22.11.13

Nicht totzukriegen: Die Macht des Papiers

Schau an, ein Dokument! Bild: BiblioArchives / LibraryArchives unter CC-Lizenz BY 2.0

Es nützt nichts, das Festhalten an einer veralteten Technik dem Gesetzgeber oder einer angeblich innovationsfeindlichen Industrie anzulasten. Der Wunsch, Dokumente auszudrucken oder zu faxen etwa, sitzt viel tiefer. Die Mehrheit will es einfach so.

 

Der modernen Technik sei Dank: Ich habe für das kommende Wochenende einen Mietwagen gebucht, ganz einfach im Internet. Und da die Mietwagenfirmen selbst nicht die besten Preise haben, gibt es dafür Reseller mit noch günstigeren Angeboten. Online gebucht, per Kreditkarte bezahlt, sicher verschlüsselt, per Mail bestätigt.

Alles toll, stünde da nicht dieser erstaunliche Satz in der Bestätigungsmail: "Das Wichtigste: Drucken Sie den Voucher aus und legen Sie ihn bei Abholung des Mietwagens Ihrem Vermieter vor Ort vor." Drucken?! Wer gedacht hatte, wir könnten uns Mitten im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts langsam vom Papier verabschieden, der hat die Macht einer etablierten Technik unterschätzt.

Der Trend geht hin zur Fax-Cloud

Das hier sollte ursprünglich kein Wir-haben-doch-bald-2014-Beitrag sein, aber es lässt sich nicht vermeiden. Ein Fax kann durchaus Vorteile gegenüber einer E-Mail haben. Schnell etwas von Hand darauf notiert oder eine Unterschrift ergänzt und zurück damit. Ärgerlich wird es aber dann, wenn sich Faxe und Drucke selbst da nicht totkriegen lassen, wo wir sie schon längst nicht mehr brauchen.

Laut Computerwoche geht der Trend eindeutig weg vom eindeutig nicht mehr zeitgemäßen, papiernen Fax - und hin zur Faxlösung in der Cloud: "Viele Firmen ersetzen heute das Fax-Gerät durch Fax-Server."

Und das soll die Lösung sein? Nein, es ist ein Muss, der Grund ist rechtlicher Natur: Amtliche und behördliche Dokumente dürfen heute nach wie vor nicht per E-Mail verschickt werden. Hier sind nur die Schriftform oder das Fax erlaubt. Wenn Faxe aber ebenfalls nur noch elektronisch in der Cloud empfangen und verschickt werden, ließen sie sich dann nicht gleich ganz abschaffen?

Die Revolution stockt

Es ist schon irgendwie paradox. Meinen Account bei einem Onlinedienst habe ich binnen Sekunden angelegt, eine Einzugsermächtigung mit ein paar Klicks erteilt, eine neue Domain im Handumdrehen online registriert. Eine Unterschrift? Nicht notwendig - solange ich nicht kündige. Denn da soll es bitteschön ein papiernes Schreiben sein, eigenhändig unterschrieben und dann per Post oder Fax versendet - es könnte ja jemand anders auf die Idee kommen, meinen Account bei einer Partnerbörse für mich zu löschen.

E-Post-Brief und De-Mail haben sich bislang nicht annähernd durchgesetzt. Das Papiervermeidungs-Startup Gini (einstmals Smarchive) als Kooperationspartner der Deutschen Post verschiebt deswegen seit Jahren seinen offiziellen Start. Der Mitbewerber Doo verliert sich im Funktionsdschungel und schafft den endgültigen Durchbruch nicht. Ein Ende des papiernen Irrsinns ist nicht in Sicht.

Trojaner tarnt sich als Fax

Und so findet man im eigenen (elektronischen) Postfach Pressemeldungen wie von Dicota. Die Schweizer bieten mobile Büros an: Koffer, in denen sich tragbare Drucker, Scanner oder Projektoren einfach unterbringen und überall hin mitnehmen lassen. Denn wer immer zum digitalen Nomaden werden will und denkt, mit Laptop, Smartphone und WLAN sei alles getan, der unterschätzt die Anziehungskraft des Papiers. So geht auch bei manchen noch so Internet-affinen Fluggesellschaften oder Busunternehmen gar nichts, wenn man ohne gedrucktes Ticket reisen will.

Und warum Faxe nach wie vor hoch im Kurs stehen, das ist erstaunlicherweise einer aktuellen Pressemeldung zu entnehmen, die uns vom Energiekonzern Axpo erreicht. Ich zitiere:

"Die enorm hohe Verbreitung, das einfache Handling und nicht zuletzt die schnelle, zuverlässige und rechtsbindende Zustellung sind noch immer handfeste Argumente, Angebote, Auftragsbestätigungen, Bestellungen, Rechnungen oder Mahnungen per Fax zu versenden."

Wer mag da noch über Meldungen lachen, in denen vor Schadsoftware gewarnt wird, die sich als Faxnachricht tarnt? Wer immer versucht, die hölzerne Kommunikation zu digitalisieren, bekommt es nun also auch noch mit Trojanern zu tun.

Der Wunsch muss da sein

Kollege Maik Klotz von t3n beklagte neulich in einem amüsanten Selbsttest, dass es das Bezahlen mit dem Handy in Deutschland praktisch noch nicht gebe. So viel verlange ich nicht einmal. Offizielle Dokumente in elektronischer Form auf dem Tablet oder Smartphone herzeigen ohne lästige Ausnahmen, das wäre es eigentlich schon. Und dazu bedarf es eigentlich nicht viel.

Zum einen ist hier die rechtliche Seite gefragt. Rechtsgültige Dokumente müssen nicht zwingend per Post oder Fax verschickt werden dürfen. Dazu bedarf es aber auch eines wasserdichten, nahezu fälschungssicheren elektronischen Dokumenttypen. Vor allem aber bedarf es etwas Besserem. Denn so viel man auch über Papier und Faxe schimpfen will: Es nützt ja alles nichts, wenn man den Menschen etwas Etabliertes einfach abgewöhnen will. Denn dass das Fax immer noch beliebt und rege genutzt wird, zeigt zum Beispiel eine Einladung zum Weihnachtsessen vom örtlichen Journalistenverband, die mich Anfang der Woche erreichte. Schön fortschrittlich heißt es da: "Bitte melden Sie sich mit dem als PDF beigefügten Refaxformular an."

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