28.03.08

Motorola TV DH02: Wird Handy-TV 2.0 ein Erfolg?

Motorola TV DH02

Mit dem mobilen Fernseher TV DH02 hat Motorola sein Engagement für DVB-H bekräftigt. Die neue Technik soll dem bisher ungeliebten Handy-TV auf die Sprünge helfen. Vorteil gegenüber bisherigem Fernsehen ist Interaktivität: Gefällt dem Zuschauer ein Werbespot, kann der den Artikel gleich bestellen. Damit das noch einfacher geht, hat das TV DH02 sogar ein Touch-Display. Der Handy-Fernseher DH02 ist aber kein Handy mehr: Er kann nur noch Notrufe und SMS absenden.


Das TV DHO2 soll Handy-TV auf die Sprünge helfen. (Bild: Motorola)

Das Überall-und-immer-Fernsehen mit DVB-H ist besser als das bisher verfügbare UMTS-Handy-TV.

 

Das in der Schweiz und Deutschland bisher bekannte Handy-TV über die Mobilfunknetze hat einen schlechten Ruf. Die bisher verwendete Technik via UMTS oder EDGE frisst nicht nur viel Bandbreite und ist ohne TV-Daten-Flatrate unbezahlbar, sondern geht auch regelmässig in die Knie, wenn Zigtausende gleichzeitig ein Finalspiel sehen wollen. Denn bei der bisherigen Lösung musste jeder Handyglotzer mit individuellen Daten gefüttert werden.

Bei DVB-H wird das anders, da schlürfen alle an einem gemeinsamen Datentrog. DVB-H nutzt Broadcasting, ist "richtiges" Fernsehen. Das Signal wird von einem Punkt ausgestrahlt und kann parallel von unbeschränkt vielen Teilnehmern empfangen werden ("Point to Many"). Versorgungsengpässe sind so praktisch ausgeschlossen. Das "Internetfernsehen", ob nun über Handy oder Webstreams, ist dagegen stets "Point to Point", jeder Zuschauer benötigt seinen eigenen Datenstrom, und damit kein echtes Massenmedium.

Wirtschaftlich interessant ist DVB-H vor allem durch den Rückkanal. Dazu wird das übliche Handy-Datennetz (GPRS/UMTS) verwendet. Man kann so nicht nur Abstimmungen durchführen und Waren verkaufen sondern auch das Sendeangebot durch On-Demand-Inhalte ergänzen.

Sendungen lässt sich, sofern die Sender es zulassen, mit dem Motorola DH02 sogar auf eine SD-Speicherkarte aufzeichnen. Eine 256-MB-Karte soll für 90 Minuten ausreichen. Ferner soll man die Sendung pausieren und dann mit Time-Shift verzögert betrachten können.

Freunde und Feinde

Vor allem in Italien ist DVB-H seit 2006 bereits erfolgreich. In Deutschland laufen erste Feldversuche. Die Schweizer wollten DVB-H ebenfalls zur Fussball-EM starten. Denn bisher wird bei den Helvetiern das Handy-Fernsehen bestenfalls für den Abruf einer 100-Sekunden-Tagesschau genutzt und kaum jemand ist sonst bereit, für eine Stunde Miniglotzen rund einen Euro (1.50 Franken) zu bezahlen und seinen Akku in Rekordzeit zu leeren.

DVB-H hat aber nicht nur Freunde, in der Schweiz wird der Versuch, die Fussball-Europameisterschaft per DVB-H zu übertragen wohl am Widerstand der Bevölkerung scheitern - Strahlungsgegner wollen keine neuen Sendemasten. Tatsache ist auch, dass man mit der "normalen" Fernsehtechnik DVB-T bereits landesweit billiger und einfacher überall mobil fernsehen kann, allerdings nicht auf dem Handy - DVB-T hat die Bandbreite für "große" Fernseher und würde einen Handyakku in Rekordzeit leeren. DVB-H ist die auf Handys optimierte Variante von DVB-T

Motorola erfindet neu

Bisher war das Angebot von Handys mit DVB-H Unterstützung eher dünn. Neben Nokia (N92, N77) und Samsung (P910 bis P940) gab es noch einzelne Geräte von LG und Sagem. Dabei handelt es sich immer um klassische Handys, die mit DVB-H-Empfang ergänzt sind.

Nun steigt aber Motorola mit Macht in den DVB-H-Markt ein. Aussergewöhnlich dabei ist, dass der TV DH02 nicht als Handy sondern als Fernseher positioniert wird. Dies war bisher nur bei DVB-T üblich. Ergänzt mit Navigationsfähigkeiten und Features für die persönliche Videosammlung soll das DH02 ein multimedialer Begleiter werden. Telefonieren kann man damit jedoch nicht. SMS lassen sich zwar verschicken und empfangen und auch einen Notruf kann man noch absetzen. Damit sind aber die gewohnten Kommunikationsfähigkeiten erschöpft.

Immer, überall ...

Wie sich Motorola die Zukunft rund um DVB-H vorstellt, wird in der Broschüre "Guide to media mobility" ausführlich beschrieben. Motorola erwartet, dass sich der Informationskonsum von "prime-time" zu "my-time" ändert. Medienkonsum wird orts- und zeitunabhängig - Motorola spricht von time-shift, place-shift und lifestyle-shift.

In den Plänen wird das DH02 nicht nur als Empfänger für Live-TV gesehen. Nachfolgemodelle sollen dank neuer Breitbandtechniken wie WiMax auch auf das persönliche Videoarchiv auf dem Heimserver zugreifen können. Dieser speichert nicht nur die Lieblingssoaps, sondern auch die Privatvideos.

Die Daten des Motorola TV DH02:

  • Bildschirmauflösung: WQVGA (480 x 272)
  • Framerate: 25 Bilder pro Sekunde
  • DVB-H mit Timeshifting (5 Minuten) und Framegrabbing
  • GPS-Navigations mit Tele-Atlas Kartenmaterial
  • SMS und Notrufe
  • Bluetooth-Unterstützung
  • Portrait- und Landscape-Modus mit Autoflip

Über Preise und Lieferfristen macht Motorola noch keine Angaben.

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