24.10.13

Tagebuchkamera Narrative Clip: Alle 30 Sekunden ein Bild unseres Lebens

Narrative Clip: Ansteckkamera knipst automatisch Fotos. Alle Bilder: Narrative

Ab November wird die "Narrative Clip" erhältlich sein und für hitzige Diskussionen sorgen: Die Ansteck-Kamera nimmt alle 30 Sekunden ein Bild unserer Umgebung auf. Vor einem Jahr war sie noch unter dem Namen "Memoto" angekündigt worden und hatte für viel Aufsehen gesorgt.

Narrative Clip: Ansteckkamera knipst automatisch Fotos. Alle Bilder: Narrative

Lifelogging ist eine neue Möglichkeit, die wir vor einem Jahr hier und auf unserem Schwesterblog netzwertig.com lebhaft diskutiert haben. Ansteckbare Kameras nehmen alle 30 Sekunden ein Bild auf und halten dadurch unser Leben für uns fest. Eigentlich klar, dass sich Anbieter und Befürworter den Vorwurf der totalen Überwachung gefallen lassen müssen. Anderen gefällt die Möglichkeit, und ich könnte mir gar noch weitere Aufzeichnungsmöglichkeiten vorstellen.

Ein Jahr später ist aus der technischen Möglichkeit noch immer kein Trend geworden, vielleicht auch weil ein Vertreter dieser Gattung jetzt erst auf den Markt kommt: Die Narrative Clip, die im vergangenen Jahr noch Memoto hieß, soll sich ab sofort auch aus Deutschand vorbestellen lassen. Ganz billig ist sie aber nicht.

25 Gramm leicht, 260 Euro teuer

Immerhin ein Jahr hat es gedauert, bis das schwedische Startup die Kamera fertig produziert hat. Aufgrund von Bedenken, mit ähnlichen oder gleichen Markennamen in Konflikt zu geraten, hat das Team den Namen kurzfristig noch von Memoto in Narrative geändert. Ab dem 1. November sollen zunächst die Spender bedient werden, die das Projekt auf Kickstarter gefördert haben. Vor einem Jahr sammelte das Projekt dort statt der gewünschten 50.000 gar 550.000 US-Dollar ein. Mehr als 2.000 Menschen bestellten die Kamera vor. Eine Finanzspritze gab es darüber hinaus auch aus San Francisco: True Ventures stieg mit 3 Millionen Dollar in das Projekt ein.

Erhältlich in drei Farben

Wer nun die rund 260 Euro aufbringen will, erhält eine 25 Gramm leichte GPS-Kamera, die mit 5 Megapixeln auflöst und automatisch alle 30 Sekunden ein Bild aufnimmt. Egal, was sie gerade sieht: Die Kamera knipst es und gleicht es mit der Cloud ab. Immerhin bis zu 2.880 Bilder würde die Kamera so pro Tag aufnehmen. Der Cloud-Speicher, den Narrative im ersten Jahr kostenlos mit anbietet, reicht dafür aus, um alle Bilder dort automatisch abzulegen und dem Nutzer schnell zur Verfügung zu stellen. Ab dem zweiten Jahr würden dafür monatlich weitere 9 Dollar plus Steuern fällig, also ungefähr 10 Euro.

Kamera "weiß", wann sie aufzeichnen soll

Auf der Kamera selbst lassen sich Bilder bis 8 GB speichern, die täglich in die Cloud wandern. Weil der Akku nur für 24 Stunden hält, muss die Narrative Clip auch täglich oder zumindest alle zwei Tage aufgeladen und abgeglichen werden. Über einen Micro-USB-Anschluss lässt sich die Narrative mit einem PC oder Mac verbinden. Der Nutzer erhält Zugriff auf seinen Cloudspeicher über eine iOS- oder Android-App. Die Kamera selbst ist wetterfest, der Clip aus rostfreiem Stahl. Die Kamera wird in den Farben Weiß, Orange oder Grau verfügbar sein. Mit einem rührenden Video werben die Macher um Käufer:

vimeo.com/76031372

Der eingebauten Beschleunigungssensor soll die Bilder automatisch drehen, so dass sie immer hochkant erscheinen. Er hilft außerdem dabei, Bilder nur dann aufzunehmen, wenn die Kamera angesteckt und in Bewegung ist. Wird sie abgelegt, weil der Nutzer etwa schlafen gehen will, registriert die Narrative Clip das und nimmt keine Fotos auf. Auch über die mitgelieferte App lässt sich die Aufzeichnung auf Wunsch temporär ausschalten. Ansonsten hat die Kamera keine Bedienknöpfe. Sie macht alles automatisch.

Totale Überwachung?

Vielleicht seid ihr bei der Kamera ebenso zwiegespalten wie ich. Auf der einen Seite fände ich es spannend, einfach einmal zu sehen, was die Kamera über mehrere Tage, Wochen, ja Jahre hinweg alles aufzeichnet, und ob sich daran eine Entwicklung ablesen lässt. Auf der anderen Seite könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass viele Leute, mit denen ich täglich zu tun habe, sich nicht andauernd fotografieren lassen wollen, vielleicht sogar gereizt darauf reagieren. Wenn jeder eine solche Kamera verwenden würde, hätten Menschen mit bösen Absichten das perfekte Tool in der Hand, um uns alle komplett zu überwachen.

Narrative-Träger

Und dann wäre da auch die Frage der Handhabung: Selbst wenn die Kamera nur einen halben Tag im Einsatz wäre, stünden wir abends vor einem Berg von fast 1.500 und nach einer Woche rund 10.000 Bildern, durch die man sich kämpfen müsste. In einem Jahr käme so rund eine halbe Million Bilder zusammen. Ich bin gespannt, mit welcher Software Narrative dieser Datenmenge Herr werden will. Zwar organisiert die Software die Bilder automatisch in Verzeichnissen und macht sie dank OCR und GPS durchsuchbar, das löst das Problem der schieren Menge aber noch lange nicht. Problematisch werden könnte allerdings auch schon der Preis: 260 Euro plus später 10 Euro im Monat sind nicht gerade ein Pappenstiel. Man müsste schon ein großer Fan von Lifelogging sein, um das zu bezahlen.

Weil mich die Idee interessiert, würde ich die Narrative Clip aber gerne einmal ein paar Tage oder Wochen ausprobieren. Ich habe nach einem Testgerät angefragt.

Mehr Informationen auf der offizielle Seite, wo sich auch der Shop des Herstellers findet.

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