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12.11.13

Neurio: Wenn der Stromzähler zur Smart-Home-Zentrale wird

Aus Home wird Smart Home - mit Neurio.

Neurio will alle Haushaltsgegenstände über ein einziges Tool steuern lassen: Die lernfähige Schaltzentrale wird in den Stromkasten montiert, misst den Verbrauch und steuert einzelne Geräte per WLAN. Kann das funktionieren?

Aus Home wird Smart Home - mit Neurio.

Klasse und toll, wenn die Waschmaschine auf dem Tablet Bescheid klingelt, dass sie jetzt den Schleudergang gestartet hat. Oder wenn wir das Wohnzimmerlicht und das Aquarium mit dem Smartphone dimmen können, ohne aufzustehen. Smart Home eben. Bislang war der Traum des vernetzten Hauses eigentlich nur mit massiven Nachrüstungen oder Neu-Investitionen möglich. Geht es nach den Machern von Neurio soll man nur noch ein einziges Gerät kaufen und dies in den Stromschaltkreis integrieren. Danach lassen sich die Hauptverbraucher mit der Helfer-App namens Wattson kombinieren.

Während das Prinzip spätestens nach dem kurzen Intro-Video einleuchtet, bleiben natürlich die Fragen nach der Praxis: 1. Funktioniert das wirklich? Und 2. Soll und darf ich wirklich am eigenen Stromkasten hantieren?

Neurio ist lernfähig und will die einzelnen Verbraucher und Stromkreise unterscheiden. Sobald es einmal weiß, dass es der Wäschetrockner ist, der da gerade so viel Strom saugt, kann Wattson die Zeit messen und Bescheid sagen, wann ein Trockengang zu Ende ist. Natürlich soll es Übersichten darüber geben, welches Haushaltsgerät wie viel Strom verbraucht. Einzelne Geräte sollen sich ein- und ausschalten lassen. Und außerdem weiß die Technik, welche Verbraucher gerade laufen. Also wenn der Herd etwa noch eingeschaltet ist, dies aber nicht sein soll, warnt die App davor.

Mit offener API

Und noch dazu ist die Neurio/Wattson-Kombination mit anderen Standards wie Smart Things kompatibel. Eine offene API und die Zusatz-App "Trigger" sollen eigene Hacks erlauben. Dank IFTTT lassen sich "Rezepte" erstellen. So könnte man etwa programmieren, dass sich die Waschmaschine einschaltet, sobald man das Licht im Wohnzimmer ausknipst, oder anders herum.

Konkret: Die App zeigt den Stromverbrauch auch in Dollar an.

Die kanadischen Anbieter sammeln gerade Geld auf Kickstarter. Die Aktion liegt in den letzten Zügen, die gewünschten 95.000 kanadischen Dollar hat man längst überboten. Die günstigsten Angebote sind weg. Ab nun soll ein Neurio 129 und später 149 kanadische Dollar (106 Euro) kosten. 15 Dollar (10,70 Euro) für den internationalen Versand kommen noch obendrauf. Die ersten Geräte sollen im kommenden April ausgeliefert werden.

Elektriker bevorzugt

Eine nicht ganz unwesentliche Kleinigkeit allerdings wird bei dem spannenden Projekt ein wenig an den Rand gedrängt: Soll jetzt etwa jeder an seinem eigenen Stromkasten herummontieren, bis ihn der Schlag trifft? Neurio hat die eigene Kickstarter-Seite mit einer Anleitung versehen, wie man den Sensor einschraubt, und man will ein Video noch rechtzeitig vor der Auslieferung nachreichen. In einem Satz weist man auch ganz nebenbei darauf hin, dass es besser sei, einen Elektriker die Installation machen zu lassen, wenn man sich selbst dazu nicht in der Lage sieht. Ich fürchte, das könnte so mancher überlesen. Und dann hätten wir mit viel Pech ein paar Hausbesitzer weniger, die ihr Smart Home nicht mehr erleben...

Wattson API

Laut der Hersteller ist Neurio für den Gebrauch in den meisten europäischen Ländern und deren Stromnetz tauglich und zertifiziert, darunter auch die Schweiz, Deutschland und Österreich. Wie genau Neurio die einzelnen Stromquellen voneinander unterscheidet, ist momentan nicht überliefert. Auch, ob die Sensoren verschiedene Steckdosen oder gar Mehrfachsteckdosen unterscheiden können, ist noch unklar. Tests müssen das zeigen. Abgesehen davon und von der ungeklärten Sicherheitsproblematik halte ich Neurio auf jeden Fall für eine spannende Idee. Wenn das funktioniert, sicher funktioniert und auch die Daten so sicher sind, dass mir nicht jeder auf der Straße bald den Strom abstellen kann, dann hat die Idee sicherlich Zukunft. Aber: Seid vorsichtig damit!

Weitere Informationen auf der Neurio-Website und der Kickstarter-Kampagnen-Seite

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