11.07.13

Nokia Lumia 1020: Die Frage, ob ein Smartphone eine solche Kamera braucht, stellt sich nicht

Lumia 1020: Top-Smartphone mit 41-MP-Kamera

Eine Kamera mit 41 Megapixeln, einem praktisch beliebig tiefen Digitalzoom und dazu noch einen Kameragriff: Nokia hat heute in New York sein bestes Smartphone mit einer neuen Version seiner PureView-Technik verheiratet. Die Frage, ob das jemand braucht, stellt sich eigentlich nicht. Wenn noch Luft nach oben ist, muss man den Raum ausfüllen.

Lumia 1020: Top-Smartphone mit 41-MP-Kamera

Dass die Maschinerie des Lumia 1020 die der bisherigen Spitzenmodelle 920 und 925 nicht schlägt, macht wenig. Denn Herzstück im neuen Modell ist die Kamera. Die erste Generation mit der Technik Oversampling hat Nokia bereits im vergangenen Jahr im Symbian-Modell 808 PureView vorgestellt. Nun vereint Nokia diesen 41-Megapixel-Sensor mit dem optischen Bildstabilisator und der Low-Light-Technik in seinem besten Windows Phone.

Wünsche bleiben da derzeit nicht mehr viele offen. Dass Nokia die Sache mit der Kamera ernst nimmt, zeigt das zusätzliche Gehäuse, das aus dem Lumia 1020 auch optisch eine Schnappschusskamera macht. Zwei Fragen, die sich stellen: Macht die Kamera wirklich schönere Fotos oder nur schärfere? Und: Will man das? Will man eine Kamera in einem Gerät, in dem alle anderen Funktionen wie eine Nebensache erscheinen?

 

John Biggs von Techcrunch meint nein. Heutige Kameras in Smartphones würden für Schnappschüsse völlig ausreichen und etwas Anderes würde man mit einem Smartphone ohnehin nicht aufnehmen. Wer bessere Fotos will, greife zur Spiegelreflex oder zur Systemkamera. Warum wollen Smartphone-Hersteller so tun, als könnten sie teuren Profikameras Konkurrenz machen?

Preise des Lumia 1020 sind zwar noch nicht bekannt. Unter 600 Euro oder eher 700 wird aber anfangs ganz sicher nichts gehen. Und das ist eine Dimension, für die man schon eine ganz ordentliche Systemkamera mit WLAN bekommt. Wenn man gute Fotos will, greift man dann nicht lieber dazu?

Was mich eher erstaunen lässt, ist Nokias Produktpolitik: Das Lumia 1020 ist jetzt nach dem Lumia 920 und dem Lumia 925 das dritte Spitzenmodell der Finnen innerhalb von nur neun Monaten. Verbessert hat Nokia dabei bis auf einige Details eigentlich "nur" die Kamera. Elop kündigte auf der Frage-Runde nach der Pressekonferenz an, dass es in diesem Jahr noch einen weiteren großen Produktstart geben wird - dann vermutlich mit 41-Megapixeln und einer neuen Prozessorgeneration. Zu viele Spitzenmodelle in einem Jahr aber könnten die Kunden irritieren oder gar solche verärgern, die bereits viele hundert Euro in ein vermeintliches Spitzenmodell investiert haben, das Wochen später schon wieder veraltet ist.

Kein Ersatz, aber das Bestmögliche

Was die Kamera anbelangt, bin ich auf Nokias Seite. Hunderte Millionen von Menschen nehmen heute Bilder mit dem Smartphone auf und alle heutigen Geräte haben immer noch Nachholbedarf, was Details und Aufnahme bei schlechten Lichtverhältnissen anbelangt. Ob das Lumia 1020 die Lösung all dieser Probleme ist, weiß ich nicht, aber was man da heute gezeigt hat, sah sehr gut aus und im Vergleich zu den Kameras heutiger Phones ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Es geht ja nicht darum, Profikameras mit dem Smartphone zu ersetzen. Es geht darum, aus der jeweiligen Produktklasse das Beste herauszuholen. Wenn ich Schnappschüsse mache und in meinen sozialen Netzen teile, will ich, dass sie gut aussehen. Und wenn ich zur Profikamera greife, dann will ich die Vorteile von Schärfentiefe und eines ultraschnellen Autofokus ausnutzen. Für beide Geräteklassen ist und bleibt Bedarf.

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