06.04.14

Matt Hat: Augmented-Reality-Brille zum Selberbasteln für unter 35 Euro

Matt Hat im Einsatz

Der „Matt Hat“ dürfte wohl definitiv zu den kuriosesten Kickstarter-Projekten gehören, die wir jemals vorgestellt haben. Er ist ein Augmented-Reality-Heads-Up-Display für umgerechnet nicht einmal 35 Euro – auf Basis einer Baseballkappe.

 

„It's functional, not fashionable“, schreibt Matthew Kwan auf der Kickstarter-Projektseite zu seinem „Matt Hat“. Und das kann wohl mit Fug und Recht behaupten. Denn letztlich besteht er aus einer handelsüblichen Baseballkappe, einem verspiegelten Brillen-Element sowie einem Smartphone, das kopfüber in der Konstruktion steckt. Befestigt wird das alles mit einem ebenfalls nicht besonders eleganten, dafür preisgünstigen und bewährten Mittel: dem Gummiband. Der Name „Matt Hat“ sei zunächst ein Witz gewesen, sagt Matthew Kwan. Und auf den ersten Blick hält man das gesamte Projekt für einen. Auf den zweiten auch. Es ist aber keiner.

Sein Erfinder hat dabei durchaus einen interessanten Hintergrund. Laut seines Kickstarter-Profils hat er u.a. einen Doktor in Geospatial Sciences, wofür man ebenfalls Hinweise andernorts im Netz findet. Im Hauptberuf entwickelt er Android-Apps. An der Idee eines Heads-Up-Displays für den Alltag arbeitet Matthew Kwan im Rahmen eines 20-Prozent-Projekts, das er auf Forschung verwendet. Im Februar 2012 hatte er dazu das erste Mal etwas geschrieben – zu dem Zeitpunkt waren „Google Glasses“ noch ein wildes Gerücht.

Seine Ausgangsidee: Man müsste so eine Funktionalität doch mit einfachen Mitteln selbst bauen können. Nach einem ersten Prototypen war sein Interesse dann offenbar erst recht geweckt und er wollte das Prinzip weiter verfeinern, die notwendigen Bauteile vereinfachen und dabei die Qualität erhöhen. Gar kein leichtes Unterfangen, im Zuge dessen er nach eigenen Worten mehr über CAD-Dateiformate gelernt habe, als er jemals wissen wollte... In seinem Blog finden sich zahlreiche weitere Zwischenberichte.

In diesem Kickstartervideo stellt er sein Projekt vor:

Dadurch wird auch etwas klarer, wie es funktionieren soll: Auf dem verspiegelten Brillen-Element ist der untere Teil des Smartphone-Displays zu sehen, zugleich soll es aber ähnlich einer Sonnenbrille lichtdurchlässig sein. Man hat die gewünschten Informationen also nicht seitlich im Blickfeld wie bei Google Glass, sondern direkt vor Augen. Durch die Vergrößerungswirkung des gebogenen Spiegels soll es so wirken, als befände sich das Bild in etwa einem Meter Entfernung. An sich entspricht das damit sehr viel mehr dem, wie man sich Augmented Reality allgemein vorstellt. Allerdings sieht der „Matt Hat“ in seiner jetzigen Form nun einmal tatsächlich enorm kurios aus...

Ausgerechnet am 1. April eingestellt

Ausgerechnet am 1. April hatte Matthew Kwan diese Idee nun bei Kickstarter eingestellt und man mag kaum glauben, dass es wirklich ernst gemeint ist. Aber mit Blick auf den Blogpost vom 27. Februar 2012 und die Kommentare darunter scheint es sich tatsächlich nicht um einen Aprilscherz zu handeln. Genauso wie die weiteren Posts und Kommentare ließe sich das zwar auch fälschen, aber wozu man einen solchen Aufwand treiben sollte (ohne ihn mehrere Tage nach dem 1. April als Scherz aufzulösen), wäre mir nicht ganz klar. Seinen ersten Prototypen hatte er ebenfalls 2012 in einem Hackerspace in Melbourne gezeigt, wie dieses Video dokumentiert. Nicht zuletzt scheinen auch seine persönlichen Angaben zu stimmen. Ich habe in diesem Fall wirklich besonders genau hingesehen.

Neben der Hardware gehört zu dem Projekt übrigens auch Software. Schließlich sei es oft nicht praktikabel, auf dem in der Kappe eingesteckten Smartphone das gewünschte Programm direkt ablaufen zu lassen, schreibt Matthew Kwan. Viel sinnvoller sei es daher, dass es die Inhalte eines anderen Smartphones anzeige. Dazu ist das „Compact Augmented Reality Protocol“ entstanden, zudem es auch ein SDK für Android gibt.

Wer sich nun so einen Augmented-Reality-Käppi-Bausatz bestellen möchte, bekommt ihn schon für umgerechnet knapp 35 Euro. Im Juni könnte er bereits verschickt werden. Bislang haben sich allerdings nur ein paar Interessenten gefunden, so dass der „Matt Hat“ aktuell weit von seinem Finanzierungsziel entfernt ist.

Wer das ändern möchte, findet den Matt Hat hier auf Kickstarter.

P.S.: Wie man auf Facebook erfährt, hat Matthew Kwan einen Job bei Google in Sydney angeboten bekommen und auch angenommen. Hier wird es wahrscheinlich eher um seine Android-Fähigkeiten gehen. Aber wer weiß, ob er nicht auch mit dem Team für Google Glass ins Gespräch kommt...

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