10.04.14

Parrot Flower Power: Der Pflanzensensor im Praxistest

Herrlich witzige Verpackung. (Foto: Sven Wernicke)

Wer keinen grünen Daumen besitzt, wird sich womöglich an gelbe Blätter, faulig riechenden Boden und den regelmäßigen Weg zur Biotonne gewöhnt haben. Mit Parrot Flower Power soll das Wegwerfen der geliebten Wohnzimmerpflanzen ein Ende haben. Nur taugt der smarte Sensor für den Blumentopf wirklich etwas? Wir haben das gute Stück getestet.

 

Etwas erschreckend ist eines: Ein Exemplar von Flower Power kostet rund 50 Euro. Mit der Peripherie ist es zwar möglich, mehrere voneinander getrennte Pflanzen in der Wohnung oder gar auf dem Balkon zu überwachen - nur leider nicht gleichzeitig. Denn das witzig anmutende Gerät wird in die Erde gesteckt und prüft fortan regelmäßig und auf Wunsch sogar in Echtzeit die aktuellen Bedingungen, denen die Pflanze ausgesetzt ist. Würde man das Gadget woanders platzieren, würde dies die Ergebnisse verfälschen, vor allem wenn eine gänzlich andere Pflanze geprüft werden soll. Aus diesem Grund ist das Verwalten mehrere Gewächse möglich, für aussagekräftige Ergebnisse muss man aber eine Pflanze mindestens einen Tag, besser eine Woche mit Flower Power „verbinden“. Selbst konzentrierte ich mich auf ein Bäumchen in meiner Wohnung - eine Clivia. Stichprobenmäßig probierte ich auch zwei weitere aus. Hinweis: Befinden sich zum Beispiel in einem Blumenkasten mehrere verschiedene Pflanzen, können diese mit einem Flower Power gleichzeitig analysiert werden, wenn sie sich nah beieinander befinden und die gleichen Umgebungseinflüsse, also Sonneneinstrahlung oder Bodenbeschaffenheit, „teilen“.

Und wie funktioniert das jetzt nun?

 

Einrichtung

Parrot achtete bei Flower Power auf eine simple und einsteigerfreundliche Bedienung. Hat man das Gerät, das fast wie ein Stück Holz aussieht, aus der Verpackung genommen und die AAA-Batterie eingesteckt, leuchtet ein Kontrolllämpchen kurze Zeit auf. Die Hardware ist in Windeseile bereit. Nötig ist noch die dazugehörige iOS-App für iPhone, iPod Touch und iPad mit Bluetooth 4.0 Low Energy. Für Android soll im Jahresverlauf eine passende Software folgen. Die Verbindung zur Peripherie klappt völlig problemlos. Das ist auch nicht die Schwierigkeit. Anstrengend wird es für diejenigen, die nicht so genau wissen, welche Pflanzen in den eigenen vier Wänden stehen. Denn jedes Blümchen und jeder Strauch verlangen eine individuelle Behandlung, die der Sensor berücksichtigen möchte. Daher erstellt man ein Pflanzenprofil und wählt aus einem riesigen Archiv die passende heraus. Nur was, wenn man sich nicht wirklich gut auskennt? Dann beginnt das Rätselraten. Und manche hierzulande beliebten Pflanzen, zum Beispiel ein Affenbrotbaum, findet man gar nicht in der Liste. Das ist etwas ernüchternd und führt zu einer langwierigen Suche. Etwas hilfreich ist die offizielle Webseite mit praktischen Filter-Funktionen. Unterhaltung sieht allerdings anders aus.

 

Ist diese Hürde genommen, gibt’s eigentlich nicht mehr viel zu tun. Mindestens 24 Stunden sind nötig, bis es erste konkrete Details gibt, was womöglich falsch läuft. Sofort Details gewünscht? Kein Problem, dann schaut man sich ein paar Angaben zur Sonneneinstrahlung, der aktuellen Wassermenge und der Temperatur an.

Das steckt drin

Es ist nicht so, als würde Flower Power nur ein Spaß-Produkt sein. In dem Plastikgehäuse stecken Sensoren, die in Echtzeit die Lichtstärke, die Umgebungstemperatur (-10 bis 55 Grad) und die Bodenfeuchtigkeit messen. Interessant ist, wie Flower Power feststellt, ob gedüngt werden muss. Dies ist abhängig von der Leitfähigkeit des Bodens. Ob das wirklich präzise funktioniert und auch soweit korrekt ist, kann ich praktisch nicht nachprüfen. Zumindest meldete Flower Power nur sporadisch den Wunsch nach neuen Nährstoffen.

 

Bei einer längeren Verwendung kann man sich praktische Statistiken anschauen, bei denen die Temperaturschwankungen oder die Wassermenge im Boden deutlich werden. Die gesammelten Daten werden dazu verwendet, Tipps zu geben. Steht die Pflanze womöglich zu dunkel oder müsste man mal wieder gießen? Die App verrät es schnell. Informationen werden hier von Flower Power zur App und direkt zu Parrot „in die Cloud“ gesendet, eine Auswertung findet also offenbar nicht auf dem Smartphone oder Tablet statt. Ob das dringend nötig war? Zumindest kann man hoffen, dass die Angaben durch Vergleichswerte mit anderen Flower Power-Besitzern für einen selbst immer besser und genauer werden.

Guter Eindruck

Laut Parrot werden Werte für Lichtintensität und Feuchtigkeit alle 15 Minuten im internen Speicher des Geräts gesichert - maximal 80 Tage lang. Jede zweite Stunden können die Daten zum Smartphone geschickt werden, spätestens dann, sobald die App gestartet und die Verbindung aufgebaut wurde. Mitteilungen erhält man auf Wunsch via Push-Benachrichtigung, man ist also immer auf dem Laufenden und kann rechtzeitig reagieren, lange bevor die Pflanze das Zeitliche segnet. Allgemein empfinde ich das Konzept als logisch, nachvollziehbar und soweit transparent. Als Statistik-Fan hätte ich mir weitere Fakten oder gar Vergleiche mit anderen Flower Power-Nutzern weltweit gewünscht - vielleicht kommt da ja noch etwas. Davon abgesehen ist diese Lösung im Alltag unauffällig, gelegentlich schaut man mal nach Neuigkeiten und überprüft gemütlich auf der Couch, ob etwas ansteht. Oder eben auch nicht. Von einer besonderen Spannung kann hier nicht die Rede sein - logo!

 

Was für manche relevant ist: Parrot legt sehr viel Wert auf das Produktdesign. Allein die Verpackung ist herrlich amüsant. Flower Power, das sicherlich nicht zufällig einem Zweig ähnelt, steckt in einem Plastikblumentopf. Das Gerät selbst wirkt stabil, wertig und ist höchstens etwas groß geraten. Man steckt dieses tief in den Blumentopf, für kleine Gewächse ist es nicht geeignet. Denn wer möchte seinen Liebling an den Wurzeln verletzen?  In den Farben Blau, Braun und Grün ist Flower Power erhältlich. Hier ist der persönliche Geschmack gefragt.

Für Außeneinsätze ist Flower Power übrigens auch gedacht: Das Kunststoffgehäuse mit seinen Dichtungen aus Polyurethan (z.B. beim Batterieeinschub) ist nach den Standards IPx5 und IPx7 wassergeschützt.

Nach jetzt rund zwei Wochen hat die Batterie noch nicht schlapp gemacht, was wohl an Bluetooth 4.0 Low Energy liegen dürfte. Erst bei Bedarf wird eine Verbindung zum Smartphone hergestellt. Das hat ebenfalls den Vorteil, dass der Energieverbrauch sehr gering ausfällt - vermutlich gravierend niedriger als beim direkten Mitbewerber, dem Koubachi Wi-Fi Plant Sensor . Der braucht von Haus aus gleich zwei AA-Batterien.

Fazit: An sich eine gute Sache!

Meine Clivia lebt noch, ihr geht’s offenbar auch ganz gut, obwohl sie etwas mehr Licht vertragen könnte. Aber Düngung und Wassermenge sind immer im grünen Bereich. Und wenn’s mal nicht dabei bleibt, sagt mir Flower Power Bescheid. Das Gefühl, seine Pflanzen durch smarte Hardware „kontrollieren“ oder zumindest überwachen zu können, ist kein schlechtes - vor allem, wenn einem eine bestimmte Blume sehr am Herzen liegt. Ein Familienerbstück oder eine Seltenheit zum Beispiel. Genau das ist auch der Punkt: Flower Power kostet 50 Euro, sodass wohl die wenigsten gewillt sind, für ihren privaten botanischen Garten 20 Geräte zu kaufen. Vielmehr ist Flower Power zum einen ein aufschlussreiches Gadget, zum anderen für ganz besondere, auserwählte Pflanzen geeignet. Alles andere wäre zu aufwändig und zu teuer. Wer wissen möchte, was seinem grünen Liebling fehlt, tätigt keinen Fehlkauf. Mit den Informationen, die mir die App zur Verfügung stellt, bin ich jedenfalls zufrieden.

Verbesserungsbedarf sehe ich dennoch. Parrot sollte eventuell den Preis für Flower Power anpassen oder attraktive Bundles anbieten. Genauso wünsche ich mir eine Datenbank, in der ich schneller meine Pflanzen finden und auswählen kann. Und 8.000 Einträge klingen zwar nach viel, aber alle meine Pflanzen konnte ich dennoch nicht aufspüren. Die gelegentlichen Verbindungsabbrüche beim Abgleichen der Daten übers Internet kann ich gerade noch verschmerzen, sollen hier aber nicht unerwähnt bleiben.

Alles in allem ist Flower Power ein mäßig unterhaltsames, aber hilfreiches Gerät für all diejenigen, die eine Rarität pflegen und hegen möchten. Für den Alltag oder den Himbeerstrauch im Vorgarten wäre mir diese Lösung einfach viel zu happig für eine intelligente Erinnerungs- und Tippfunktion. Letztlich ist Flower Power ja nichts anderes.

Nebenbei erwähnt: Wer hier eine interaktive Spielerei wie Botanicus Interacticus erwartet, liegt völlig falsch. Ich will es nur gesagt haben...

Weitere Details zu Flower Power erhalten Interessierte auf der offiziellen Webseite.

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!