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07.11.06

Microsoft bringt den Google-Earth-Killer

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Die Windows-Firma verheiratet Google-Earth mit "Second Life": Suchmaschinenergebnisse auf einer 3D-Erde direkt im Browser

 

Ziemlich beeindruckend, was Microsoft da grade als Beta-Version vom Stapel gelassen hat: Unter Live.com präsentiert die Firma aus Redmond ihre radikal erneuerte Suchmaschine. Und die hat es in sich. Man könnte sagen, Google Earth trifft auf Second Life und Adsense: Die Lokale Suche fördert eine dreidimensionale Karte zu Tage, in der auch die Gebäude in den Städten mit fotorealistischer Fassade in den Himmel ragen. Die virtuelle Welt lässt sich in drei Dimensionen erforschen, Klicks auf Häuser liefern Suchergebnisse zu der Adresse und vieles mehr.

 

 

An einem Launch-Event in San Francisco haben die Microsaofties heute die Betaversion mit 15 digitalisierten Amerikanischen Städten vorgestellt. Zunächst präsentiert sich die Suche auf Live.com so schnörkellos wie immer (und angelehnt an Googles pragmatische Suchseite). Aber ein Klick auf den Registerknopf "Maps" (noch nicht ausprobieren - ich erklär gleich, warum nicht) bringt eine Lokalsuche in das Fenster des Browsers, wie wir sie von Googlemaps kennen. Allerdings zeichnen sich die 2D-Karten, die Wahlweise auch mit Satellitenbildern unterlegt werden können, durch eine erweiterte Funktionalität aus. Sie sind vollständig mit der Maus bedienbar, Häuser können angeklickt und mit reinen Mausklicks Fahrtrouten von einem Stecknadelkopf zum andern planen lassen. Zugleich können die Verkehrsbehinderungen auf der geplanten Strecke angezeigt werden etc.

Aber das ist erst der Anfang.

Denn wer in der Karte auf den kleinen Knopf "3D" klickt, wird - sofern er mit dem Internet-Explorer surft - zunächst zur Downloadseite von Microsoft Virtual Earth umgeleitet und kann nach der Installation eines kleinen Plugins (europäische Betatester müssen dazu allerdings den neuerdings-Hack gelesen haben!) in dreidimensionalen Städten herumdüsen wie anno dazumal mit dem Flugsimulator.

Verbesserungen gegenüber dem allseits beliebten Google Earth:

- Die Anwendung läuft direkt im Browser (leider derzeit nur im IE und nur auf Windows)

- Auch die Strassenkarte ohne Einblendung der Satellitenbilder und der 3D-Gebäude ist den Geländeformen angepasst

- die Suchmaschine lässt sich weiterhin benutzen und mit den Karten kombinieren

- Vorerst sind fünfzehn grössere US-Städte und einige Landmarks vollständig dreidimensional integriert - Abtauchen in  Downtown San Francisco lohnt sich! Microsoft will so rasch als möglich weitere Städte erfassen. Dazu werden mit Flugzeugen, die mit speziellen 200-Megapixel-Kameras ausgerüstet sind, systematisch Luftaufnahmen gemacht, aus denen sich die Gebäudemodelle in einem Durchgang berechnen lassen.

- später werden die Strassen in den Städten auch auf Augenhöhe mit hochauflösenden Fassaden-Fotos derart detailliert, dass die Auslagen in den Schaufenstern betrachet werden können. Die Absicht ist klar: Auf virtuellen Streifzügen durch fremde Städte führt ein Mausklick auf einen Ladeneingang direkt in den Online-Shop. derzeit ist die Geo-Digitalisierungscrew von Microsoft daran, mit kamerastarrenden Autos die bereits virtualisierten Strassenzüge abzufahren und das Datenmaterial für den Fussgänger-Level zusammenzutragen.

- In der Karte schweben riesige Banner-Inserate, meistens mit einem Bezug zur Suche, die der Benutzer zuvor lanciert hat, oder aber zur darunter liegenden Liegenschaft - etwa Filmwerbung über Kinos. Hier kommen die Parallelen zum Online-Universum "Second Life" zum Vorschein. Auf Nachfrage gaben die Microsoft-Verantwortlichen am Apero gestern Abend zu verstehen, dass diese lokalen Grossbanner sehr vorsichtig vermarktet werden. Wenn Microsoft nämlich in ihrer virtuellen welt Werbung über fremden Gebäuden anbringt, könnte das heikle juristische Fragen aufwerfen.

- Wie in Google Earth könnnen die Benutzer in den Landkarten ihre eigenen Fotos platzieren, Wegmarken und dergleichen Setzen und diese mit andern teilen.

- für Entwickler stellt Microsoft einen umfassenden Satz von Schnittstellen zu den 3D-Welten zur Verfügung.

Mir scheint klar, dass Microsoft damit nicht nur einen kurzfristigen Neugier-erfolg errungen hat, sondern mit der vollständigen Integration der virtuellen Welt einen massiven Vorsprung auf Google herausgeholt hat (sofern in Mountainview nicht längst eine ähnliche Beta bereitliegt). Virtual Earth ist die Kombination von Google-Maps, Google-Earth und Google-Suche, mit Froogle (der Preissuche) Intergriert und netten Gimmicks wie einer Echtzeit-Verkehrsanzeige und Lokalsuche, die auf Wunsch alle Restaurants in einer Nachbarschaft anzeigt, die dann aber auch gleich dreidimensional begutachtet werden können. Das alles steckt zwar nochin den Kinderschuhen, ist aber in der Beta bereits recht überzeugend und gibt einen guten Blick auf die nächste Stufe der elektronischen Suche (sprich der elektronischen Werbung).

Von all dem 3D-Zeug mal abgesehen: Ich habe die simple Suche auf Live.com etwas genauer unter die Lupe genommen, sprich erstmals seit langem eine andere Suchmaschine als Google ausprobiert - und war von der Qualität der Resultate überrascht.  Ehrlich gesagt, halte ich sie für besser als die von Google, aber das will ich nächstens mal etwas fundierter austesten. Allerdings kommt noch hinzu, dass MS der Basis-Suchmaschine ein paar Neuerungen verpasst hat, die ich bemerkenswert finde: Den Versand von Suchergebnissen inklusive Karten und Wegrouten via SMS an Handies (mal schnell der Freundin, die 500 Kilometer entfernt nach einer Sitzung auf dem Weg zum Flughafen ist, alle Bäckerein in ihrer Umgebung aufs Mobiltelefon schicken und sie bitten, eine Ladung echter Pariser Buttercroissants mitzubringen) und verfeinerte Sucheinstellungen (nur "Staubsaugerroboter" aus einer bestimmten Stadt, oder nur Treffer aus der Domain "Blogwerk.com" und von allen Seiten, die darauf verlinken), die sich in den persönlichen Einstellungen auf der Webseite als Scripts speichern lassen - und so weiter.

Es ist nur eine Beta. Aber ab sofort gucke ich online bei Microsoft wieder genauer hin.

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