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04.02.09

Media-Markt MP3-Download im Test: Ich bin doch nicht blöd!

Preiswert - oder doch nur billig? Media-Markt Jubiläums-Angebot

Der Media-Markt bietet noch bis Ende der Woche 300 CDs für 5 € und 300 Einzel-Tracks für 50 Cent als hochqualitative MP3s zum Download. Taugt das was? Wenn man seeeehr viel Zeit und Geduld hat, na dann vielleicht...

Beim "saubilligen" Laden gibt es auch Musik-Downloads. Ok, die gab es schon länger, aber bislang nur als WMA-Dateien mit DRM - und wer will schon sowas? Das läuft weder im MP3-Autoradio noch auf dem iPod - und wer will gekaufte Musik schon auf dem PC hören?

Doch nun gibt es angesichts des 30-jährigen Jubiläums - damals wurde in München der erste Media-Markt eröffnet - auf einmal MP3s ohne DRM, allerdings mit Wasserzeichen, doch dazu später - zum halben Preis wie die Musik bei iTunes: 50 Cent pro Track, 5 € pro komplettes Album. Taugt das was?

Prinzipiell ja, zumal auch einige Alben mit 40 und mehr Tracks dabei sind - eigentlich findet jeder unter den jeweils 300 zum Sonderpreis angebotenen Alben und Einzeltracks des Jahres 2008 etwas, das ihn interessiert. Dabei können alle Tracks vorab etwa 30 Sekunden angehört werden, wie bei iTunes oder Amazon. Und durch 300 ausgewählte Alben bzw. Tracks kann man sich auch noch "durchstöbern".

Etwas hinterhältig ist es allerdings, daß manche Alben gleich in einer "Economy" und in einer "Deluxe"-Version im Angebot sind. Letztere hat ein paar Tracks mehr und kostet dieselben 5 € wie die Einfach-Version, kommt aber natürlich erst ein paar Seiten später. Wer darauf reinfällt, beißt sich nachher in den Allerwertesten und wird nie mehr "Ich bin doch nicht blöd" sagen

So weit, so gut. Wenn man von der knallroten Website des Mediamarkts nach der Auswahl seiner Wunschmusik noch nicht farbenblind geworden ist und diese in den Warenkorb geschubst hat, geht das Theater allerdings erst richtig los:

Bezahlt werden kann nur per Media-Markt-Musik-Download-Karte, per Kreditkarte oder per Firstgate. Abbuchung vom Bankkonto ist dagegen nicht möglich.

Firstgate haben wir nicht getestet. Die Nutzung der Kreditkarte ist super kompliziert: Es sind auch für nur einen Kauf alle Daten komplett eizugeben, und beim ersten Mal sogar zweimal: Man muß auch seiner Bank noch einmal separat erlauben, die Online-Zahlung abzubuchen. Am Schluß steht man mit zwei neuen Online-Accounts da - einem für den Media-Markt-Online-Shop und einen für die Kreditkarte.

Wenn man erst in den Media-Markt fahren muß, um eine Media-Markt-Musik-Download-Karte zu erstehen, so ist der Sinn des Online-Kaufen eigentlich massiv verfehlt - dann könnte man gleich vor Ort CDs kaufen - oder MP3s auf einen Stick gespielt bekommen.

Einen Vorteil hat die Media-Markt-Musik-Download-Karte allerdings: Man kann die MP3s anonym kaufen. Beim Download ist es zwar erforderlich, neben der E-Mail-Adresse auch Name und Adresse zu hinterlassen. Doch beim Download mit der Media-Markt-Download-Karte kann man hier Phantasiedaten eingeben. Beim Einkauf mit Kreditkarte geht dies zwar auch, aber es könnte ja später der Einkauf mit der verwendeten Kreditkarte verglichen werden...

Warum das eine Rolle spielen könnte? Nun, die MP3s haben zwar kein DRM, aber ein Wasserzeichen. Und in diesem sind die zuvor gemachten Angaben hinterlegt. Das hindert keinen MP3-Spieler am Abspielen der Titel, aber wenn sie einmal in Tauschbörsen geraten, prangt auf ihnen ein großes Schild "geklaut bei...". Und das kann dann natürlich sehr teuer werden.

Wer die MP3s nur selbst zuhause auf dem Klo anhört, braucht sich hierum keine Gedanken zu machen. Wer allerdings Freunden und -inninen ab & zu mal MP3s verschenkt - was er ja darf, auch Kopien gekaufter CDs darf man in gewissen Grenzen verschenken - lebt gefährlicher: Wer weiß denn, ob die mit dem Geschenk nicht irgendwann mal Esel oder Bittorrents füttern?

Wer die Musik auch unterwegs hört, lebt ebenfalls gefährlicher: Schließlich könnte einem ja auch der MP3-Spieler geklaut werden - auch dann könnte eines Tages der Abmahnanwalt an die Tür klopfen.

Aber wollen wir nicht unken. Das Risiko, daß die beim Media-Markt gekauften personalisierten MP3s in eine Tauschbörse gelangen, ist nämlich sehr gering. Um nicht zu sagen, praktisch gleich 0. Der Media-Markt hat nämlich doch einen ungemein wirksamen, ganz hinterhältigen Kopierschutz eingebaut!

Der schlägt zu, wenn man bezahlt hat und downloaden will. Mancher hat vielleicht Erfahrungen mit dem Download von CD- und DVD-Images oder ganzen Spielfilmen. Das dauert. Stunden.

Dasselbe Gefühl bietet einem der Media-Markt schon mit popligen MP3s. Ok, dank hoher 320-KB/s-Qualität sind diese etwas größer als die aus den Tauschbörsen und erreichen zwischen 8 und 13 MB. Doch das sollte an einem DSL-Anschluß kein größeres Problem darstellen. Auch der Komplettdownload eines Albums als ZIP-Datei mit dann um die 200 MB sollte möglich sein und erspart dann eine Klickorgie.

 

Doch so ist es nicht. Anscheinend ist der Media-Markt-Download-Server nicht für mehr als eine Handvoll Kunden ausgelegt. Mehr als ein bis fünf KB/s Downloadgeschwindigkeit sind mit dem Intertnet Explorer nicht zu erreichen - das erinnert an früheste Modem-Zeiten. Und auch mit Geduld ist da nichts zu wollen: Der Server setzt die Verbindung lange vor Erreichen von 2/3 des Downloads zurück. Uns gelang mit dem IE kein einziger erfolgreicher Download auch nur eines Tracks - vom ZIP-File ganz zu schweigen.

Wie es tatsächlich möglich ist, verraten wir euch nächste Woche, wenn wir alle Titel erfolgreich runtergeladen haben und das Angebot abgelaufen ist fanden wir durch Zufall heraus: Ein Downloadmanager namens Orbit, der mal für das Abspeichern von Videostreams installiert worden war und seitdem eher dadurch nervte, daß er sich in jeden Download einklinken und diesen in sein Default-Verzeichnis schicken will, war der Aufgabe gewachsen: Mit dem ZIP-File ging hier zwar auch nichts, doch immerhin ließen sich die Einzeldateien so erfolgreich innerhalb von etwa 10 Minuten abspeichern.

Auch Firefox 3 zeigte sich als etwas downloadtauglicher - hier wurden immerhin etwa 10 bis 20 kB/s ereicht. Damit kann man die Titel einzeln durchaus herunterladen - allerdings nicht mehr als sechs gleichzeitig. Mit dem ZIP-File ist alelrdings auch hier nichts zu holen, zumal dieses beim Kauf mehrerer Alben immer größer wird.

Der eigentlich praktische Download wird im Media Markt also zur abendfüllenden Beschäftigung, zumal "natürlich" alle Downloads nicht mit rechtem Mausklick und "speichern unter" direkt möglich sind, sondern erst mal eine weitere Downloadseite aufrufen und so mindestens drei Mausklicks erfordern.

Schlägt ein Download fehl, so zählt ein Lizenzzähler eine Stufe herunter, nach drei Versuchen ist er bei Null. Hat man dabei versucht, ein ZIP-File mit zehn gekauften Alben herunterzuladen, so sind diese komplett entwertet. Ein weiterer Grund, warum man Alben wenn, dann trackweise herunterladen muß - hier hat man gewisse Chancen, mit den drei Versuchen auszukommen, zumindest mit Firefox oder einem Download-Manager.

Wenn man iTunes und dann den iPod mit den so mühsam erbeuteten Dateien füttert, klappt dann auch alles: Die Titel sind korrekt getaggt und werden entsprechend einsortiert. Aber für die Prozedur mit dem Zeitaufwand wäe es billiger gekommen, gleich bei iTunes zu kaufen - das kann nämlich inzwischen auch MP3s liefern. Wie das geht, beschreiben wir dann morgen - denn auch dort läuft demnächst die Aktion ab, mit der man Dateien vom DRM befreien kann.

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