27.06.19

Und auf was Unternehmen bei der Auswahl von Software und Anbieter achten sollten.

Wie sich der Markt für Unternehmenssoftware verändert!

Quelle: iStock / Getty Images Plus

Der Markt für Unternehmenssoftware, oder Neudeutsch: Enterprise Application Software (EAS), gilt bisher als ruhiger Luftraum. Alle Marktteilnehmer haben Ihre Flughöhe erreicht und kreisen mehr oder weniger erfolgreich um Ihre Interessenten und Kunden. Werfen wir einmal einen genaueren Blick in diesen Luftraum und damit auf den Markt für Unternehmenssoftware.

Der Markt für Enterprise Application Software (EAS)

Auf dem Beutezug nach neuen Kunden teilen sich primär zwei Arten von Raubvögeln den Luftraum auf: Software-Hersteller und Software-Anbieter. Hersteller sind primär Unternehmen, die eine Unternehmenssoftware programmiert haben und auf dem Markt anbieten. Der Vertriebsweg kann direkt oder indirekt sein. Beim direkten Vertriebsweg kauft der Interessent direkt beim Hersteller. beim indirekten Weg kommen die Anbieter ins Spiel. Sie sind meist Vertriebspartner des Herstellers und übernehmen die Marktbearbeitung. Im Gegenzug erhalten Sie eine Marge für Ihre Mühen. Meist bieten Anbieter als Systemhaus noch weitere Dienstleistungen an und versuchen sich als Full-Service-IT-Lieferant für Unternehmen.

Das Geschäft mit der Cloud und der Angst

Die Cloud hat aber auch vor Enterprise Application Software nicht haltgemacht. Je nach Markteintritt haben Hersteller bereits von Anfang an auf eine Cloud-Implementierung gesetzt, oder müssen ihre Software “Cloud-fähig” machen. Einige Hersteller waren tatsächlich der Meinung, dass sich der Cloud-Trend nicht hält und haben die Weiterentwicklung verschlafen. Sie verkaufen im Moment zum Teil Pseudo-Cloud-Lösungen, also Implementierungen, die zwar über das Internet verfügbar sind, aber nicht dieselbe Flexibilität aufweisen, die eine reine Cloud-Lösung hat. Die Fakes sind daran zu erkennen, dass einzelne Software-Module nur über eine klassische Installation verfügbar sind oder die Abrechnung und Lizensierung der Software immer noch den Standards aus den 90er-Jahren entspricht und diese sind meist unflexibel.

Der deutsche Mittelstand verhält sich wiederum sehr zögerlich gegenüber der Digitalisierung. Er ist zufrieden was er hat. Die eingesetzte Warenwirtschaft erzeugt die gewünschten Belege und gibt einen groben Überblick über die Wert- und Mengenflüsse bzw. Lagerbestände. Warum braucht es mehr? Es lief doch mit diesem Grad der Digitalisierung auch die letzten 20 Jahre gut. Dabei gibt es gute Gründe für einen Umstieg auf neue und moderne Unternehmenssoftware, denn in Zukunft wird der Digitalisierungsgrad ein Wettbewerbsvorteil sein und den Fortbestand des Unternehmens sichern. Mit diesem Wissen um die digitale Disruption müssten Hersteller und Anbieter von Unternehmenssoftware an den Interessenten und Kunden herantreten. Lieferanten für Unternehmenssoftware müssten sich mehr als Digitalisierungs-Partner sehen und den digitalen Wandel ihrer Kunden begleiten. Dabei verpassen oft vor allem Anbieter von Unternehmenssoftware die eigene Disruption, die durch den Markt geht.

Die Disruption im EAS-Markt

Viele Marktteilnehmer fühlen sich im EAS-Markt sicher. Der Einstieg neuer Player ist schwierig und mit hohen Kosten verbunden. Die verfügbaren Softwareprodukte sind horizontal, wie auch vertikal, meist ausgereift. An diese Funktionsbreite und -tiefe müssen neue Hersteller erst mal rankommen. Hersteller wiegen sich hier in Sicherheit. Dennoch, B2B-Startups sind im Kommen. Sie schaffen Microservices, also kleine Bausteine, die zwar nicht breit aufgestellt sind, aber eine sehr hohe Funktionstiefe aufweisen. Die Idee: Ein anderes Unternehmen stellt einen weiteren Microservices zur Verfügung, der sich horizontal an den anderen Service angliedert. Am Ende entsteht eine EAS-Architektur mit verschiedenen Produkten, die aber hoch integriert arbeiten. Nach der Devise: das Beste von jedem Hersteller. Ob die jetzigen Hersteller auf den Ansatz noch rechtzeitig aufspringen? Nicht alle werden es schaffen.

Und wo bleiben die Anbieter? Voraussichtlich werden sie die absoluten Verlierer der Disruption im EAS-Markt werden. Hersteller kaufen Ihre Partner, um Ihr Angebot vertikal zu erweitern und so als Full-IT-Service-Provider auftreten zu können. Große Systemhäuser halten dagegen, schließen sich zusammen, kaufen sich gegenseitig auf, um ein wenig Macht gegenüber Ihren Lieferanten zu behalten. Gerade kleine Anbieter werden verschwinden, wenn sie nicht in Wachstum investieren. Aber auch die großen Anbieter werden gegenseitig mehr in Konkurrenz treten und dann kommen noch die Hersteller, die auch mehr vom Kuchen haben wollen.

Dank Disruption, frischer Wind: Neue Entscheider und neue Kunden

Die gute Nachricht: Die Disruption im EAS-Markt wird kommen! Die schlechte Nachricht: Die Disruption wird kommen und einiges auf den Kopf stellen. Und nicht alle werden die Veränderungen überleben. Dies macht aber Platz für neue Hersteller und Anbieter, die sich auf die neuen Entscheider in den Unternehmen einstellt, die Generation Y. Diese Generation wird Firmen übernehmen oder neue Unternehmen gründen und damit frischen Wind in die Geschäftswelt bringen und die Disruption vorantreiben.

Auf was sollten Unternehmen bei der Auswahl von Software und Anbieter achten?

Die Auswahl einer neuer Unternehmenssoftware ist ein oft gescheuter Prozess. Auf diese 3 Punkte sollten Sie bei der Auswahl von Software & Anbieter achten:

Software mit moderner Architektur und Schnittstellen
Um für die Zukunft gewappnet zu sein muss die neue Software auf einer modernen Software-Architektur basieren, die eine flexible Anbindung von Fremdsystemen ermöglicht. Als Non-ITler ist das schwierig zu prüfen, daher fragen Sie aktiv nach den Möglichkeiten einer Anbindung und welche Systeme bereits erfolgreich angebunden wurden.

Anbieter mit Branchen-Expertise
Der Erfolg einer Software-Einführung hängt nicht nur an der Software selbst. Fehlende Expertise des Einführungspartners hat schon viele Projekte scheitern lassen. Prüfen Sie, wie in einem Bewerbungsgespräch, Ihre Ansprechpartner auf dessen Expertise. So stellen Sie sicher, dass während der Einführung das notwendige Knowhow auf der Gegenseite besteht.

Zukunftsplan des Software-Herstellers
Ein Software-Hersteller ohne Vision wird es in der Zukunft schwer haben mit Ihrer Unternehmensentwicklung mitzuhalten. Fragen Sie den Softwarelieferanten aktiv nach der Roadmap des Produktes und des Unternehmens. Prüfen Sie, ob Ihr Ziele in der gleichen Richtung legen, nur dann haben Sie den richtigen Partner gefunden, der Sie lange begleiten kann.

Autor: Matthias Weber

Matthias Weber ist Experte auf dem Gebiet der Unternehmenssoftware (ERP, CRM und Warenwirtschaft). Mit seinem Beratungsunternehmen mwbsc GmbH unterstützt er als Full-Service-Provider für das Spezial-Thema Unternehmenssoftware mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung, sowie Hersteller und Anbieter von Unternehmenssoftware bei der Optimierung deren Geschäftserfolgs.
Matthias Weber

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