06.01.14

Open Automotive Alliance: Googles cleverer Schachzug für Android im vernetzten Auto

Open Automotive Alliance. Bild: Google

Google hat heute auf der Technikmesse CES zusammen mit den ersten fünf Partnern die Open Automotive Alliance vorgestellt. Die Chancen auf einen ähnlich durchschlagenden Erfolg wie Android sind ungewiss, der Marketingschachzug ist aber definitiv clever.

 

In dieser Woche steigt in Las Vegas die Technikmesse CES , die meist bereits einen guten Ausblick auf das gibt, was im laufenden Technikjahr zu erwarten ist. Google nutzte die Bühne, um eine neue Marschrichtung auszugeben: Das Auto soll vernetzt werden - und zwar nach Googles eigenen Vorstellungen.

Deswegen stellte der Datenexperte heute zusammen mit den ersten fünf Partnern Audi, General Motors, Honda, Hyundai sowie Nvidia die Open Automotive Alliance (OAA) vor. KFZ-Hersteller sollen an Wegen arbeiten, um Android ins Auto zu bringen, Connected Cars oder sogar Smart Cars ins Leben zu rufen. Wenn Google damit ein ähnlich durchschlagender Erfolg gelingt wie mit Android auf Smartphones, dann dürfte in Neuwagen in einigen Jahren nichts mehr so sein, wie es mal war. Doch wir müssen hier leise Zweifel anmelden.

 

Muss kommen, aber wie?

Im Prinzip ist klar, dass passend zugeschnittene mobile Services für Autos kommen müssen, dass bei bisherigen Angeboten noch massig Luft nach oben ist und dass der Kampf ums vernetzte Auto jetzt erst beginnt. Mehrere Hersteller, auch Googles Konkurrenten Apple und Nokia, arbeiten an entsprechenden Lösungen. Bis heute ist es in nur wenigen Neuwagen vernünftig gelöst, überhaupt eine Verbindung ins mobile Web herzustellen und dabei Services zu nutzen, die den Fahrer nicht von der Straße ablenken.

Wenn die Open Automotive Alliance es hier schafft, etwa eine funktionierende Sprachsteuerung mit modernen Navigationssystemen, Musik-Apps oder einem Tankalarm zu verknüpfen, wäre hier schon viel erreicht. Es tut wenig zur Sache, dass Google heute noch überhaupt nichts Konkretes vorgestellt hat. Die OAA ist bislang nur eine kleine Industrievereinigung, und noch wurde überhaupt nicht erklärt, welche Services Google hier eigentlich genau plant. Für Vertrauen sorgt aber bereits jetzt schon die exzellente Arbeit des Namensvorbilds Open Handset Alliance und eben Android in den vergangenen Jahren.

Neue Argumente für den Autokauf

Binnen fünf Jahren nach dem Start des ersten Android-Smartphones haben es Google und die zahlreichen Partner geschafft, Android zu dem Betriebssystem zu machen, das heute in den meisten neu verkauften Tablets oder Smartphones installiert ist. Das System steht für Vielseitigkeit, Innovationen und inzwischen auch eine angenehme Bedienoberfläche.

Allein das wird den neuen Partnern Mut machen und weitere namhafte Spieler überzeugen, an der OAA teilzunehmen. Man wird Google zutrauen, das Auto zu einer vernetzten Schaltzentrale zu machen und hier mit Android im Auto eine Art Standard zu schaffen. Und natürlich wird sich auch die KFZ-Industrie freuen: neue Argumente für den Kauf eines Neuwagens.

Teurer Spaß

Das allerdings ist genau das Problem: Denn wer kauft sich heute schon noch einen Neuwagen? Die KFZ-Industrie darbt seit Jahren, die meisten Märkte sind gesättigt. Neuwagen wird man vornehmlich noch in der Luxus- oder Einstiegsklasse los oder in Form besonders günstiger Finanzierung. Ein Auto kauft man sich nicht mal eben so, die KFZ-Hersteller wissen das und investieren deswegen mittlerweile munter in Carsharing-Projekte. Ein Automobil, das in den vergangenen Jahren gebaut wurde, hat eine Laufzeit von gut zehn Jahren, oft noch deutlich länger. Mit Connected Car ist es bei älteren Wagen nicht weit hin. Man kann mit neuesten Smartphones nachrüsten, was allerdings immer mit einem Komfortverlust verbunden ist. Die KFZ-Hersteller zeigen derzeit, dass sie vielleicht am Thema Connected Car interessiert sind, sie lassen sich diesen Spaß aber auch teuer bezahlen.

Kein nennenswerter Vorteil

Was nützt also die ganze Smart-Car-Geschichte, wenn die Masse der Bevölkerung das Geld für einen Neuwagen nicht aufbringen will oder kann? Wenn sich bestehende Autos nicht so komfortabel nachrüsten lassen? Wenn es außerdem weit weniger attraktiv ist, eine Bordkonsole auszutauschen als ein Smartphone? Auch wenn die OAA das vernetzte Auto zusätzlich über Android-Smartphones und Tablets ermöglichen will: Den gleichen Komfort würde das nicht bedeuten, und auch gegenüber Apple und Nokia hätte Google dann keinen nennenswerten Vorteil.

Die Entscheidung für eine Industrievereinigung ist dennoch vernünftig: Während wir heute Tablets und Smartphones für kaum noch 200 Euro im Supermarkt kaufen können und dann überall Zugang zum mobilen Internet haben, tun die KFZ-Hersteller vielfach noch so, als sei das mobile Internet ein Ding der Zukunft und nur für die Luxusklasse interessant. Das dürfte sich mit dem Start der OAA ändern. Laut Google wird man die ersten mit Android vernetzten Neuwagen bereits Ende des Jahres sehen.

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