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19.11.11

Nokia Lumia 800 im Test (5/5): «Ein Lumia 800 zum Mitnehmen, bitte.»

Nokia Lumia 800 {pd Nokia;http://presse.nokia.de/products/}

Nach den umfassenden Tests, darf auch ein Fazit nicht fehlen. Doch wie fällt dieses aus? Ziemlich schlicht: Lumia kaufen und Freude dran haben - wenn man zur Zielgruppe gehört.

 

UPDATE vom 22.11.: Originalbilder der Kamera wurden der Galerie hinzugefügt.

Immer wieder klaffen Normaluser- und Testeralltag weit auseinander. Da berichten wir Nerds über Symbian und erklären der Welt, wie kompliziert und Nutzer-unfreundlich es ist. Am nächsten Tag sieht man dann unbedarfte Personen mit einem Nokia N8 oder Nokia E6 herumrennen. Auf die Frage hin, ob es gut sei und wieso man es gekauft habe, erklärt der Kunde dann: «Die Kamera macht wirklich super Fotos und das Metalldesign hat mich überzeugt.» Andere behaupten stolz, sie hätten ein iPhone gekauft, weil es farbige Kästchen anzeige und man auf dem Display tippen könne. Dieses Klientel, von Smartphone-Neueinsteigern, interessiert es herzlich wenig, ob da Android, Blackberry OS, iOS oder WP 7 installiert ist, wie viele Gigahertz der Prozessor bringt oder wie viele Apps es im Marketplace gibt. Viel wichtigere Fragen brennen ihnen unter den Fingernägeln: «Kann ich damit ins Internet?», «Funktioniert Facebook darauf?», «Kann ich damit Coffeeworld spielen?», «Macht die Kamera gute Fotos?» und ganz wichtig, «Gibt es das auch in einer anderen Farbe?» Solche Bedürfnisse vermag WP 7 zu befriedigen, wie jedes andere Betriebssystem auf dem Markt auch. Und Nokia steuert die farbige Hardware dazu in Schwarz, Cyan und Magenta, wenig später wird es das ähnlich ausgestattete Lumia 710 mit Wechselcovern für noch mehr Farbe zu einem günstigeren Preis geben. Und die Kunden werden damit glücklich sein, denn Nokia hat in der kurzen Zeit eine Hardware erschaffen, die schön anzusehen ist und noch viel schöner in der Hand liegt. Es ist ein wahrer Handschmeichler, mit einer USB-Abdeckung, die man bei Langeweile auf und zu klappen kann, ohne sie gleich zu beschädigen. Das ist vergleichbar mit dem Vibrationsschalter am iPhone, den Ungeduldige bei Langeweile gerne wiederholt hoch und runterschieben. Ich würde behaupten, Nokia verkauft zum ersten Mal seit langem wieder Emotionen statt Hardware. Und das wird sich hoffentlich auszahlen.

Dann gibt es aber noch eine andere Klientel: Nerds, Geeks, Datenblatt-Fanatiker, Gamer und Dual-Core-Anhänger. Menschen die hinter die schnöde Fassade blicken wollen, denen nur Kennzahlen imponieren. Auch sie werden einigermaßen zufriedengestellt, denn mit rund 13 GB internem Speicher, 512MB RAM und 1,4 GHz lässt sich eine Menge anfangen, besonders wenn das OS nicht übermässig ressourcenhungrig ist. Der Akku erreicht bei 15-minütlichem Emailabruf (kleinere Intervalle können nicht gewählt werden), einer Stunde Internetsurfen, einer Stunde Musikhören und einer Stunde Gaming um die 10 Stunden Laufzeit. Im produktiven Einsatz trenne ich das Handy morgens von der Steckdose und muss es erst abends zuhause wieder anschliessen.

Daran nicht ganz unbeteiligt ist der AMOLED-Screen mit CBD-Beschichtung (clear black display); satte klare Farben und ein schwarzes OS-Thema das viel Strom einspart, helfen dem Akku. Gleichzeitig fallen sofort die Kritikpunkte ins Auge, kein HDMI-Anschluss, kein Wechselakku, kein USB-On-The-Go, kein Massenspeichermodus, kein Equalizer, kein microSD-Kartenslot, kein PIM-Sync ausserhalb von Windows Live, kein Versenden von Dateien per Bluetooth, keine Front-facing-Camera, die man nutzen könnte für Selbstportraits, Skype, G+ Hangout oder Facetime – Ach halt, die Programme gibt es ja noch gar nicht für WP7…

Gamer werden sich über die recht guten Spiele aus den Microsoft-Studios freuen, die aber etwas teurer sind als in anderen App-Stores. Dafür gibt es fast immer die Möglichkeit Spiele als Demo-Version vorher zu testen. Dieser Aspekt ist leider viel zu kurz gekommen in meinem Review, denn das Spielerlebnis, inklusive des anpassbaren Avatars und das «Mitnehmen» der Spielstände unterwegs sind für Spielernaturen in dieser Form nur auf Windows Phone 7 zufriedenstellend gelöst. Gamer, unbedingt einen Blick darauf werfen!

Kritikern gebe ich völlig recht: auch mich hat das Fehlen liebgewonnener Hardware-Features verwundert und abgeschreckt. Doch bis auf HDMI, fehlender Einbindung von eigenen Funambol-Servern und direktes Tauschen von Musikfiles ohne Zune-Software ist es nicht negativ aufgefallen. Denn das schnell reagierende OS, die schönen Animationen mit «Kawai»-Faktor (japanischer Ausruf für «extremst süss!») und die leichte Bedienung haben auch mich in ihren Bann gezogen. Stellt sich die alles entscheidende Frage: Auf WP7 umsteigen mit einem Nokia Lumia 800? Ja, wenn...

Ja, wenn man bereit ist, sich vom bisherigen Bedienkonzept zu trennen und Neuem eine Chance gibt. Ja, wenn das Smartphone gut aussehen soll. Ja, wenn man einfach nur ein Smartphone möchte, um im Internet zu surfen, Emails zu schreiben und mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Ja, wenn man eine kostenlose, zuverlässige Navigationslösung will. Ja, wenn man mobile Gaming mit schöner Grafik verlangt und ein noch grösseres «JA», wenn man eine xBox sein Eigen nennt. Würde ich es kaufen? Wäre ich Windows- oder Mac-User und es stünde eine Vertragsverlängerung an, dann ja. Den vertragsfreien Preis von EUR 499 halte ich für zu teuer, ab EUR 420 würde ich womöglich zuschnappen. Aber was träume ich da, auf meinem PC arbeitet der Linux-Pinguin und damit kommt Windows Phone 7 nicht zurecht - schade.

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