11.11.06

MacBook Pro im Test, Teil 5: Windows auf dem Mac

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Links zu Teil 1 , Teil 2, Teil 3, Teil 4 | zum Überblick

Apples Umstieg auf Intel-Prozessoren bringt nicht nur Geschwindigkeitsgewinne für die Mac-Welt, sondern vor allem auch grosse Flexibilität, was Betriebssysteme angeht. Das MacBook Pro ist diesbezüglich vermutlich derzeit das universellste Notebook auf dem Markt. Nicht nur Mac OS, sondern auch Windows und Linux laufen auf der Maschine.

Mit anderen Worten: Es gibt mit dieser Maschine keinen Grund mehr für Betriebssystem-Religionskriege. Alle Systeme können coexistieren, jedes kann das Beste aus seiner Welt einbringen, die perfekte Harmonie der Betriebssysteme wird endlich Wirklichkeit (hier jetzt gedanklich bitte Harmoniemusik einspielen, "Ebony and Ivory" oder so).

Um das MacBook Pro unter Windows laufen zu lassen, gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Varianten.

Die Software Boot Camp von Apple (offiziell immer noch in der Beta-Phase) erlaubt die native Installation von Windows XP. Boot Camp sorgt für die Harddisk-Partitionierung, liefert die nötigen Treiber mit und installiert das Bootmenü, mit dem der User auswählen kann, welches Betriebssystem es denn heute bitte sein darf. Gesorgt wird auch für die Anpassung der alten BIOS-Schnittstelle von Windows auf den modernen EFI-Standard, den das MacBook Pro verwendet. Das eigentliche Windows-Betriebssystem muss man allerdings selber mitbringen, das gibt es nicht von Apple.

 

Das Resultat ist nichts anderes als ein ganz normaler (und schneller) Windows-PC. Die meiste eingebaute Apple-Hardware, zum Beispiel die iSight-Kamera, wird ebenfalls unter Windows unterstützt. Und selbst die guten alten PC-Tasten wie das superwichtige "ScrollLock" werden emuliert.

Der Nachteil von Boot Camp ist freilich, dass man die Maschine neu starten muss, wenn man das Betriebssystem wechseln will, und für die sporadische Nutzung ist das reichlich lästig. Dieses Problem kann mit sogenannten virtuellen Maschinen umgangen werden, die auf dem Mac ebenfalls zur Verfügung stehen.

Hierfür muss man sich allerdings die Software Parallels von der gleichnamigen Firma kaufen. Es gibt auch ähnliche Produkte anderer Hersteller, die ich aber nicht ausprobiert habe.

 

Niedlich, der Kleine: Im Mac versteckt sich ein PC.

Parallels erlaubt den Betrieb virtueller Maschinen auf Mac OS X, die unter Windows (bis zurück zu Windows 3.1), Linux, Solaris und sogar OS/2 und MS-DOS 6.22 laufen können -- prima für einen nostalgischen Nachmittag. Das klingt alles komplizierter, als es ist. Das Programm ist sehr intuitiv zu bedienen, reserviert ein bisschen Festplatte für die neue virtuelle Maschine und erlaubt die Konfiguration der übrigen Ressourcen. Beispielsweise kann man entscheiden, wie viel RAM die Maschine bekommen soll, ob sie auf das CD-Laufwerk zugreifen darf und so weiter. Die Installation des eigentlichen Betriebssystems muss man aber natürlich auch selbst machen, aber das ist ja zumindest unter Windows nicht weiter kompliziert.

 

Die Parallels-Konsole erlaubt die Zuteilung von Ressourcen sowie das Starten und Stoppen virtueller Maschinen.

Das ganze funktioniert erstaunlich gut. Eine frische Windows-Installation bootet in gerade mal 15 Sekunden (das hat mein altes Notebook nie geschafft), und dann läuft Windows in einem Mac-Fenster, als ob das nichts Besonderes wäre. Es können auch ohne Probleme mehrere virtuelle Maschinen unter verschiedenen Betriebssystemen parallel laufen, wobei das alles natürlich irgendwann an Ressourcengrenzen stösst.

Parallels ist keine Emulation, sondern eben eine Betriebsumgebung für virtuelle Maschinen. Daher ist die Performance auch erheblich besser als bei älteren PC-Emulatoren wie Virtual PC. Benchmarking-Tests zeigen, dass der Geschwindigkeitsverlust gegenüber dem nativen Boot Camp-Modus überschaubar bleibt. Da allerdings Parallels nur einen der zwei Prozessorkerne des Core Duo-Chips nutzt, sind CPU-intensive Applikationen wie z.B. Grafikrendering entsprechend langsamer. Ebenfalls verzichten muss man auf Hardware-Grafikbeschleunigung, was die Nutzung vieler Spiele und 3D-Programme weitgehend verunmöglicht. Auch die Kompatibiliät zu externer Hardware ist nicht berühmt. Parallels emuliert einen USB 1.1-Anschluss und kann zwar auf das CD-Laufwerk zugreifen, aber keine DVDs brennen.

Trotzdem, mit dem virtuellen PC kommt man für die meisten Anwendungsfälle gut zurecht. Das ganze ist ja auch nicht als primäre Maschine gedacht, sondern als Lösung für Leute, die gelegentlich Applikationen auf anderen Betriebssystemen nutzen möchten. Dafür bietet Parallels auch wirklich schöne Features an: So funktioniert etwa Copy/Paste über Systemgrenzen hinweg (d.h. man kann was in Mac OS kopieren und in Windows einfügen), und auch der Austausch von Files ist mit einem gemeinsamen virtuellen Laufwerk elegant gelöst. Selbst auf dem Mac installierte Drucker werden direkt dem virtuellen Windows-PC zur Verfügung gestellt.

Über mangelnde Abwechslung kann man sich als Mac-Nutzer also nicht mehr beklagen. Und die Virtualisierungstechnologie macht es möglich, Anwendungen aus praktisch allen relevanten Betriebssystemwelten zu verwenden.

Im nächsten Teil: Das Fazit | zum Überblick

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