28.05.10

Multitouch-Tablets: Fingerfarbenmalen

iPad ist zum Tippen ungeeignet

Das iPad kommt langsam, aber gewaltig, und es ist nicht allein: eine ganze Welle von Tablets rollt über uns herein und beschert uns Geräte, von denen wir bisher noch nicht einmal wussten, dass wir sie brauchen - und die eigentlich nicht zu gebrauchen sind - jedenfalls nicht zum ernsthaften Arbeiten. Ein Kommentar zu den aktuellen Tablet-Computern.

Irgend ein Witzbold hat einmal gesagt: Computer lösen Probleme, die wir ohne sie nicht hätten.

Und so scheinen auch die Tablets wie das iPad ihre eigenen Aufgaben selbst mitzubringen. Denn ich halte sie in der derzeit angebotenen Form für kein ernstzunehmendes Arbeitsgerät - ganz im Gegensatz zur ersten Generation der Tablet-PCs, die noch einen Stift brauchten, um anständig zu funktionieren. Die neuesten Tablet-PCs agieren auf Fingerbefehl und verstehen mehrere Berührungen gleichzeitig - "Multitouch" heißt das und erlaubt es, das Gerät frei im Raum schwebend sich drehen zu lassen. Naja, zumindest die Ergebnisse. Auf der Strecke bleibt dabei die Produktivität. Weshalb wir das iPad hier auch in der Kategorie "Heimelektronik" und nicht mehr unter "Computer" führen.

Für das Lesen von Zeitungen und Büchern ist die Bedienung "mitti Fingers", wie der Ruhrpottler sagen würde, praktisch und entspricht in etwa den eigenen Benutzergewohnheiten (wobei selbst das Diskussionstoff für lange Sommerabende vor dem Kamin gibt): man schiebt den Inhalt von oben nach unten, blättert hin und her, und holt sich heran, was nicht zu erkennen ist.

Soweit so gut. Sobald jedoch eigene Inhalte in die Intelligenzplatten hinein sollen, wird es schwierig. Die virtuelle Tastatur erlaubt das zügige Tippen mehr schlecht als recht. Die Texterkennung von Geschriebenem wurde der Multitouch-Fähigkeit geopfert, ja selbst handgeschriebene Notizen, mit den Stift-Tablets noch möglich, lassen sich nur mühsam einzugeben.

Alles, was dabei auf den Multitouch-Tablets herum kommt, ist ein mühsames Gekritzel - es sei denn, man war als Kind ein Meister im Fingerfarbenmalen. Mit den Ersatzstiften kann man auch nicht wirklich gut schreiben. Insgesamt sind die Tablets für ernsthafte Schreibübungen außerdem zu lahm. Klar: ich kann eine Tastatur anschließen, dann fehlt mir jedoch immer noch die Maus, und ich muss immer hoch und runter mit der Hand um den Cursor zu platzieren, denn die Maus wurde ja auch geopfert. Das ist unter dem Strich so umständlich, dass kaum jemand die modernen Tablets zum Schreiben benutzen wird, wage ich einfach mal zu prophezeien.

Genau wie die akustische Bedienung. Das wäre durchaus eine Alternative. Da das iPad das Betriebssystem von seinen kleinen Brüdern geerbt hat, sollte es auch das können.

Doch obwohl die Spracherkennung schon seit mehr als zehn Jahren marktreif ist und auf den (englischsprachigen) Android-Geräten der neusten Generation nachweislich hervorragend funktioniert, trauen sich wohl die wenigsten auf der freien Wildbahn, ihr Tablet anzubellen oder ihm gar Content einzuflößen. Das geht ja auch gar nicht: ist schon der normale Aufenthalt im Zug mit einander per Telefon peinliche Teile der Lebensgeschichte diktierenden Reisenden eine Zumutung, möchte ich gar nicht wissen, wie es wäre, würde man dort aktuelle Geschäftsberichte per Sprache eingeben wollen.

Ein Toaster kann nicht backen

Somit bleiben das iPad und seine Mitbewerber irgendwo auf dem halben Weg zwischen überzüchtetem Mediaplayer und ernsthaftem Arbeitsgerät stecken, und jeder, der sich eins gekauft hat, wird irgendwann dann doch noch ein Netbook dazu nehmen oder ein anderes Gerät, mit dem man tatsächlich etwas schaffen kann.

Oder zum reinen Konsumenten bunter Bilder verkommen.

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