade schon eine Verbindung zu einem bereits gekoppelten Gerät besteht, erspart sich die langwierige Fehlersuche.

Apropos Fehlersuche: Parrot bietet für den Zik auch einen deutschprachigen Support und dieser ist sowohl telefonisch als auch per E-Mail recht gut zu erreichen.

Das Fazit

Der Zik von Parrot ist aus meiner Sicht eine echte Kaufempfehlung wert. Er klingt gut, ist hervorragend ausgestattet und das Bedienkonzept über die berühungssensitive Oberfläche des rechten On-Ears ist meines Wissens einzigartig. Zwar ist der Listenpreis dieses Kopfhörers mit über 300 Euro recht hoch, bei Amazon bekommt man ihn derzeit günstiger.

Schlagworte zu diesem Artikel

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!