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09.01.09

Palm Pre mit WebOS: Palm meldet sich zurück

Das Palm Pre macht eine gute, wenn auch ein wenig runde Figur. Klick für Galerie.

Mit dem Palm Pre und WebOS meldet sich der Erfinder des PDA zurück. Das Gerät vereinigt das Beste aus allen Vorgänger- und Konkurrenzgeräten.

 

Die Börse greift der Begeisterung der Geeks vor: Unglaubliche 35% schoss der Aktienkurs der beinahe zum Penny-Stock verkommenen Palm Inc am 8. Januar hoch, nachdem an der CES in Las Vegas das Palm Pre mit WebOS vorgestellt worden war. Das neue Smartphone ist der Buzz der Szene und der Börse. Palm, eigentliche Erfinderin des PDA, scheint sich damit am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen, in den sich die Firma in den letzten Jahren geritten hat.

Im Palm Pre ist jetzt endlich nicht nur Wifi drin, sondern auch ein grosser Touchscreen und eine Slider Tastatur, GPS, Bluetooth, Sensoren, Kamera und, vor allem, ein vollkommen neues Betriebssystem. Das Palm Pre könnte dabei nochmals eine kleine Revolution auslösen, die der ersten Komplett-Synchronisation auf Knopfdruck vor fast 15 Jahren nahe kommt. Das Betriebssystem heisst WebOS - das Palm Pre synchronisiert sich selber.

Das Aufheben um das Palm Pre ist nicht ganz unverdient, finde ich - seit dem ersten Pilot ein Palm-Fan, war ich vor Erscheinen des iPhones überzeugt, dass Palm die Kurve nicht mehr kriegt: Zu lang hat sich die Firma mit dem Einbau von Wifi in ein PDA-Telefon zurückgehalten, zu lang hat sie keine wirklich innovative Idee mehr vorgestellt, dabei hatte sie mit Graffiti, Knopfdruck-Komplettsynchronisation und dem Einbau eines Telefons in ihre PDA (ok, das war das Spinoff Handspring) Meilensteine gesetzt. Der letzte liegt allerdings wohl mehr als fünf Jahre zurück.

 

Immer und überall, wo es eine Datenverbindung findet, gleicht sich das WebOS in echtzeit ab. Es bringt Web und Anwendungen dichter zusammen als das iPhone, es beherrscht Multitasking und Web-Standards, neben Imap und Pop3 auch Outlook-Server Mail und gleicht sich ständig mit Webkalendern wie Google und Facebook, aber auch deren Adressdatenbanken ab. iPhone-Fans werden Kopie! Kopie! schreien - aber möglicherweise schon bald neidisch auf die integrierte Synchronisierung, Tastatur, Multitasking und Stereo-Bluetooth schielen.

 

Das neue Mobiltelefon kann getrost als grosser Wurf bezeichnet werden, vor allem, nachdem Palm in den letzten Jahren vollständig auf der falschen Schiene zu sitzen schien. Das Pre kann von Haus aus alles, was das iPhone kann - und mehr. Zum drei Zoll grossen Touchscreen mit 480*320 Pixeln Auflösung gesellt sich die von Palm gewohnte und vielgelobte Daumen-Tastatur - zum Ausschieben aus dem Slider.

Neben Wifi (802.11 b/g) hat das Palm Pre auch Bluetooth an Bord, und zwar inklusive Unterstützung für Stereo-Audio. Zum intergierten GPS gesellen sich Annäherungssensor (der Touchscreen wird ausgeschaltet beim Telefongebrauch) und Accelerometer zur Ausrichtung des Bildschirminhalts. Der Web-Browser ist angeblich vollständig kompatibel mit Standard-Webseiten und lässt ein stufenloses Zoomen sowie den Wechsel der Orientierung zu. Das Palm Pre beherrscht nicht nur Multitaksing, es setzt darauf - die Anwendungen sollen sich ja immer online auf dem Laufenden halten.

 

Das WebOS integriert Online-Anwendungen nahtlos: Die Kalender-Anwendung holt sich die Daten aus Google-, Facebook- und anderen Online-Kalendern und macht so eine Synchrionisierung überflüssig - sie findet gewissermassen permanent statt. Synergy nennt Palm das. Der Kalender zeigt ausserdem Termine auf Wunsch gruppiert nach persönlichen, Business-, Familien- oder sonstwie kategorisierten Klassen an (oder alle miteinander); es gibt eine Suche, die sämtliche Anwendungen umfasst (hatten die Palms immer schon - und ich will es nicht mehr missen, muss ich zum Glück auch beim Nokia E71 nicht). Der Speicherplatz ist mit 8 GB gut wohl etwas knapp bemessen und nach bisherigen erkenntnissen nicht eerweiterbar. Die Kamera mit 3 Megapixeln und LED-Blitz, offenbar ohne Video, steht ebenfalls etwas zurück. Palm Pre unterstützt Imap und Pop3 als Email, aber auch Outlook ab Firmenservern.

Was die übrige Hardware angeht, setzt Palm endlich, endlich auf Standards: Audio-Ausgang ist ein Standard 3,5 mm Klinkenstecker, Datenverbindung (und hoffentlich auch Ladeanschluss) ist ein Micro-USB-Schnittstelle. Der Akku ist entnehm- und damit auswechselbar.

Die neue Plattform soll es Entwicklern sehr einfach machen, Anwendungen zu schreiben - das WebOS unterstütze eine Vielzahl von WebStandards von XHTML bis Javascript.

Das Palm Pre ist in den USA in der ersten Hälfte dieses Jahres verfügbar - bei Sprint, und damit noch nicht als europafähige UMTS-Version. Die folgt laut Pressemitteilung nach der Einführung in den amerikanischen Markt.

Dass das gerät in Geek-Kreisen gefällt, ist zwar ein teilerfolg für Palm One, aber noch keine Garantie für das Comeback. Wichtig ist, ob die Entwickler das neue Palmbetriebssystem so gut annehmen wie die iPhone-Plattform (und früher Palm), und vor allem, ob sich das gerät oder weitere Varianten in der Geschäftswelt, wo Palm mit seinen Windows-Geräten zu Hause war, durchsetzen kann. Immerhin hat Hauptkonkurrent RIM mit dem neusten Blackberry endlich den Touchscreen entdeckt.

 

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