05.12.09

Palm Pre im Dauertest: Der Pluspunkt heisst "WebOS"

Palm Pre - Wie gut ist es im Langzeittest? (Bild: Palm)

Seit ein paar Wochen laufe ich mit dem Palm Pre in der Tasche rum. Jetzt ist es an der Zeit mal zu schauen, wie es sich im Alltag geschlagen hat.

Ich hatte das Palm Pre schon einem kurzen Ersttest (Teil 1, Teil 2) unterzogen, bei dem es schon recht gut weg kam. Es gab ein paar Dinge, die mich genervt haben, so zum Beispiel die etwas fummelige Tastatur und die scharfen Kanten des Handys. Das Problem bei so Schnelltests ist aber, dass sie dem Gerät selten gerecht werden. Schwächen werden überbewertet, Stärken nicht erkannt. Und manche Vorzüge erkennt man erst, wenn man mit einem Handy länger arbeitet. So auch beim Palm.

 

 

Die Form & Usability

Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die Form des Palm Pre am Anfang nicht so angesprochen hat. Zu kurvig, wie ein rund geschliffener Kieselstein. "Es rutscht in der Hand rum, man kann es kaum richtig festhalten," bemängelte ich gegenüber einem Bekannten. Nach vier Wochen muss ich allerdings sagen, dass ich die Form des Palm mittlerweile als angenehm empfinde. Vor allem, wenn das Handy in der Hosentasche trägt, nervt es nicht wie andere mit Ecken und Kanten.

Man gewöhnt sich auch daran, dass es in der Hand herum rutscht. Meine Befürchtung, ich würde das Pre dauernd fallen lassen, trat zwar nicht ein, aber ein paar Mal wäre es fast passiert. Schiebt man die Tastatur raus, hat es das Handy deutlich besser im Griff.

Eine nervige Fummelei ist und bleibt die winzige Klappe für den USB-Anschluss, die man kaum aufkriegt. Da sollte Palm schnell nachbessern.

Die scharfen Kanten des Palm in geöffnetem Zustand nutzen sich auch nach Wochen erstaunlicherweise nicht ab. Sie bleiben so scharf wie sie waren, und zarte Hände müssen geschützt bleiben.

Die Tastatur

Nach vier Wochen habe ich mich immer noch nicht so richtig mit der Tastatur anfreunden können. Sie stört mich nicht mehr in dem Maße, wie sie es am Anfang gemacht hat, aber der Weisheit letzter Schluss ist sie auch nicht. Klar - der Mensch ist anpassungsfähig: Nach zwei Wochen hatten sich die Tippfehler auf den kleinen Tasten erheblich reduziert, und ich hatte auch die Zahlen und Sonderzeichen im Griff. Dennoch war der Wunsch nach der Android- oder iPhone Tastatur immer wieder da. Meiner Meinung nach würde man bei Palm viel gewinnen, wenn man dem Pre auch noch eine Onscreen-Tatstatur spendieren würde.

Der Akku

So ein Akku braucht ja eine Zeit, bis er die volle Leistung bringt. Man muss ihn quasi "erziehen". Der Akku meines Standard-Telefons (HTC Magic) hat auch ein paar Wochen benötigt, bis er auf der Höhe der Zeit war. Beim Palm ist das ähnlich, aber wirklich massive Verbesserungen sind mir leider nicht aufgefallen. Der Akku ist und bleibt der augenfälligste Schwachpunkt des Telefons, denn eine Steckdose sollte immer in der Nähe sein. Ein Kollege war es irgendwann leid und hat sich bei Ebay einen 2250mAh Akku gekauft. Mit dem sei alles bestens, meinte er. Die 20 Euro könnte man also durchaus investieren.

Die Software

Im Test hatte ich schon angedeutet, dass die WebOS-Software des Palms eine kleine Sensation ist. Und das hat sich nach längeren Gebrauch auch nicht verändert. Im Gegenteil. Je länger ich den Palm genutzt habe, desto altmodischer kamen mir Android und iPhone vor. Das echte Multitasking des Palm kostet zwar jede Menge Strom (siehe Akku), aber es ist eine riesige Arbeitserleichterung.

Beispiel: man sucht einen Telefonnummer im Netz. Dafür öffnet man den Browser, surft zu einer Infoseite und versucht sich die Nummer zu merken. Dann schließt man den Browser, bzw. bewegt sich zum Desktop, öffnet das Telefonprogramm und gibt die Nummer ein, bis man feststellt, dass man sich die letzte Ziffer nicht gemerkt hat. Also wieder Browser neu öffnen usw. Beim Palm geht man ebenso vor, nur bleibt der Browser offen. Man scrollt einfach vertikal durch die Anwendungsleiste und schaut wieder in den Browser, dann scrollt man zurück zum Telefon. Will man ein Programm schließen, schiebt man es nach oben.

Etwas umständlich waren die Gesten zu lernen, mit denen man das Telefon bedienen kann. Sie unterscheiden sich doch teilweise erheblich, und ohne die Kurzanleitung zu konsultieren, geht es gar nicht. Hat man sie aber im Hirn verankert, merkt man erneut, wie genial die Software ist. Zum Beispiel: SMS löscht man aus der Liste, in dem sie einfach nach rechts zieht. Schneller und bequemer kann man kaum löschen.

Apps

Da kann man es kurz machen: wer unbedingt 34 Trilliarden Apps auf seinem Handy haben möchte, der wird mit dem Palm nicht glücklich. Im Vergleich zum Appstore und Android-Market herrscht bei Palm gähende Leere. Das bedeutet aber nicht, dass es nichts gibt. Die wichtigsten Sachen (Twitter, Facebook usw.) sind schon da, aber eben nicht die Menge und die Variationen, die man von anderen Anbietern kennt. Das ist aber auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass der Pre gerade seit Juni in den USA auf dem Markt ist. Da sich Apps für den Pre aber sehr schnell programmieren lassen, sollte sich die Situation ändern. Einen Überblick über die Apps findet man bei Palm.

Fazit:

Die Schwächen, die die Hardware zeigt, werden von der Software locker aufgefangen. Fast würde man sich wünschen, dass man das WebOS in ein iPhone oder ein Nokia stecken könnte. Nach ein paar Wochen intensiven Gebrauchs hat man sich an die marginalen Schwächen der Hardware durchaus gewöhnt. Nur der Akku macht weiter Sorgen, aber den kann man ja austauschen.

Wer noch kein Smartphone hat, dem kann man das Palm auf jeden Fall empfehlen. Es ist, nach einer Eingewöhnungszeit, leicht zu bedienen, es macht viel Spaß und das Betriebssystem zeigt, was ein modernes Smartphone heutzutage können sollte. Multitasking ist etwas, was weder Apple noch Android bisher hinbekommen haben.

Mittlerweile liegt der "Strassenpreis" bei Ebay zwischen 380 und 330 Euro, bei Amazon zahlt man für das Palm Pre 425 Euro, bekommt dafür halt aber ein neues Handy und die Garantie dazu.

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