05.04.14

Verkauf des Nest Rauchmelders gestoppt: High-Tech bis zum Abwinken

Eines seiner zentralen Features des Nest Protect hat nun den Verkaufsstop ausgelöst.

Das von Google gekaufte Unternehmen Nest ist nur knapp an einer PR-Katastrophe vorbeigeschliddert: Ausgerechnet eines der High-Tech-Features ihres Rauchmelders kann dafür sorgen, dass das Gerät nicht korrekt funktioniert. Dabei stellt sich die Frage: Wie sicher ist unser Smart Home?

 

Ebenso wie der Nest Thermostat ist auch der Rauchmelder Nest Protect nicht nur schön anzusehen, sondern zugleich ein Stückchen High-Tech. Ein Feature aber wurde ihm nun zum Verhängnis: Man kann ihn einfach mit einem Winken daran hindern, einen Alarm auszulösen. Gedacht ist das für Situationen wie beispielsweise beim Kochen in der Küche, in der ein Rauchmelder fälschlicherweise ein Feuer zu erkennen glaubt. Nest Protect meldet sich mit einem „Heads Up“ genannten Hinweis, man winkt in seine Richtung und der eigentliche Alarm bleibt aus. In Labortests entdeckten die Ingenieure von Nest nun: Ihr Rauchmelder kann unter bestimmten Umständen auch andere Bewegungen für ein Winken halten und er würde deshalb in der Folge einen Feueralarm später auslösen – vielleicht zu spät.

Das folgende Werbevideo für den Nest Protect zeigt, als wie zentral das Unternehmen dieses Feature ansieht:

www.youtube.com/watch

In zweierlei Hinsicht kann Nest dabei sehr froh sein: Erstens, dass sie diesen Fehler entdeckt haben, bevor er von anderen gefunden wurde oder er gar für ein Unglück verantwortlich wäre. Zweitens, dass sie die bereits verkauften Nest Protect über das Internet mit einer neuen Firmware versehen können. Da es keine schnelle Lösung für das Problem gibt, wurde das Wink-Feature zunächst komplett abgeschaltet. Zugleich hat das Unternehmen den Verkauf ihres Produkts bis auf Weiteres gestoppt – und dabei wird Nest Protect hier in den USA gerade im großen Stil beworben. Zugleich kann jeder Nutzer seinen Nest-Rauchmelder zurückgeben.

In der offiziellen Mitteilung zu dem Problem erwartet Nest-CEO Tony Fadell, dass es alles in allem zwei bis drei Monate dauern wird, bis der Rauchmelder wieder voll funktionsfähig sein wird und in den Verkauf zurückkehrt.

Wie sicher ist ein Smart Home?

Dank Googles Milliarden wird Nest diesen Fehltritt sicherlich überleben. Aber trotzdem wirft dieser kleine Vorfall ein Licht auf eine wichtige Frage: Wie sicher ist unser Smart Home?

Wir berichten häufiger über Systeme, die das eigene Zuhause schlauer machen sollen oder bestimmte Funktionen automatisieren. Ein beliebtes Beispiel ist, dass sich das Haus selbst verriegelt, wenn niemand mehr zu Hause ist. Das ist zwar einerseits eine gute Lösung für Vergessliche, kann aber natürlich zugleich dazu führen, dass man selbst nachlässiger wird. Man verlässt sich darauf, dass die Technik funktioniert – was sie aber bekanntlich nicht immer tut.

Für Systeme in kritischen Umgebungen wie Atomkraftwerken, Hochgeschwindigkeitszügen oder auch im Auto gelten hohe Maßstäbe, damit sie in besonders ausfallsicher sind. Und trotzdem wissen wir, dass es Unfälle gibt. Manchmal, weil die Technik trotzdem versagt. Manchmal, weil sich der Mensch zu sehr auf die Technik verlässt. Und manchmal, weil beides zugleich eintrifft.

So oder so finde ich wichtig im Hinterkopf zu behalten: Wie sehr kann ich mich auf ein Smart Home verlassen? Wie sehr sollte ich das tun? Und wie gut ist das System gegen eigene Fehlfunktionen abgesichert? Alles das sind Fragestellungen, die man bei aller Begeisterung für den technischen Fortschritt auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren sollte.

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