04.06.06

Nokia: Mein Handy ist auch ein Web-Server

Moderne Smartphones haben eine Rechenkapazität und ein Speichervolumen, das noch vor ca. 10 Jahren jeden High-End-PC vor Neid hätte erblassen lassen. Damals liefen aber schon ganze Websites auf solchen PCs, warum also soll ein Webserver nicht auch auf einem vergleichbar starken Smartphone laufen?Das sagte man sich jedenfalls bei Nokia und hat im Projekt "Racoon" einen kompletten Apache-Werbserver auf das Smartphone-Betriebssystem Symbian portiert . Sogar in Python geschriebene Anwendungen kann diese Mini-Portierung laufen lassen. Lauffähig ist das ganze auf handelsüblichen Symbian-Telefonen, beispielsweise dem Nokia 6630.

Der Webserver ist problemlos per Bluetooth ansprechbar, was man zum Beispiel dazu nutzen kann, Telefonfeatures über einen PC zu steuern. Kniffliger ist der Zugang über das eigentliche Mobilnetz, denn das enthält Firewalls, die genau diese Art von Zugriff explizit verhindern sollen. Mit einem zusätzlichen Gateway-Dienst lassen sich aber auch diese Hindernisse umgehen.

 

Bleibt nur die Frage: Wozu genau braucht man eigentlich einen Webserver auf dem Telefon? Nokia hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht, aber so ganz überzeugen die Ideen noch nicht.

Neben einigen eher Big-Brother-artigen Vorschlägen (das Telefon als Webcam, die ständig vom Internet her angesprochen werden kann) und etwas weit hergeholten Ansätzen (das Telefon als mobiler Blog-Server) gibt es aber auch eine wirklich sinnvolle Idee: Das Telefon wird immer mehr zum relevantesten Datenspeicher für Kontaktdaten, den persönlichen Kalender, Bilder und so weiter. Auf all diese Inhalte via ein standardisiertes Protokoll wie HTTP zugreifen zu können statt über lokal installierte Synchronisierungssoftware, würde tatsächlich vieles einfacher machen.

Die Vision der Nokia-Leute, dass bald schon die meisten Websites auf Mobiltelefonen laufen werden, ist wohl erheblich übertrieben (wenn ich mal in der U-Bahn fahre, ist meine Website down?). Aber dass Mobilgeräte mit den immer besser werdenden Netzen weit mehr sein können als nur Geräte für Informationsabruf, ist schon eine wegweisende Idee.

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