15.07.10

Nokia N8: Reicht das, um aufzuholen?

Nokia N8: Mit Symbian 3

Nokia will mit dem Smartphone N8 so ab September 2010 im High-End-Handy-Markt Boden gegen Android, iPhone und Blackberry gutmachen. Ein Hands-On mit Bloggern sollte die Vorzüge des Symbian-3-Systems und des neuen Geräts beweisen.

Das N8 hat einen HDMI-Anschluss, und es macht auch Gebrauch von dessen Fähigkeiten: Videos etwa können mit 5.1-Sound und in 720p HD an jedem Fernseher betrachtet werden, was durchaus beeindruckend ist.

Die Videoaufnahme ist ebenfalls, dank etwas grösserem Sensor, ziemlich gut - wenn auch immer noch Handy-Foto- und Videographie. In Symbian 3 integriert ist eine Video-Schnittsoftware mit Timeline, Übergangseffekten etc, die sich auf dem Touchscreen des N8 ganz gut bedienen lässt.

Die neuste Version der "Maps", der Routenplaner-Software von Nokia, legt das Gewicht auf Fussgänger-Navigation und soll für diesen Zweck schlicht das beste sein, was es auf dem Markt gibt - und es ist umsonst. Und so weiter: An neuen Funktionalitäten und Verspieltheit lässt es Nokia mit Symbian 3 nicht fehlen, und auch die Hardware des N8 - beispielsweise mit einem dedizierten Zusatz-Grafikchip, der nur für die fliessenden Übergänge und Animationen zuständig ist - soll Defizite aufholen.

Nokia scheint endlich kapiert zu haben, dass entweder eine Aufholjagd oder ein ziemlich übler Absturz in jenen Handymärkten angesagt ist, wo teure Smartphones der Verkaufsschlager sind. Ob das N8 wirklich das Gerät ist, dieses Rennen einzuläuten, darüber bin ich mir nicht ganz sicher.

Das war jedenfalls mein Eindruck nach einer etwas verkrampft "familiären" Hands-On-Veranstaltung in Zürich, zu der Nokia ausschliesslich Blogger und ein recht beachtliches Aufgebot an PR- und Marketingleuten zusammenbrachte.

Denn so beeindruckend die neuen Funktionen und die fliessenden Grafiken und der Anschluss ans TV-Gerät sind, und auch wenn man uns versichert hat, dass Normalverbraucher in erster Linie wissen wollen, ob denn auch das Nokia-Touchscreen-Smartphone den Zweifinger-Zoom habe: Das Problem des Betriebssystems zumindest war ja bisher weder ein Mangel an Funktionalität (Videotelefonie und Voip hatten die besseren Nokia-Geräte ja lange vor dem iPhone 4) noch die kleinen Wartezeiten nach der Auswahl eines Icons (mit Verlaub: mir kommt auch das iPhone 3GS im Vergleich zu meinem Nexus One Langsam vor). das Problem war die Verschachtelung der Einstellungen, die un-intuitiven Benutzerführungen und die Vielzahl an Begriffen, die Dinge bezeichneten, die kein Mensch kannte. Vielleicht war sogar die teilweise überlegene Funktionalität der System ein Problem. Denn sie machte eine extreme Verschachtelung der Einstellungen manchmal nötig.

Mich jedenfalls hat das N8 mit seinen Fähigkeiten in der Demo nicht zu Begeisterungsstürmen hingerissen, auch wenn so manches Detail inzwischen gleich gut oder sogar besser ist als bei der übermächtigen iPhone/Android/Blackberry-Fraktion.

Aber was nicht bereits Standard ist, ist vielfach auch kein Usecase, keine Killer-Anwendung, kein Feature, welches das Handy im Alltag auszeichnet - wie beispielsweise die Videoschnittfunktion, die mich herzlich wenig interessieren würde und wohl auch die meisten Anwender genau zwei Mal fasziniert.

Schnelle, übersichtlich Kontakterfassung, ein bequemer und schneller Webbrowser, Interaktionen der Anwendungen, Sharing von Inhalten aus allen Anwendungen heraus: Das sind die Features, die ein modernes Smartphone haben muss. Dann verzeiht man ihm auch, wenn das Nokia N8 in den Technischen Daten "nur" eine Auflösung von 640 x 360 Pixeln und eine Prozessorgeschwindigkeit von "nur" 680 MHz hat. Obwohl das, bis es im Herbst herauskommt, bereits weit hinter den aktuellsten iPhones und Android-Geräten her hinkt.

Aber all die Details der Nutzerfreundlichkeit sind Dinge, die man weder dank einer Microsite wie der für das Nokia N8, noch in einer halben Stunde Rumdrücken auf dem Smartphone wirklich feststellen kann. Wobei ich gestehen muss, dass ich den eigentlichen Hands-On-Teil der Veranstaltung wegen eines dringenden Gesprächs fast ganz verpasst habe.

Trotzdem darf ich mir das Urteil anmassen, dass Nokia viel gelernt hat, und zwar in sehr kurzer Zeit. Die Benutzeroberfläche und das Handling des N8 und von Symbian 3 fühlen sich wesentlich weniger veraltet an als noch auf andern Modellen des Marktführers, und viele Features gleichen denen der aktuellen Top-Mobiltelefone. Vor allem aber scheinen sich die zurückhaltenden Finnen von Nokia endlich auch zu einer Marketing-Strategie durchgerungen zu haben, die den Namen verdient.

Auch wenn der Umstand, dass wir Blogger und Journalisten die N8-Smartphones einmal mehr erst zum Marktstart für ausgiebige Tests erhalten sollen, ein Anachronismus ist und damit die ersten Käufer automatisch auch wieder zu Betatestern gemacht werden.

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