29.10.13

Project Ara: Motorola wird zu Googles Spielwiese

Project Ara: Motorolas Vision von einem modularen Smartphone

Smartphones mit austauschbaren Komponenten haben wir in Designstudien bereits mehrfach gesehen. Motorola will das Konzept nun in Projekt Ara wirklich umsetzen. Seit der Übernahme durch Google wird der US-Mobilfunker immer mehr zu einem Testballon. Das Ziel ist ungewiss, zu verlieren hat man aber wenig.

Project Ara: Motorolas Vision von einem modularen Smartphone

Das aktuelle Spitzenprodukt von Motorola heißt wie? Einige Eingeweihte würden vielleicht Moto X sagen, aber technisch gesehen ist das eher gehobenes Mittelmaß trotz Android 4.3. Kollege Jati bezeichnete es als "VW Golf unter den Smartphones". Die deutsche Website des Herstellers listet das Razr i und das Razr HD auf, zwei Modelle aus dem vergangenen Jahr, in diesem Jahr gab es nichts Neues in Deutschland.

In den USA hat man im August beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch einmal drei neue Droids vorgestellt (Ultra, Maxx und Mini), die kaum aufgefallen waren. Die US-Website steht ganz im Zeichen des anpassbaren Moto X, dem neuen Aushängeschild der Herstellers. Und hierzu soll sich nun Ara gesellen, ein Smartphone-Projekt, bei dem sich einzelne Komponenten wie Akku, Kamera oder Speicher nachträglich austauschen lassen sollen. Die Gefahr ist groß, dass das ein Flop wird - das würde aber niemandem schaden.

 

 

Denn Motorolas Marktanteil bei Smartphones ist mittlerweile vernachlässigbar. Google stellt seine Nexus-Geräte lieber in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern wie LG (Smartphones) oder Asus (Nexus 7) her. Eigene Tablets baut Motorola schon lange nicht mehr. Die Übernahme der Mobilfunksparte des Traditionsherstellers vor zwei Jahren für 12,5 Milliarden US-Dollar hat sich für Google bislang nicht wirklich ausgezahlt. Also warum nicht einfach mal etwas Neues draus machen, dachte sich Google offenbar. Motorola wird zur Spielwiese.

 

Dabei ist völlig ungewiss, ja sogar eher unwahrscheinlich, dass Project Ara für Google und Motorola ein wirtschaftlicher Erfolg wird. Zwar denken zunehmend mehr Kunden über den ökologischen Fußabdruck eines Smartphones nach und auch darüber, wie es produziert wird. Schlussendlich greifen sie aber doch zu einem gänzlich neuen Modell, wenn ihr Vertrag abgelaufen ist. Die Entwicklungsspanne ist hoch, nach zwei Jahren sind nicht nur Display und Kamera nicht mehr auf dem Stand der Zeit, sondern auch Prozessor und Chip-Architektur. Selbst wenn sich bei Project Ara mehrere Komponenten austauschen lassen, bleibt der Rumpf ("Endo") der gleiche, und der wird nach einiger Zeit Abnutzungserscheinungen zeigen. Das Verlangen nach etwas ganz Neuem dürfte größer sein.

Lässt man sich auf das Geschäft mit Einzelkomponenten ein, dann gibt es eigentlich immer einen Verlierer. Entweder den Kunden, der für Einzelteile saftige Preise zahlt - oder den Anbieter, der sehr viele Teile vorrätig halten muss, der bei geringen Einzelpreisen draufzahlt oder der auch bei einem hohen Preis für Endkomponenten im Vergleich zum Verkauf eines Komplettgeräts weniger Umsatz erzielt.

Moto X: Teilweise frei konfigurierbares Smartphone

Das heißt nicht, dass Project Ara eine schlechte Idee wäre. Nicht wenige werden es sich zumindest hin und wieder gewünscht haben, den schwachen Akku ihres Telefons gegen einen mit mehr Leistung oder die lichtschwache Kamera durch ein moderneres Modell zu ersetzen. Und auch der Open-Source-Gedanke, der bei Projekt Ara noch einmal gefördert werden würde, klingt charmant: Jeder kann Einzelkomponenten für das modulare Telefon anbieten und so vielleicht sein eigenes Produkt ganz groß herausbringen: Ein Thermometer vielleicht, einen Schrittzähler, Biosensoren, etwas woran jetzt noch keiner denkt. Alles möglich für Drittanbieter, für die sich ganz neue Chancen ergeben. Open Source für Hardware also - etwas, was Google bei Android ironischerweise mehr und mehr an den Haken hängt.

Böse Zungen dürften also behaupten: Google verfolgt Open Source nur noch da, wo man eh nichts mehr zu verlieren hat. Andere werden vielleicht eine Chance darin erkennen. Project Ara zumindest soll noch in diesem Winter zunächst mit einem Module Developer Kit (MDK) analog zu einem Software Developer Kit an den Start gehen. Entwickler würden in den kommenden Monaten angeschrieben. Erste modulare Telefone wird man dann vielleicht schon im kommenden Jahr sehen.

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