27.01.14

Olympus OM-D E-M1 im Test: Zahlreiche Detailverbesserungen machen den Unterschied

Bild: Olympus

Die Olympus OM-D E-M1 ist nicht nur die neueste Micro-Four-Thirds-Kamera von Olympus, sie ist zugleich das offizielle Nachfolgemodell der Four-Thirds-Spiegelreflexkamera E-5, die im Jahr 2010 das vorläufige Ende der Four-Thirds-Kameras markierte. Wir haben sie ausprobiert.

 

Wie schon bei meinem Kurztest der E-M5 werde ich nicht auf alle technischen Einzelheiten der Kamera eingehen, sondern mich stattdessen auf die wesentlichen Neuerungen, insbesondere im Vergleich zur kleineren Schwester OM-D E-M5 konzentrieren.

Die E-M1 ist dabei die erste Micro-Four-Thirds-Kamera von Olympus, die durchaus auch professionellen Ansprüchen gerecht werden soll. Von der E-M5 unterscheidet sie sich auf den ersten Blick insbesondere dadurch, dass sie von Haus aus mit einem größeren Griff ausgestattet ist, der ihr eher das Aussehen einer kleinen Spiegelreflex gibt.

Nach einem Blick auf die Spezifikationen erkennt das geschulte Auge auch, dass es sich um die erste Micro-Four-Thirds-Kamera überhaupt handelt, die neben der bekannten und sehr schnellen Kontrastdetektions- nun auch eine Phasendetektions-Fokusfunktion beherbergt. Olympus integriert die entsprechenden Sensorzellen dabei direkt auf dem Bildsensor, ohne dabei Abstriche bei der Bildqualität zu machen. Um noch mehr Detail einfangen zu können, wurde der Anti-Aliasing-Filter auf dem Sensor ganz weggelassen.

Drittes und wohl größtes Augenmerk richtet sich auf den Preis: Die unverbindliche Preisempfehlung von Olympus für das Kameragehäuse beträgt in der Schweiz satte 1.899 Franken (1.499 Euro in der EU). Das ist doppelt so viel, wie mittlerweile beim Discounter für die E-M5 hingeblättert werden muss. Mit dem ebenfalls neuen 12-40mm/f2.8 PRO Zoom-Objektiv verlangt Olympus sogar 2.799 Franken (2.199 Euro). Zum Glück können einige Schweizer Händler besser rechnen und bieten das Kit für rund 300 Franken weniger an.

Was bietet die E-M1 nun aber wirklich mehr als die E-M5?

Wie meinem Bericht über die E-M5 zu entnehmen ist, war und bin ich von dieser Kamera sehr angetan. Sie macht sehr vieles sehr gut, in einer sehr kleinen und sehr vielseitigen Kamera, die man auch gerne mitnimmt. Und das ist letztlich das Wichtigste, denn zu Hause auf dem Schreibtisch macht auch die beste Kameras keine guten Bilder. Sie hat aber zugleich ein paar Schwächen: Ohne den zusätzlichen Griffadapter ist sie mit größeren Objektiven etwas schwer zu halten, weshalb dieser bei meiner E-M5 ständig montiert ist. Die Platzierung der Drehräder ist mit dem Griff nicht optimal und die Bedienknöpfe sind  zum Teil etwas fummelig, da sehr klein. Der kontinuierliche Autofokus auf bewegte Ziele funktioniert mehr schlecht als recht und auch in der Software fehlen einige Features, die nicht nur Profis vermissen dürften. Ich denke da etwa an Focus-Peaking oder eine eingebaute Intervallaufnahme-Funktion.

Wenig überraschend sind dies alles Punkte, die die E-M1 korrigiert. Aber der Reihe nach.

Verbessertes Fokussiersystem "Dual Fast AF"

Erstmals verbindet Olympus in der E-M1 CDAF und PDAF (Contrast Detection Autofocus, bzw. Phase Detection Autofocus). Das erlaubt der Kamera besser mit den beliebten und hochwertigen Four-Thirds-Objektiven zusammenzuarbeiten. Zwar konnte ich dies bisher nicht testen, da ich keine Four-Thirds-Objektive besitze, aber Berichten zufolge funktioniert das Fokussieren mit diesen Objektiven nun fast so schnell wie mit den E-System-Kameras. PDAF kommt aber auch bei Micro-Four-Thirds-Objektiven zum Zug, und zwar immer dann, wenn man den kontinuierlichen Autofokus verwendet. Damit funktioniert das Tracking wesentlich besser als mit der E-M5, was insbesondere Fotografen freuen dürfte, die regelmäßig bewegte Ziele ablichten. Auch das CDAF wurde nochmals verbessert. Die Kamera fokussiert bei Tageslicht de facto verzögerungsfrei.

Verbesserter elektronischer Sucher

Ein in vielen bisherigen Reviews etwas stiefmütterlich behandeltes Feature ist der neue, massiv verbesserte elektronische Sucher mit 2,36 Megapixeln. Er ist nicht nur viel schärfer/feiner aufgelöst als derjenige der E-M5 mit 1,44 Megapixeln, er liefert auch ein viel größeres Bild und übertrifft mit seiner 1,48-fachen Vergrößerung einige viel teurere Profi-DSLRs. Erstmals fällt es schwer, von bloßem Auge einen Unterschied zu einem optischen Sucher zu erkennen. Das Bild zieht nicht nach und ist auch für Brillenträger problemlos zu sehen.

Verbesserte Softwarefunktionen

Auch bei der Kamerasoftware hat Olympus nachgebessert und – wie es scheint – auf die Wünsche der Nutzer gehört. So bringt die E-M1 endlich auch Focus Peaking mit, was das Fokussieren von alten manuellen Objektiven wesentlich erleichtert. Die zahlreichen Knöpfe an der Kamera lassen sich nun praktisch uneingeschränkt umprogrammieren und auch die persönlichen Voreinstellungen "MySets" können nun auf das Wahlrad gelegt werden. Die Kamera verfügt jetzt über eine programmierbare Intervall-Aufnahmefunktion, ist allerdings weiterhin auf 999 Bilder pro Intervall beschränkt. In der Praxis dürfte das allerdings keine allzu große Einschränkung sein. Auch HDR hält Einzug in die Kamera und kann nun direkt als JPEG ausgegeben werden. Einzig bei den Filmfunktionen hinkt Olympus weiterhin dem Konkurrenten und Micro-Four-Thirds-Partner Panasonic hinterher. Dies könnte allerdings in einem zukünftigen Firmware-Upgrade nachgebessert werden, wie man aus Japan angedeutet hat.

Auch in Sachen Bildkorrektur hat Olympus nachgebessert und korrigiert nun optische Verzerrung und chromatische Aberrationen je nach Objektiv direkt in der Kamera. Das erleichtert die Nachbearbeitung der Bilder und erhöht die Qualität der Out-Of-Camera-JPEGs zum Teil deutlich. Wer lieber direkt in der Kamera das finale Resultat steuert, dem bietet Olympus mit dem "Color Creator" sowie dem Gradationskurveneditor zwei Tools zur kreativen Entfaltung. Nie war es so einfach, schon vor der Aufnahme den Farbton zu verändern oder Schätten aufzuhellen.

Integrierte WiFi-Steuerung

Die integrierte Wi-Fi-Steuerung reift bei Olympus zu einer ernstzunehmenden und hochinteressanten Erweiterung des Funktionsumfanges einer Kamera heran. Sie besticht durch ein sehr einfaches Setup und hohe Übertragungsraten von Bildern auf ein Smartphone oder Tablet. Die Kamera lässt sich auch nahezu vollständig von einem solchen fernsteuern. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten etwa für angehende Naturfotografen, die nicht länger hinter der Kamera sitzen müssen, um im entscheidenden Moment abdrücken zu können. Stattdessen kann man auf dem Tablet Fokuspunkt, Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert etc. einstellen und mit einem einfachen Tippen im richtigen Moment abdrücken. Eine Sichtverbindung zur Kamera oder ein Fernauslöser erübrigen sich.

Verbesserte Ergonomie

Die E-M1 kommt anders als die E-M5 bereits mit einem massiveren Handgriff daher und schmiegt sich fast wie von selbst in die Hand. Weil sie im Vergleich zu einer DSLR aber immer noch deutlich kleiner ist, hat der Zeigefinger ohne eine zusätzliche Griffschale bei normal großen Männerhänden keinen Platz. Das ist bei kleinen und leichteren Objektiven kein Problem. Bei größeren und schwereren Objektiven kann es aber etwas unangenehm werden. Wer sich nicht den optionalen Batteriegriff leisten will, kann für wenig Geld im Internet eine Verlängerung erstehen.

Die Position und Größe der Knöpfe und Drehräder ist gegenüber der E-M5 deutlich verbessert worden. Fehlmanipulationen sind nun praktisch ausgeschlossen und es stehen genügend Knöpfe und Schalter zur Verfügung, dass man so gut wie gar nicht mehr in die tiefen des Menus abtauchen muss. Ein erstmaliges Einstellen der unzähligen Optionen ist hier allerdings Voraussetzung. Die Kamera lässt sich dann nahezu komplett einhändig bedienen und kann dabei am Auge behalten werden.

 

Das Olympus M.Zuiko Digital ED 12-40mm f/2.8 PRO Objektiv

Während die Bildqualität sich zwischen der E-M5 und der E-M1 nur geringfügig und allenfalls im JPEG-Output unterscheidet, ist das Kit-Zoom, das Olympus zusammen mit der E-M1 neu vorgestellt hat, eine Liga für sich. Mit einer umgerechneten Brennweite von 24-80 mm bei einer konstanten maximalen Blendenöffnung von f2.8 spielt das Objektiv eindeutig in der Premium-Liga. Das Objektiv hat eine Vollmetallkonstruktion und ist, wie die Kamera, gegen Spritzwasser, Staub und Frost geschützt. Zahlreiche Tester attestieren dem Objektiv Bestnoten und sprechen von "einem der besten Zooms, das wir je getestet haben" und ähnlich vollmundigen Aussagen.

Tatsächlich ist das Objektiv besser als alles, was mir in Sachen Zooms bisher vor die Kamera geraten ist. Die Schärfe ist durchs Band hindurch bestechend und die Hintergrundunschärfe wunderbar cremig. Der Autofokus ist blitzschnell und praktisch lautlos. Mit 382 g ist das Objektiv aber auch deutlich schwerer als die bisherigen Kit-Zooms, die mit jeweils etwas über 200 g (12-50 mm) und 100 g (14-42 mm) wahre Federgewichte waren.

Besonders nett: Der Fokusring lässt sich wie beim Olympus 12mm/f2 und 17mm/f1.8 zurückziehen, worauf die Kamera direkt auf manuellen Fokus umschaltet und Fokus Peaking aktiviert. Eine Distanzskala hilft beim Grobfokussieren.

Als erstes Micro-Four-Thirds-Objektiv von Olympus überhaupt, kommt das 12-40 mm auch mit einem Beutel, einem anständigen Deckel und, oh Wunder, einer Streulichtblende, die man bisher immer zu einem Wucherpreis dazukaufen musste. Trotzdem ist das Objektiv im Einzelverkauf günstiger als das vergleichbare 12-35mm/f2.8 von Panasonic. Es soll ab Anfang Dezember auch einzeln erhältlich sein und den Besitzer für rund 999 US-Dollar wechseln.

Fazit

Nachdem ich nun die neue Kamera und das Objektiv erst eine Woche benutzen konnte, fällt es schwer ein abschließendes Fazit zu ziehen. Eines lässt sich jedoch bereits jetzt mit Sicherheit sagen: Die E-M1 in Kombination mit dem 12-40 mm PRO Zoom liefert deutlich schärfere Bilder als die E-M5 mit dem 12-50 mm Kit-Zoom, das ist aber weitgehend dem Objektiv zuzuschreiben. Ansonsten ist es die Summe der Details und kleinen Verbesserungen, die die E-M1 die E-M5 übertreffen lassen. Zweifellos ist der verbesserte Sucher ein Highlight. Aber auch die praktischere Bedienung, das bessere Fokussieren auf bewegte Ziele und die zahlreichen Optimierungen in der Software machen die E-M1 zu einer Kamera, die auch den besten APS-C-Kameras ernsthaft die Stirn bieten kann. Ob all das den Aufpreis auf die E-M5 wert ist, bleibt eine persönliche Entscheidung. Eine Investition in das System Micro-Four-Thirds scheint aber je länger, desto mehr eine gute Entscheidung zu sein. Von all den Systemkameras ist dieses System bis heute eindeutig das ausgereifteste.

Nachtrag

Am 31. März 2014 veröffentlichte Olympus das Firmwareupdate 1.3 für die E-M1 und brauchte damit eine 0-Sekunden Antischockfunktion in die Kamera. Ab Verschlusszeiten von 1/320 Sekunde oder langsamer lässt sich damit ein elektronischer "first curtain" einsetzen, was kleinste Verwackler, die durch die Vibration des Verschlussmechanismus hervorgerufen werden können und von der Bildstabilisation nicht aufgefangen werden, scheinbar drastisch reduziert.

Für die schlechte Bildqualität der iPhone-Aufnahmen möchte ich mich übrigens entschuldigen.

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