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18.07.14

Hilfe für Millionen Diabetiker könnte teuer werden: Schweizer Pharmariese Novartis stellt Googles schlaue Kontaktlinse her

Googles smarte Kontaktlinse - bald hergestellt von Novartis. Alle Bilder: Google

Der Basler Pharmariese Novartis hat bekannt gegeben, dass er Googles smarte Kontaktlinse bauen wird. Diese soll Diabetikern die Last abnehmen, ständig den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Doch Novartis hat sich den Ruf eingehandelt, ein Preistreiber zu sein.

 

Im Januar haben wir an dieser Stelle - noch unter dem Eindruck von Googles Datensammelwut - die vernetzte Kontaktlinse für Diabetiker vorgestellt. Die soll sekündlich den Blutzuckerspiegel über die Tränenflüssigkeit messen und diesen dank einer kleinen Antenne an einen Glukosemonitor oder ein Smart Device, zum Beispiel ein Mobiltelefon, übermitteln.

Nun hat sich der Bau dieser Linse ein wenig konkretisiert: Finalisiert werden soll sie in der Schweiz vom Basler Medizintechnik- und Pharmariesen Novartis. Dass es ausgerechnet der wird, dürfte nicht jedem gefallen.

Besondere neue Details zur vernetzten Kontaktlinse gab Novartis in einer Pressemeldung nicht bekannt. Die Abteilung Alcon, die für den Bau von Medizintechnik zuständig ist, habe eine Lizenz von Google erhalten, die Technik in Kontaktlinsen einzubauen. Wann es damit losgehen wird, wie teuer die Linsen werden und wie sie letztendlich genau funktionieren, erfahren wir aktuell - ebenso wie im Januar - noch nicht. Die Partnerschaft solle aber so aussehen, dass Google die Technik entwickle und Novartis diese in Kontaktlinsen einbaue und vermarkte.

Vorwurf, die eigene Marktmacht auszunutzen

Alcon schreibt in der Pressemeldung von der Möglichkeit, die Führung bei der Vermarktung von Kontaktlinsen weiter auszubauen - wie schön. Ferner sei die Kooperation mit Google der, so wörtlich, „erste (sic!) Schritt für Novartis, Technik zu entwickeln, die menschliche Leiden und Verfassung kontrollieren könne“. Eine bemerkenswerte Aussage für ein Unternehmen, das seit Jahren Medizintechnik und Medikamente herstellt.

Die Liste der Kritik an Novartis ist lang. Unter anderem geriet der Konzern, der 1996 aus einer Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz entstand, im Jahr 2007 in Deutschland für das Medikament Lucentis in die Kritik, das 50 Mal so teuer verkauft werden sollte wie der Vorgänger Avastin. Kritiker sehen in Lucentis lediglich eine Weiterentwicklung, während Novartis darauf pocht, ein völlig neues Medikament entwickelt zu haben. Ferner klagte Novartis gegen die Herstellung deutlich preisgünstigerer Generika in Indien.

So gut die Idee einer schlauen Konktaktlinse auch sein mag: Vom weltweit größten Pharmakonzern hergestellt, der nicht gerade als preiswerter Anbieter für Medizin bekannt geworden ist, dürfte das Projekt ein Geschmäckle bekommen haben.

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