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09.03.06

Origami/UMPC: eine erste Analyse

Die Enttäuschung in der Gadgetszene ist nicht zu überhören: Microsoft und Intel haben mit dem Ultra-Mobile PC alias Origami heute keinen phantastischen Technologiesprung gezeigt, wie viele gehofft hatten, sondern "nur" ein neues Produktkonzept vorgestellt. Der UMPC verwendet längst bekannte PC-Technik, altbewährte Software und nicht einmal eine besonders attraktive Verpackung. Ist diese neue Geräteklasse darum jetzt schon zum Scheitern verurteilt?

Nicht, wenn die Hersteller den UMPC nach diesem eher schwachen Start richtig vermarkten. Diese Produktklasse ist nicht für Poweruser und Gadget-Fanatiker gedacht, sondern für preisbewusste Konsumenten. Den mobilen Manager oder globetrottenden IT-Consultant kann man sich nur schlecht mit einem Origami unter dem Arm vorstellen, die Schülerin, den Studenten oder die junge Berufsanfängerin hingegen schon wesentlich eher. Und genau auf diese Zielgruppen, die sich bisher kaum die teuren Tablet-PCs oder Subnotebooks leisten konnten, zielt der UMPC. Auffällig ist an den Werbevideos, dass fast nur Leute unter 25 und mehrheitlich Frauen als User gezeigt werden. Intel und Microsoft wollen sich unbedingt diese bisher eher schlecht erschlossenen Segmente sichern, bevor andere -- zum Beispiel Apple -- zu stark werden.

Fragt sich nur, ob der UMPC dafür einen ausreichend hohen Coolness-Faktor mitbringt, mal ganz abgesehen vom umständlichen offiziellen Namen. Die neuen Zielgruppen kaufen nicht primär Technik, sondern ein Lebensgefühl und Mode-Statements. Ob die Geräte einen VIA- oder Celeron-Prozessor haben, ist den UMPC-Zielkunden herzlich egal -- welche Farbe das Gehäuse hat, hingegen nicht.

Die heute an der CeBIT gezeigten Designs sind aber leider nicht gerade aufregend, was angesichts der bisher bekannten Hersteller -- Samsung, Asus, Founder -- auch nicht sehr überrascht. Und noch ein Hindernis gibt es: Das Betriebssystem (Windows XP) wurde ursprünglich für Business-Anwendungen entwickelt, und die daraus resultierende Komplexität spürt man an jeder Ecke. Das User-Interface wurde nicht, wie in der Unterhaltungselektronik sonst üblich, völlig neu und nur für diesen Anwendungszweck entwickelt, sondern schleppt den historischen Ballast von 25 Jahren PC-Evolution mit sich herum. Und: Eine so perfekte Integration mit Online-Medienshops wie Apple können die UMPC-Hersteller bisher nicht bieten. Ein klarer Nachteil für ein unterhaltungsorientiertes Gerät

Es ist grundsätzlich sicher positiv, dass Microsoft und Intel den Anwendungsbereich des PCs ausdehnen wollen. Aber das ist natürlich primär ein defensiver Schachzug, denn für die meisten Konsumenten sind Windows-PCs bisher nicht unbedingt eine Produktkategorie, die sie mit Unterhaltung assoziieren. Andere Anbieter haben da wesentlich mehr Erfolg. Der Kampf ums Wohnzimmer, um den Studenten-Rucksack und die Damenhandtasche geht in die nächste Runde.

Insofern war die Origami-Kampagne aber bisher ein klarer Flop: Die Aufregung in der Gadget-Szene war gross, aber in der Mainstream-Presse fand das Thema praktisch nicht statt. Erfolgreich wird der UMPC aber erst dann, wenn nicht Engadget, sondern Elle darüber berichtet.

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