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22.10.13

Diskussion: Wie Google Schritt für Schritt Open Source aus Android verdrängt

Android – die "grüne Alternative". (Foto: brianc, flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Ein Artikel von ArsTechnica beleuchtet einen Trend, der vor allem Hardcore-Android-Fans wenig gefallen dürfte: Google rückt von Open Source ab und versucht stattdessen Stück für Stück mehr Kontrolle über Android zu bekommen.

Android – die "grüne Alternative". (Foto: brianc, flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Den Quellcode einer Software oder den Bauplan einer Hardware offen zu legen und jedem zu erlauben, darauf aufzubauen, ist in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf dazu, wie unsere Wirtschaft heute funktioniert. Denn sie setzt bevorzugt auf proprietäre Systeme, die sie idealerweise mit Patenten schützt. Bei Open Source gibt man seine Ideen und seine Arbeit frei und hofft, dass andere darauf aufbauen. Bei Closed Source hofft man, dass die Konkurrenz so langsam wie möglich aufschließen möge.

Insofern nicht verwunderlich, dass Android allein schon deshalb viele Fans hat, weil es im Kern quelloffen ist. Google spielt diese Karte auch immer wieder gern im Markting aus. Allerdings wird Googles selbstproklamierte Leidenschaft für Offenheit immer unglaubwürdiger. Warum das so ist, erklärt ein ausführlicher Artikel von ArsTechnica anhand diverser Beispiele. Seine wesentlichen Aussagen:

  • Android bleibt im Kern Open Source und steht im Prinzip jedem im Rahmen des Android Open Source Projct (AOSP) zur Verfügung. Daran hat sich nichts geändert.
  • Der Haken: Googles eigene Apps gehören nicht dazu, denn die sind Closed Source. Sprich: Wer ein Android-Phone mit Googles Apps herausbringen will, muss sie von Google lizenzieren. Das Beunruhigende: Immer mehr Kernfunktionalitäten wandern in solche Closed-Source-Apps und ihre Open-Source-Pendants werden im gleichen Atemzug nicht mehr weiterentwickelt. Es geht also nicht nur um Gmail, Maps, YouTube, sondern auch um die Suchfunktion, den Kalender, SMS oder die Bildergalerie.
  • Zudem gibt es die Google-Apps nur im Paket. Man kann sich als Hersteller nicht aussuchen, was man nutzen möchte, alles muss vorhanden sein. Google versucht beispielsweise auch, den alternativen Location Service Skyhook von Android fernzuhalten. Skyhook versucht dagegen juristisch vorzugehen.
  • Will man als Smartphone-Hersteller die Google-Apps lizenzieren, hat man die beste Chance, wenn man Mitglied der Open Handset Alliance wird. Der Haken hier: Als Mitglied darf man nicht zugleich "inoffizielle" Android-Handys herausbringen.
  • Android-Apps setzen zunehmend auf APIs, die über die Google Play Services bereitgestellt werden. Man ahnt es bereits: Die Google Play Services sind Closed Source. Das erleichtert Entwicklern auf der einen Seite ihre Arbeit, erschwert aber zugleich, Apps zugleich für das pure Open-Source-Android oder Android-Forks herauszubringen.

Ein Beispiel für den schleichenden Open-Source-Verfall von Android: Die Suchfunktion in der offenen Variante (li.) gegenüber Googles Closed-Source-Version. (Quelle: ArsTchnica)

Auf diese Weise verbietet Google zwar nicht direkt, Android zu nehmen und es selbst weiter zu entwickeln. Aber es wird de facto soweit erschwert, dass es für einen Hersteller schlichtweg uninteressant ist. Samsung gehört zu denjenigen, die für viele Google-Apps bereits Alternativen in petto haben – offenbar für den Fall der Fälle.

Ich frage mich vor allem: Wie passt Googles Verhalten zum Gedanken von Open Source, wo "Forks" ein natürlicher Bestandteil der Idee sind? Wie passt es zu Googles Marketingsprech von der Macht der Offenheit, wenn man zugleich immer mehr Funktionalität in Closed Source einsperrt?

ArsTechnica schreibt, dass Android vor allem deshalb Open Source sei, weil das Google zu Beginn geholfen hat. Sie hatten Angst, das Apple den Smartphone-Markt übernehmen könnte und sie dann vom Wohlwollen eines Unternehmens abhängig wären. Jetzt, wo sie mit 80 Prozent Marktanteil mehr erreicht haben als sie sich wohl selbst träumen ließen, geht es darum, dieses Ökosystem zu bewahren. Da ist dann Open Source zwar noch hübsch als Label, aber zugleich gefährlich.

Am Ende des Tages ist Google eben ein milliardenschweres Unternehmen, das Gewinne machen und seine Geschäfte beschützen will. In Details mag es sich da sympathischer oder ethischer verhalten als andere. Zu sehr sollte man auf Googles Marketing aber nicht hereinfallen.

Vor allem sollte man Google an seinen eigenen Aussagen messen.

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