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11.02.13

Motorola Razr i im Dauertest: Auf Augenhöhe mit doppelt so teuren Konkurrenten

Größenvergleich: Links das Google Nexus 4, rechts das Motorola Razr i

Nach drei Monaten Dauertest mit dem Motorola Razr i zeigt sich: Smartphones mit Intel-Prozessoren sind möglich, das Gerät schlägt sich sogar auf Augenhöhe mit deutlich teurerer Konkurrenz. Die Kamera bietet ebenso viel Licht wie Schatten und das Update auf Android 4.1 scheint dem Gerät nicht sonderlich gut bekommen zu sein. Alles in allem aber muss die Konkurrenz erst einmal zwei Dinge nachmachen: Diese enorme Akkulaufzeit und den Kamera-Schnellstart.

Größenvergleich: Links das Google Nexus 4, rechts das Motorola Razr i

Was muss ein Spitzen-Smartphone können? Je nachem, wen man fragt, bekommt man auf diese Frage heute höchst unterschiedliche Antworten. Ein Techniker wird Vergleiche anstellen und Details wie Quadcore, ppi und Full-HD-Display nennen. Für die Nutzer zählen in erster Linie weiche Faktoren: Lässt sich das Gerät flüssig bedienen, komme ich schnell an die wichtigsten Anwendungen und an die Kamera, und reicht der Akku wenigstens von Zuhause bis ins Büro?

Gerade, wenn es um diese Faktoren geht, kommt das Motorola Razr i erstaunlich gut weg. Die erste Expedition des US-Herstellers mit einem Intel-Prozessor in die Smartphone-Welt ist geglückt. Das inzwischen sogar recht preisgünstige Razr i schlägt teurere Geräte in vielen Disziplinen und zum Teil auch im Gesamteindruck. Einige Macken hat Motorolas Geheimtipp allerdings auch.

Intel muss handeln

Jahrelang war am Thron der ARM-Architektur im Smartphone-Sektor eigentlich nicht zu rütteln. Intel fand keinen Weg, die x86-Architektur für Smartphones anzupassen. Im vergangenen Jahr kam der Wandel mit einigen Geräten für Schwellenmärkte wie die in Asien erhältlichen Lenovo K800 und Lava Xolo. Denn Intel will handeln: Der einstige Wachstumsmarkt PCs und Laptops ist rückläufig, im stärkeren Markt für Tablets und Smartphones ist man praktisch nicht präsent.

Mit Motorola hat sich Intel dann einen Partner geholt, der das erste Smartphone mit Atom-Prozessor auch nach Nordamerika und Europa brachte. Das Razr i ist bauähnlich mit dem Razr M, verwendet etwa das gleiche Gehäuse und ähnliche Bauteile. Der Unterschied zum Snapdragon-Prozessor zeigt sich im Razr i allerdings dann zum Beispiel in der Kamera. Das Telefon hat einen Schnellstart eingebaut, den das Razr M nicht hat. Die Kamera ist mit einem Druck auf die Kamerataste tatsächlich sofort einsatzbereit - das zeigte auch unser Test. Das Auslösen dauerte dann zwar etwas länger. Dafür schaffte der Serienbildmodus zuverlässig zehn Bilder pro Sekunde. Die Bildqualität unter schlechten Lichtbedingungen ist außer im HD-Modus nicht besser und die Aufnahmegeschwindigkeit nicht höher als bei anderen Kameras. Insgesamt allerdings schießt man Fotos wesentlich schneller als zum Beispiel bei Googles Nexus 4 oder Apples iPhone 5, wo sowohl Schnellstart, als auch eine physische Kamera-Taste fehlen.

Starker Akku, nicht sehr flüssig

Positiv zu werten sind auch die Maße des Razr i. Das Werbeversprechen "Vollbildsmartphone" wird eingehalten. Auf einem Gerät, das kaum größer ist als das iPhone 4S (3,7-Zoll) bringt Motorola stolze 4,3 Zoll Display unter. Das Kevlar-Gehäuse ist stabil und wirkt wertig. Gut gelöst auch: der Einschub für Micro-SIM- und Micro-SD-Karte unter einer flexiblen Kunststoffklappe am linken Gehäuserand. Schmuckstück ist außerdem der Akku. Anders als andere Modelle der Razr-Familie fällt die Lademenge des 2.000-mAh-Akku im Razr i schon fast gering aus. Andere Smartphones schlägt das Gerät damit aber um Längen. Bei uns im Dauertest hielt der Akku selbst bei häufiger Nutzung immer problemlos einen vollen Tag durch. Um die Leistung noch weiter zu verbessern, greift ab einer geringen Lademenge automatisch ein Energiespar-Programm.

Ganz ohne Nachteile kommt allerdings auch das Razr i nicht aus. Das Hin-und-Herwischen zwischen den Bildschirmen oder zwischen Apps gelingt längst nicht so flüssig wie bei anderen High-End-Smartphones. Vor allem seit dem Update auf Android 4.1.2, das seit vergangener Woche ausgerollt wird, ist es mit der Flüssigkeit der Darstellung ganz dahin.

Plastik an der falschen Stelle

Das Gehäuse, so stabil es auch ist, hat den Nachteil einer Plastikverstrebung, auf der das Gerät aufliegt. Weil diese sehr glatt ist, fiel mir das Razr im Test deswegen anfangs mehrmals aus der Hand. Ein großer Nachteil ist in meinen Augen auch das enorme haptische Feedback des Razr i. Bei der Benutzung des virtuellen Keyboards vibriert das ganze Gerät bei jedem Buchstaben. Hier hat man nur die Möglichkeit, es zu lieben oder das Feedback ganz abzustellen. Update: Die Intensität des Feedbacks lässt sich in den erweiterten Tastatur-Einstellungen anpassen.

Die große Frage ist jetzt: Was hat der Nutzer davon und was bringt es ihm, dass er nun ein Intel-Smartphone hat? Die Antwort: Man merkt herzlich wenig davon, und das ist die gute Nachricht für Intel. Es fällt schlicht nicht auf, welcher Prozessor da werkelt und die Eigenschaften können sich sehen lassen. Die Schnellstart-Kamera mit Serienbild und HDR und die lange Akkulaufzeit sind zwei Dinge, die die Konkurrenz erst einmal nachmachen muss. Für einen Preis von derzeit rund 350 Euro in Online-Shops kann man beim Razr i nicht meckern. Der Test zeigt: Gute Smartphones mit Intel-Prozessoren sind möglich.

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