07.05.11

Nokia E7 im Test (1/3): Panzer in der Hosentasche

Nokia E7

Das Nokia E7 wird einem ausführlichen Test unterzogen in dem es Hard- und Software unter beweis stellen muss.

 

Dem Traum, das Smartphone als mobiles Büro immer dabei zu haben, rücken wir täglich näher. Die Prozessorgeschwindigkeiten und Auflösungen erreichen fast Netbook-Niveau, und die mobilen Betriebssysteme werden langsam erwachsen, dazu darf sich auch Symbian zählen.

Obwohl von einigen Kollegen verrissen, für veraltet und untauglich abgetan, ist Nokia mal wieder der erste, der den Schritt in die richtige Richtung tut. Das Nokia E7-00 darf sich zu recht ein Smartphone nennen, denn was hier unter der Haube steckt, läßt so manchen Konkurrenten vor Scham verstummen - aber auch herzhaft lachen.Das Nokia E7-00 polarisiert, das fängt schon beim Preis an: Der Hersteller verlangt zur Zeit 499€ dafür, während die Netzbetreiber mit astronomischen Summen um sich werfen - einer wollte mir ganz aktuell 639€ abknöpfen! Der Hauptkorpus besteht aus kratzfestem Aluminium und Gorilla-Glas, während die beiden Seitenteile aus Kunststoff sind, hier verstecken sich die diversen Antennen.

Aufgeklappt, erkennt man das stramm sitzende Scharnier. Vollständig aus Metall, vermittelt es einen wertigen und robusten Eindruck, weil es im Gegensatz zum HTC Desire Z auch in Rückenlage das Display dort hält, wo es hingehört. Die rückseitige Kameraabdeckung muss ohne Schutz auskommen, besteht höchstwahrscheinlich auch aus kratzfestem Gorilla-Glas. Mit 176 Gramm gehört das Nokia E7 nicht zu den Leichtgewichten, dafür vermittelt es einen robusten, wertigen Eindruck - wie ein kleiner Panzer in der Hosentasche.

Schöne Aussichten

 

Auf dem Papier klingen 4 Zoll Amoled in nHD-Auflösung (640x360 Pixel) mit ClearBlackDisplay unterdurchschnittlich und nichtssagend. Stellt man sich jedoch einmal in die Sonne oder legt sein altes LC-Display daneben, erkennt man erst, wie viel Nokias Amoled wirklich ausmacht: Es zieht einem die Kinnlade herunter. Selbst unter direkter Sonneneinstrahlung bleibt das selbstleuchtende Display ablesbar und im normalen Gebrauch fällt die geringe Auflösung fast nicht auf - dass man trotzdem unschöne Kantenverläufe an den Schriften erkennt, liegt an der schlechten Fontauswahl.

Nokia erreicht die Ablesbarkeit durch das angesprochen CBD, das wie eine Sonnenbrille mit Polarisationsfiltern die Reflektionen drastisch verringert. Wie schon in manch Vorgänger, nutzt Nokia endlich den Helligkeitssensor spürbar - im Dunkeln wird das Amoled gedimmt, unter Einstrahlung leuchtet es hell. Die Bedienung leidet an der hohen Empfindlichkeit des Displays, man trifft öfters die falsche Stelle am Screen, weiteres dazu im zweiten Teil.

Veraltete Hardware?

Ab hier geht es vermeintlich bergab mit den technischen Daten, ein mit "nur" 680MHz getakteter Prozessor greift auf 256MB RAM zu und verteilt seinen Datenhunger auf 350 MB internen und 14 GB externen, nicht wechselbaren Speicher. Doch erst mit dem Wissen um den Vorfahren Symbians, EPOC von Psion, und dem täglichen Gebrauch dieser Hardware, weiß man die Daten einzuordnen: Die ersten tauglichen PDAs mit Epoc liefen mit einer 7.68 MHz CPU, 2MB RAM - und selbst heute lassen sie die meisten Smartphones bei der Erstellung eines Dokuments oder dem Eintrag eines Termins an der Ampel stehen. Unter diesem Gesichtspunkt ist das E7 mehr als ausreichend bestückt, ohne unnötig an der Batterie zu nuckeln. Wie wir im weiteren Verlauf der Testreihe sehen werden, stockt dem Tastenheini trotzdem ab und an der Atem.

 

Hau in die Tasten

Die Anordnung der Tasten ist sehr geräumig, trotzdem vertippt man sich. Denn ungewöhnlicherweise steckt die FN-Taste links außen und erst daneben liegt die Umschalttaste, das führt zu ungewünschtem Zahlensalat und erhöht die Lernkurve unnötig. Das vierreihige Layout orientiert sich am großen Original, und obwohl die Umlaute um eine Reihe nach unten verschoben wurden, trifft man sie auf Anhieb zielsicher. Statt eines Steuerkreuzes navigieren die Pfeiltasten durch die verwundenen Menüs - kein großer Verlust.

Der Tastenhub, wenn man hier überhaupt von so etwas sprechen kann, liegt am oberen Ende der Skala und sucht seinesgleichen, nur das Sony Xperia Pro (Android) könnte Nokia hier die Stirn bieten, dessen Beleuchtung in strahlend-heller, weißer Farbe und die gute Haptik dürften einen Tick besser sein. Hier mäkeln wir aber auf höchstem Niveau, auf dem E7 läßt sich leicht und auch für längere Zeit hervorragend tippen. Und vorallem die Materialauswahl des Nokias läßt das Sony alt aussehen.

Nokia definiert Kommunikation

Wie anfangs angedeutet, verschwimmen die Grenzen zwischen Laptop und Handy immer mehr. Sicherlich ist es noch ein weiter Schritt zur Konvergenz der beiden, die Möglichkeiten rücken jedoch stetig näher. Um mit einem PC mithalten zu können, muss man erstmal über die nötige Auswahl an Kommunikationskanälen verfügen, dazu zählen: Pentaband für alle verfügbaren (europäischen) Funknetze, n-Wlan, Bluetooth 3.0, miniHDMI, Anmeldung am PC als Massenspeicher mit 14GB und ein USB-Host.

Ja, ein SD-Slot fehlt, ganz großer Fehltritt, Nokia! Doch ich will Eure Aufmerksamkeit auf den microUSB-Port lenken. Dieses unscheinbare "USB On-The-Go" überliest man gerne, ohne sich der Möglichkeiten bewußt zu werden: OTG bedeutet, dass man wie an einem PC beliebige USB-Geräte anstöpseln und verwenden kann. Gelüstet es mich nach einer echten Desktop-Tastatur, schließe ich den Adapter an, verkabele die USB-Tastatur und tippe wenig später beschwingt meine Romane ein, universell schließt übrigens auch ein Wacom-Tablet zur Steuerung mit ein. Während man den USB-Port belegt, koppelt man über Bluetooth einfach eine Maus an und arbeitet auf einem externen HDMI-Gerät schon fast wie an einem richtigen Computer.

Den faux pas des fehlenden microSD-Slots versucht Nokia über die Anbindung beliebiger Speichermedien wieder wettzumachen, ein 32GB-USB-Stick wurde genauso problemlos erkannt wie die Speicherkarte in der Digitalkamera oder ein MP3-Player im Massenspeichermodus. Die Sache hat nur einen Haken: Das Partitionierungsformat NTFS kennt der Dateimanager nicht, er bietet in seiner Verzweiflung auf Wunsch die Option zur Formatierung an.

Dieses USB-To-Go ist mehr als nur eine Spielerei, solange man den Adapter nicht vergisst, es katapultiert die Smartphones in die Nähe des PCs. Externe Netz-Laufwerke bindet man ebenfalls problemlos ein, sogar mein WebDAV-Laufwerk, das sowohl unter Windows 7, als auch unter Linux Mint Spiränzchen macht, ließ sich problemlos nutzen. So gelingt der Austausch mit dem entfernten Cloud-Speicher (z.B. Dropbox) spielend leicht, und die Bilder finden ihren Weg, trotz fehlendem SD-Slot, auf den FTP-Server der eigenen Homepage. Ein nicht zu verachtender Pluspunkt für das Nokia E7.

Der Rest vom Schützenfest

 

Wie zur Zeit Standard, verringert ein zweites Mikrofon die Hintergrundgeräusche, was die Verständlichkeit enorm erhöht. Die vielzitierte Akustikproblematik kann ich nicht nachvollziehen, meine Gesprächspartner waren klar und deutlich zu hören. Der auf der Rückseite angebrachte Lautsprecher liegt genau an der Krümmung des Gehäuses und tönt so, nicht nur laut, sondern durch die Reflektionen auch etwas voluminöser. Die Lautstärke geht in Ordnung, auch im Nebenraum war die Verständlichkeit noch gegeben, dem Platzhirsch Nokia 5800XM kann es aber nicht das Wasser reichen und auch das Schwestermodell N8 bietet mehr Rumms.

Der 8-Megapixel-Fixfokus-Kamera widme ich in den kommenden Tagen einen eigenen Abschnitt mit Vergleichsbildern. Die pulsierende LED in der Homescreen-Taste blinkt bei Ereignissen und zeigt dann ein wahres Lichtgewitter mit aufgeregtem Geflackere - etwas subtiler wäre sicherlich auch gegangen.

Hardware Top

Die verbauten Komponenten lassen keine Wünsche offen, etwas anderes sollte man von Nokia auch nicht erwarten. Die Spaltmaße der Plastikseitenteile sind noch akzeptabel, obwohl man bei diesem Premiumgerät eigentlich Perfektion erhalten sollte. Für einen Akkutausch muss man das Gerät einschicken, im Netz kursieren allerdings erfolgreiche Do-It-Yourself-Anleitungen. Und das Display überzeugt auf voller Linie.

Die Verlagerung aller Anschlüsse an die Oberkante stellt sich als Kardinalsfehler heraus, denn sobald der USB- oder HDMI-Port genutzt werden, behindern diese die Tasteneingabe. Auch wenn wahrscheinlich auf der anderen Seite kein Platz mehr war, praktikabel ist das nicht.

Ohne ein gutes Betriebssystem hält man bis hier hin nur einen teuren Briefbeschwerer in der Hand. Wird das aufpolierte Symbian seiner hochwertigen Rüstung gerecht oder gilt hier "Außen hui, innen pfui"? Ich verrate es Euch im zweiten Teil.

Ausführliche technische Daten sind bei Nokia einsehbar.

Das Nokia E7 kostet bei Amazon nur noch 444 Euro.

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