27.10.06

Miuro tanzt, funkt - und spioniert

Miu DSC 3071 hr

Nur Kaffee kocht er noch nicht: Dieser Roboter lässt sich per Handy aus der Ferne herumkommandieren.

Miu DSC 3071 hrWer für seinen iPod eine Boombox mit der Soundqualität einer Kenwood-Stereoanlage und dem Coolness-Faktor des Staubsauger-Roboters Roomba sucht, darf hoffen: Ab Dezember ist "Miuro" für umgerechnet 1000 Dollar zunächst in Japan zu haben - und verspricht dort ein Kassenschlager im Weihnachtsgeschäft zu werden. Den Gästen einer Präsentation im Silicon-Valley- Nobelort Saratoga jedenfalls gefiel der quirlige Zwerg, der zwischen ihren Füssen umher rollte und dabei die kleine Party mit erstaunlich sattem Sound aus seinen Kenwood-Lautsprechern versorgte. Die Musik stammte vom iPod, den Miuro huckepack in einem Spezialfach mit sich führte - dort lassen sich alle iPods der dritten Generation, aber auch andere MP3-Player unterbringen. Miuro kann aber auch Musik ab PC oder Internetradios streamen, indem er sich via WiFi ins heimische Funknetz einklinkt. Mit einer Musikquelle verbunden, spielt Miuro auf Tastendruck an der Infrarot-Fernbedienung einzelne Alben, Songs einer bestimmten Gattung oder kunterbunt alles durcheinander. Die Remotecontrol dient aber auch dazu, den rundlichen Partyfreund zurückzurufen, wenn er sich zu weit von Herrchen weg bewegt hat: Er tanzt nämlich zu seinen eigenen Klängen blinkend durch den Raum, wobei er dank diverser Sensoren ausreichend Abstand von Tisch- und anderen Beinen hält, wie das Video des französischen Journalisten Jean-Baptiste Su zeigt.

"Von Robotern wird derzeit generell noch zu viel erwartet", erklärte Hitoshi Hokamura, der die Herstellerfirma ZMP in den USA vertritt: "Die Technik ist noch nicht so weit, dass humanoide Maschinen all das tun könnten, was sie in den Science Fiction-Filmen tun. Es macht deswegen mehr Sinn, sie auf ein paar wenige Funktionen einzuschwören, die sie dann aber richtig gut erledigen."

 

ZMP hat mit Miuro allerdings nicht Halt gemacht bei den Musikfunktionen. Der rollende Ghettoblaster hat ein paar verblüffende Zusatztricks auf Lager. Nicht nur findet er seinen Besitzer auf Knopfdruck und versucht umgehend, sich klangstrategisch ideal vor ihm im Raum zu positionieren. Er merkt sich auch diejenige Stelle jedes Raums, wo er am häufigsten platziert wird und nimmt - ausser im Tanz-Modus - nach einigen Tagen jeweils automatisch diese Position ein. Die Informationen für diese Raumkartierung, die ihm das Erinnerungsvermögen verleiht, stammen aus den Bildern einer kleinen Digitalkamera, die in seinem "Rücken" eingebaut ist. In einer späteren Version soll Miuro auch auf Befehle horchen, die ihm via Handy durchs Internet zugeschickt werden. Ortsabwesende Eltern können ihn demnach am Sonntagmorgen ins Zimmer des Teenagers schicken, von wo er ein Foto des schlafenden Sprösslings liefert, bevor er ihn mit Krokus' "Stayed awake all night" in voller Lautstärke aus der Koje kippt? Miuro wird in weiss, rot, gelb oder schwarz geliefert und ist ab Dezember in Japan und im Frühling 2007 in den USA und Europa lieferbar. Er ist der jüngere Bruder von ZMP's erstem Produkt, dem humanoiden Nuvo. Der reagiert nicht nur auf Fernsteuerungsbefehle, sondern auch auf Zurufe, vermag sich aus Rückenlage selber auf seine beiden Beine zu stellen - kostet aber die Kleinigkeit von umgerechnet 7000 Dollar, wie mir der CEO von ZMP, Hisashi Taniguchi, erklärte.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer