16.07.13

Motorola-Google Moto X: Lohnt es sich, auf das neue Google-Phone zu warten?

Rückseite des Moto X

Motorola Mobility bereitet sich auf eine der wichtigsten Produktneuheiten in der Firmengeschichte vor: das Moto X. Es soll Eindruck im Android-Markt hinterlassen und inzwischen sind zahlreiche Informationen darüber aufgetaucht. Wir fassen für euch den aktuellen Stand der Dinge zusammen.

Rückseite des Moto X

Wenn es ums Markting für das kommende Android-Handy Moto X geht, setzt die Google-Tochter Motorola Mobility ganz auf die bewährte „Salamitaktik“. Und das ist wohl auch eine gute Idee, denn der einstige Handystar Motorola muss sich bei potenziellen Kunden schließlich erst wieder ins Gedächtnis rufen.

Um das zu schaffen, hilft sogar Googles Chairman Eric Schmidt: Er benutzte das offiziell noch gar nicht vorgestellte Moto X ausführlich in der Öffentlichkeit und wurde entsprechend damit fotografiert. Schon war es zahlreichen Medien wieder eine Meldung wert. Immerhin wissen wir nun, wie wir uns das Moto X vorzustellen haben. Damit wurde zugleich bestätigt, dass bereits im März aufgetauchte Fotos eines angeblichen Moto X tatsächlich korrekt waren.

Stunde der Patrioten

Sprung ins kalte Wasser...

Eine Anzeige zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli hatte ebenfalls für Aufmerksamkeit gesorgt. Motorola Mobility tritt hier mit dem neuen, bunteren Logo und dem neuen Zusatz „a Google company“ auf und bewirbt das Moto X ganz patriotisch. Das Moto X sei „das erste in den USA entworfene, entwickelte und gebaute Smartphone“. Der Hinweis „Made in USA“ hat inzwischen einen besonderen Klang, schließlich wurde in den letzten Jahren immer mehr Produktion ins Ausland und vor allem nach China ausgelagert. Allein die Arbeitsplätze wieder „zurück ins Land zu holen“, dürfte so manchen US-Kunden begeistern. Gebaut wird das Moto X in Texas.

Aber auch für Moto-X-Interessierte hierzulande hatte die patriotische Anzeige etwas zu bieten: Man solle das Smartphone „selbst designen“ können. Was sich exakt dahinter verbirgt, ist noch nicht offiziell bekannt. Allerdings sollte man sich nicht zu viel davon erwarten. Die Hoffnungen auf einen Hardware-Konfigurator für Smartphones erfüllen sich wahrscheinlich nicht und es geht eher um die Farbauswahl für die Rückseite des Geräts. Gravuren sollen ebenfalls möglich sein und man kann das Moto X wohl schon bei der Bestellung mit einem Hintergrundbild seiner Wahl individualisieren. Aus meiner Sicht eher Gimmicks, aber nun gut.

In der Anzeige wurde dann abschließend aus Apples bekanntem „Designed by Apple in Californa. Assembled in China.“ ein „Designed by you. Assembled in the USA.“

Schnelles Knipsen aus dem Handgelenk

Wenig überraschend wird auch beim Moto X die Kamera eine zentrale Rolle spielen. So wird jedenfalls ein Tweet von Motorola Mobility gedeutet. Darin sieht man mehrere verwischte Fotos eines Kindes mit dem Hinweis: „Entweder ist dieses Kind richtig schnell oder heutige Handys sind richtig langsam.“ Das Moto X wird nicht explizit erwähnt, aber die Technews-Szene brauchte nicht einmal 1 und 1 zusammenzuzählen. Ganz leicht wird es Motorola nicht haben, hier einen nachhaltigen Eindruck zu lassen: Allein Samsungs Galaxy S4 Zoom oder Nokias Lumia 1020 haben mit beinahe absurd hochfliegenden Features erheblich vorgelegt.

Um die Kamera zu starten, reicht dabei offensichtlich eine lockere Bewegung aus dem Handgelenk. Das ist jedenfalls eines von zwei wesentlichen Features, die das folgende Video hervorhebt. Es soll ein vorab öffentlich gewordenes Promovideo des kanadischen Mobilfunkanbieters Rogers sein:

Das Moto X wird ein guter Zuhörer

Ein weiteres genanntes Feature ist ein immer zuhörendes Google Now. Was bei manchen sicherlich Datenschutzbedenken hervorruft, soll dazu führen, dass man sein Moto X ähnlich Google Glass aktivieren und nutzen kann: durch eine bestimmte einleitende Phrase. Aus „Okay Glass“ wird hier dann folgerichtig „Okay Google Now“.

Noch interessanter ist der genannte Verkaufsstart: Im Video wird angekündigt, das Moto X sei ab August bei Rogers erhältlich. So oder so dürfte es nicht mehr lange dauern.

Das beste Android-Erlebnis – aber für wen?

Slashgear spekuliert, dass die Gehäusefarben zum neuen Logo passen könnten.

Völlig offen ist derzeit noch, wie Google und Motorola bei der Software zusammenarbeiten. Das Moto X ist schließlich das erste Smartphone, das nach der Übernahme von Motorola Mobility durch Google entwickelt wurde. Auch deshalb wartete man wohl bis zum jetzigen Zeitpunkt, um „a Google company“ zu ergänzen.

Tech-Journalist Mike Elgan hatte gerade dieser Tage auf Cult of Android geschrieben, Smartphone-Hersteller sollten endlich auf die (aus seiner Sicht) einzige Gewinner-Strategie setzen: pures Android, ergänzt um eigene Apps, die die Besonderheiten der Hardware unterstützen. Bislang versuchen sich die Hersteller voneinander abzugrenzen, in dem sie Android optisch und funktional verändern. Das wiederum führt dazu, dass Android-Phones in der Regel nur eine bis anderthalb Jahre lang neue Versionen bekommen. Und es ist ein Grund, warum das aktuelle Android „Jelly Bean“ erst jetzt dem alten „Gingerbread“ den Rang ablaufen konnte.

Googles Motorola wird das sicher besser machen wollen. Im Grunde ist Google nun in einer ähnlichen Ausgangsposition wie Apple und hat Hardware, Betriebssystem, Software/Apps und die Dienste im eigenen Haus. Motorola hatte schon wissen lassen, man wolle „das beste Android-Erlebnis“ bieten – was auch immer das dann konkret heißen wird. Auf der anderen Seite wird Google es sich nicht mit den anderen Android-Partnern verscherzen wollen. Denen dürften schon die kampfbepreisten Nexus 4 und Nexus 7 ein Dorn im Auge gewesen sein. Wir werden es erleben.

Spekuliert wird natürlich, inwiefern die beschriebenen Funktionen des Moto X ein Teil von Androids nächster Version „Key Lime Pie“ werden und wann. Das wird schließlich auch schon länger erwartet. Oder sind sie „nur“ Vorboten einiger Verbesserungen, die in einer weiteren Version von „Jelly Bean“ einfließen?

Technische Daten

Über die technischen Daten im Innern des Moto X ist noch nicht viel bekannt. Slashgear spekuliert beispielsweise auf ein 4,3 oder 4,7 Zoll messendes Display, und aktuelle Funkstandards wie LTE, WLAN nach 802.11ac und Bluetooth 4.0 + EDR. Zu vermuten ist, dass es keinen SD-Card-Slot geben wird, der bei den Nexus-Geräten ebenfalls traditionell fehlt, weil Google den austauschbaren Speicher zu verwirrend für den durchschnittlichen Nutzer findet.

Noch Anfang dieses Jahres hatte Motorolas Designchef Jim Wicks dem Wettrennen um immer größere Smatphones eine Absage erteilt. Kratzresistent und unempfindlich gegen Stürze solle ein Smartphone zudem sein, erklärte er.

Als „sehr, sehr beeinruckend“ und „phänomenal“ hatte Googles Chairman Eric Schmidt die neuen Geräte schon vor Monaten bezeichnet.

Und lohnt sich das Warten nun?

Bleibt die Frage, ob sich das Warten lohnt. Nach den aktuellen Informationen wird das Moto X eher ein Mittelklasse-Smartphone, auch wenn es Motorola selbst wohl als Konkurrenten für iPhone 5 und Galaxy S4 sieht. Aber das muss nichts Schlechtes sein, denn ob man die High-End-Features wirklich braucht, kann man jederzeit in Frage stellen. Und wer weiß, ob die verbaute Hardware nicht doch noch überraschen wird. Ansonsten sehe ich nach aktuellem Stand der Dinge wenig Grund, den Kauf eines anderen Smartphones aufzuschieben. Die Auswahl im Android-Bereich ist schließlich riesig und auch andere Betriebssysteme haben etwas zu bieten. Dass das Moto X in Texas gebaut wird, dürfte dabei hierzulande wohl wenige interessieren.

Aber wer weiß ob Google und Motorola nicht doch noch ein Überraschung in petto haben. Bis zur endgültigen Präsentation träume ich mal weiter vom Hardware-Konfigurator...

Quellen zu diesem Beitrag:

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