22.12.09

Motorola Milestone Test (III): Der Top-Android

Motorola Milestone

Das Milestone von Motorola in unserem Dauertest: Bisher hat es sich gut geschlagen, aber es hat auch Schwächen.

 

In den ersten Teilen des Tests hat das Motorola Milestone schon sehr überzeugt. Wenn man dem Gerät und Motorola etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass es dem Handy etwas an "Sexyness" fehlt. Da hilft dann auch keine noch so nette Werbekampagne: Am Ende ist es etwas nüchtern und funktional geraten. Gegen das Image des iPhones kommt das Milestone nicht an, aber da ist es ja nicht alleine auf dem Markt. Dafür überzeugte es bisher mit Qualität und dem neuen Android 2.0.

Aber das Telefon hat auch ein paar Schwächen, die nicht verschwiegen werden sollen.

Kamera:

Die 5 MP Kamera hat einen LED-Blitz und liefert brauchbare Ergebnisse. Zumindest, so lange es hell ist.

Geht das Licht weg, geht auch die Leistung der Kamera mächtig in die Knie. Da kann es auch schon mal passieren, dass sie gar nicht auslöst. Das Prunkstück des Handys ist die Kamera ihren 5 Megapixeln zum Trotz sicher nicht, aber das gilt ja für fast alle Handys.

Nicht gelungen ist das Menü. Beim Magic taucht, nachdem man ein Foto gemacht hat, sofort die Option auf, das Bild an diverse Stellen weiterzuleiten. Beim Milestone muss man das Bild aufrufen und dann den Menüknopf drücken. Das ist unpraktisch. Dort findet man dann aber auch das sehr reichhaltige Bearbeitungsmenü, um dem Bild den letzten Schliff zu geben.

Internet und Telefonie

Keine Ahnung, ob das nur bei meinem Testhandy so war, aber der Browser von Android 2.0 ist eine kreuzlahme Angelegenheit. Da hilft dann auch nicht die Multitouch-Unterstützung (die nur das europäische Milestone haben soll). Die Seiten brauchen eine halbe Ewigkeit, bis sie geöffnet werden. Ich habe genervt im "Market" nach einem Ersatz gesucht und bin auf den Dolphi-Browser gestoßen: Der kann Tabs, ist richtig schnell und macht einen soliden und guten Eindruck.

Telefonieren kann man mit dem Handy erstaunlicherweise auch noch. Android hat in den Einstellungen eine "Crystal Clear" Variante, die die Gesprächsqualität verbessern soll. Die habe ich allerdings schnell abgestellt, weil sie bei O2 dazu führte, dass man ein Echo in den Gesprächen hatte. Ohne die Funktion war die Qualität sehr gut. Verbindungsabbrüche gab es keine. Die Bedienung in den Kontakten ist wie bei den bisherigen Android-Versionen - da gibt es wenig zu meckern.

GPS & Navigation

Das GPS funktionierte in Zusammenhang mit Google Maps bei Android schon immer sehr gut. Die Lokalisierung ist sehr gut und korrekt. In den USA gibt es für Maps auch schon die Navigationssoftware, die aber leider in der deutschen Ausgabe noch fehlt. Wann genau die auch hier ausgeliefert wird, ist nicht klar, aber ich vermute, dass es sie zeitgleich mit der deutschen Version von Streetview kommen wird. Eine Routenplanung ist allerdings schon dabei, und in Berlin funktioniert die sehr gut. Man bekommt zwar keine Sprachanweisungen, aber die eigene Position wird ständig aktualisiert, und man kann auf dem großem Display sehr gut sehen, wo man abbiegen muss. Man sollte dann aber nicht vergessen, in den Einstellungen die automatische Displayabstellung zu deaktivieren.

Akku

Der Akku war bisher der Schwachpunkt bei allen Android-Handys. Ein guten Tag halten sie durch, dann ist Schluss. Und die 24 Stunden bekommt man auch nur, wenn man nicht allzu viel mit dem Gerät rumspielt. Meine Erwartungen beim Milestone, dessen Display ein gefühltes Kinoleinwandformat hat, waren dementsprechend niedrig - und ich wurde positiv überrascht: Der Akku hielt schon nach derm ersten Aufladen etwas mehr als einen Tag; nachdem er nun etwas trainiert ist, langt der Saft auch gerne mal bei normaler Benutzung locker drei Tage. Im reinen Standby geht es auch länger.

Ich hatte zwischendurch eine Geschäftsreise nach Frankfurt, also samt morgens um sechs gelangweilt am Flughafen rum sitzen und Abends um 21.00 Uhr wieder zu Hause sein. Also - viel Internet, viel telefonieren, viele SMS. Ein echter Belastungstest, den das Milestone gut überstanden hat. Der Akku war gegen 23.00 Uhr auf 10 Prozent, aber das reichte durchaus.

Etwas nervig: Die ungenaue Akku-Anzeige. Es tut sich lange nichts, es dauert lange, bis er "halbleer" anzeigt. Dann kommt "gelb", und gefühlt ein paar Minute später warnt das System, dass der Akku fast leer und die Anzeige auf "rot" gewandert ist. Es gibt Applikationen, die das genauer können, aber die kosten dann auch wieder Strom.

Aber man kann über den Akku nicht meckern. Motorola hat sich hier durchaus an die Spitze gesetzt.

Kleine Ärgernisse

Auch wenn das Motorola vieles richtig macht, ein paar Ärgernisse gibt es doch. Die sollen nicht verschwiegen werden:

  • Der An/Aus-Knopf sitzt oben rechts und nicht, wie bei vielen anderen, unten. Wenn das Display ausgeht, muss man bei dem großem Monitor schon lange Finger haben, um den Knopf zu erreichen. Hier wäre es besser gewesen, wenn er wenigstens an der Seite liegen würde.
  • Der USB Anschluss liegt an der Seite unten, aber in der Mitte der Tastatur. Man braucht ein Loch in der Hand, wenn man bequem weiter schreiben möchte.
  • Das USB-Kabel ist zu kurz. Es ist gerade mal einen Meter lang. Ein Witz, der allerdings gegen andere Kabel ausgetauscht werden kann.
  • Will man das Handy über den USB-Anschluss des Rechners aufladen, muss man zunächst die Treiber für das Telefon installieren. Es wird nicht automatisch erkannt und lädt nicht ohne die Motorola-Software. Und die Installation selbiger ist selbst auf Windows 7 ein nerviges Unterfangen, inkl. eines kompletten Neustarts. Da ist sie dann wieder, die alte Motorola Schwäche.

Fazit:

Das Motorola Milestone ist das beste Android-Handy, das es zur Zeit auf dem Markt gibt. Es ist extrem solide gebaut und liefert in allen Bereichen gute bis sehr gute Ergebnisse. Ein Knackpunkt dürfte für Interessenten vor allem die Größe und das Gewicht sein. Aber die massive Bauweise bringt eben auch ein paar Vorteile. Ein "Frauenhandy" ist es sicher nicht.

Mich hat das Milestone sehr überzeugt, auch wenn die oben beschrieben Schwächen und die gewöhnungsbedürftige Tastatur sicher Abzüge in der B-Note geben. Wer aber ein Handy sucht, das sowohl im Geschäftsbereich als auch für die Verbindung ins Netz erstklassige Ergebnisse liefert, dem kann man das Milestone empfehlen.

Natürlich ist immer die Frage, ob man nicht ein wenig warten sollte. Das Milestone ist das erste, aber sicher nicht das letzte Handy mit Android 2.0, und die mit Spannung erwarteten Modelle von Sony und HTC der Spitzenklasse kommen ja erst 2010. Aber leicht werden es die Hersteller nicht haben, wenn sie Motorola vom ersten Platz verdrängen wollen.

Und dann wäre da noch der ewige Vergleich mit dem iPhone. Klar ist: in Sachen Bedienfreundlichkeit ist das iPhone immer noch an der Spitze. Aber Apple hat auch ein Jahr Vorsprung in der Entwicklung der Software, und das merkt man. Zumindest noch im Moment, denn die Entwicklungsschritte, die Android allein in diesem Jahr gemacht hat, sind atemberaubend. Zu sagen, dass eines der beiden Handys besser oder schlechter wäre, wäre nicht fair. Es gibt Bereiche, in denen das iPhone weiterhin überlegen ist (Geschwindigkeit, Apps), aber ebenso gut gibt es andere Sektoren, wo die Konkurrenz nachgelegt hat (Multitasking, Akku, Bildschirmauflösung).

Würde ich mir das Motorola Milestone kaufen? Ein klares "Ja". Es hat mich im Test bis auf Kleinigkeiten sehr überzeugt und ist ein Begleiter geworden, den ich so schnell nicht mehr hergeben möchte.

[postlist "and" "Milestone" "Test"]

Schlagworte zu diesem Artikel

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!