Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

13.11.13

Motorola Moto G: Angriff auf die Einstiegsklasse

Moto G: Aktuell bestes Einsteiger-Smartphone. Alle Bilder: Motorola

Motorola hat heute zeitgleich in London und Sao Paolo das Moto G vorgestellt, ein Smartphone, das in zwei Versionen unter 200 Euro zu haben ist. Technisch ist es dabei deutlich besser ausgestattet, als der Preis vermuten lässt. Eine Kampfansage an die Einstiegsklasse.

Moto G: Aktuell bestes Einsteiger-Smartphone. Alle Bilder: Motorola

Gleich vorweg: Nein, in die Tabellenspitze wird das Moto G nicht aufschließen, aber das ist bei diesem Preis sowohl nicht gewollt, wie auch völlig in Ordnung. Gerade einmal 169 Euro soll das Gerät mit einem 8-GB-Speicher kosten und 199 Euro mit 16 GB.

Schon für den Preis erhält man heute kaum einen Androiden - von LGs L-Serie einmal abgesehen. Und wenn, dann ist der günstige Preis meist mit einem gravierenden Nachteil erkauft. Die Hersteller sparen dann bei Akku, Kamera, Display oder Speicher. Auch das Moto G hat ein paar Ausreißer nach unten, das Mindestmaß wird dabei aber immer noch gewahrt.

Optisch erinnert das Moto G an das Nexus 4, Googles "eigenes" Smartphone aus dem Hause LG, das jetzt durch das Nexus 5 abgelöst wurde. Es belebt mit seinem 4,5-Zoll-Display eine fast schon aussterbende Gerätegröße. Werfen wir kurz einen Blick auf die technischen Details und vergleichen:

  • HD-Display (kein Full HD) mit 720 mal 1.280 Pixeln. Das wäre die gleiche Auflösung, die ein TV-Sender für euren Fernseher in HD ausstrahlt, um mal einen abstrakten Vergleich zu ziehen. Klar, die Spitzenklasse der Smartphones und auch das Nexus 5 haben ein Full-HD-Display mit 1.920 x 1.080 Pixeln. Einmal abgesehen von der Frage, ob man das wirklich braucht, muss sich das Moto G hier mit einer Pixeldichte von 329 ppi (vergleichbar mit Apples Retina-Display) nicht verstecken.
  • Quadcore-Prozessor Snapdragon 400 mit 1,2 GHz. Neueste Prozessor-Generation der etwas schwächeren Variante, aber immerhin ein Quadcore, der solide arbeiten sollte. Die Spitzenklasse verwendet derzeit meist einen Snapdragon 800 mit 2,2 oder 2,3 GHz, ebenfalls Quadcore.
  • 1 GB RAM. Das könnten tatsächlich mehr sein, das Doppelte ist mittlerweile Standard. Es dürfte aber locker genug sein, um alle gewünschten Apps zu starten.
  • Akku mit 2.070 mAh: guter Durchschnitt, soll laut Motorola auf jeden Fall einen Tag durchhalten.
  • Gewicht: 143 Gramm - etwas schwer
  • Hauptkamera: 5 Megapixel mit LED-Leuchte, Panorama- und HDR-Funktion und 720p-Videos. Da gibt es heute wahrlich Besseres mit höherer Auflösung, optischem Bildstabilisator und hoher Lichtempfindlichkeit.
  • Frontkamera: 1,3 Megapixel ebenfalls mit 720p-Videoaufnahme. Geht in Ordnung.
  • Verbindung: WLAN b/g/n, kein ac, HSPA+ bis 21 Mbit/s, kein 42-Mbit/s-Modus, kein NFC und kein LTE. Insgesamt eher eine schwache Ausstattung.
  • Dafür: Bluetooth 4.0 für die immer zahlreicher werdenden Dienste mit der weit reichenden, energiesparenden Bluetooth-Technik
  • Wasserresistent - hat in der Preisklasse lange nicht jedes Gerät
  • Ein UKW-Radio ist eingebaut
  • Android 4.3, ein Update auf das neue Android 4.4 wird garantiert.

Alles in allem also solider Durchschnitt mit ein paar Ausreißern nach oben (wasserfest, Pixeldichte, Radio) und nach unten (Verbindung, Arbeitsspeicher, Kamera). Aber hey: Das Ding kostet nur 169 oder 199 Euro. In der Preisklasse habe ich noch kein besseres Smartphone gesehen.

Preis-Leistungs-Verhältnis kann derzeit keiner überbieten

Sofern sich das vergleichen lässt: Nokia hat mit den Lumia 520, 620 und 720 drei Windows Phones für unter 200 Euro im Gepäck, die ich allesamt ein wenig schwächer einschätzen würde. Das Moto G erinnert mich dabei am ehesten an das Lumia 720, das ebenfalls einige Ausreißer nach oben und nach unten hatte. Das LG Optimus L7 II ist preislich vergleichbar mit dem Moto G, aber noch etwas schwächer ausgestattet. Tests müssen zeigen, wie gut sich das Gerät in der Praxis schlägt, aber für das Weihnachtsgeschäft hat Motorola hier sehr viel Smartphone für sehr wenig Geld vorgestellt. Android für alle, wenn man so will. Hier das offizielle Produktvideo:

www.youtube.com/watch

Und wenn man denn wirklich so will, dann ist das auch ein Angriff auf die Einstiegsklasse. In der Regel fallen die Preise für Smartphones ja schnell und man dürfte für das Moto G in einem halben Jahr nicht mehr viel mehr als 100 Euro bezahlen. Dabei dürften Welten zwischen dem Moto G liegen und etwa dem technisch sehr schwachen Firefox-Phone Alcatel One Touch Fire, das wir kürzlich im Test hatten, und das mit einem Pflichtvertrag trotzdem immerhin 100 Euro kosten soll. Die Konkurrenz wird sich jetzt für die Einstiegsklasse etwas einfallen lassen müssen, um Motorola die Stirn zu bieten.

Das Moto G ist ab dem 21. November in Deutschland verfügbar, unter anderem bei MediaMarkt, The Phone House oder bei Amazon.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer