10.11.06

MacBook Pro im Test, Teil 4: Applikationen

200611100628

Links zu Teil 1 , Teil 2, Teil 3 | zum Überblick

Ein neuer Mac wird mit einer recht beeindruckenden Palette an vorinstallierter Software geliefert. Gerade für den Einsatz als Heimcomputer ist das ein schöner Vorteil. Gleich aus der Schachtel hat man sehr vernünftige Applikationen für praktisch alle wesentlichen Einsatzbereiche. Windows macht da vergleichsweise eine schwächere Figur, aber fairerweise muss man auch sagen, dass Microsoft immer gleich verklagt wird, wenn man dort mal ein paar Applikationen mit dem Betriebssystem bündeln will.

Legen wir also los mit einem Überblick über die Mac-Applikationswelt: Zunächst mal gibt es da das Programm Mail für, na ja, e-Mail halt, iCal für die Kalenderverwaltung und Address Book für die Kontakte. Alles recht gelungene Applikationen, die für den Hausgebrauch allemal reichen. Wer mehr Integration und Power will, muss zum Outlook-Äquivalent Entourage von Microsoft greifen (mehr dazu weiter unten).

 

Für die Fotoverwaltung und -bearbeitung gibt es iPhoto. Dieses Programm geht erheblich über die in Windows eingebauten Fotofunktionalitäten hinaus und ist am ehesten mit der neuen Version von Picasa vergleichbar. iPhoto hat in der Mac-Szene keinen besonders guten Ruf, weil es in den ersten Versionen arg langsam war. Das hat sich in der aktuellen Fassung stark gebessert, aber für grössere Fotosammlungen sollte man trotzdem reichlich RAM haben. Oder viel Geduld. Die Applikation enthält die wichtigsten Bearbeitungsfunktionen und eine Vielzahl von Verwertungsfunktionalitäten: Schöne Slideshows, Glückwunschkarten, Kalender und Fotobücher lassen sich mit iPhoto produzieren. Interessant ist die Photocast-Funktion: Damit werden neue Fotos automatisch auf dem Web publiziert, und interessierte (Familien-)Kreise können sich per RSS abonnieren. iPhoto sieht ausserdem Plug-ins vor, so dass auch Funktionalitäten von Drittherstellern eingebunden werden können. Die Publikation von Fotos auf Diensten wie Flickr wird so elegant gelöst.

 

Auch für bewegte Bilder ist gesorgt: Mit iMovie HD lassen sich Videos bearbeiten, sogar (wie der Name sagt) im hochauflösenden HDTV-Format. Das Programm enthält eigentlich alle wichtigen Funktionalitäten für Heimvideos und ist sehr gut mit den übrigen Apple-Applikationen integriert. Die Palette an Video-Effekten aller Art ist beeindruckend. Selbst Titelfunktionalitäten und die Audiobearbeitung können absolut überzeugen. Allerdings: Der eigentliche Filmschnitt ist eher etwas umständlich. Wer mehr machen will als Heimvideos muss sich das nicht ganz billige Final Cut Express HD kaufen. Damit erhält man aber auch eine Profi-Lösung, die auch für anspruchsvollste Produktionen ausreicht.

 

DVDs lassen sich sehr elegant mit iDVD produzieren. Diese Applikation besticht mit einigen hervorragenden animierten Templates, dank derer auch noch der bescheidenste Ferienfilm professionell daherkommt. Na ja, zumindest was das DVD-Menü angeht. Neben Filmen kann iDVD auch automatisch Slideshows produzieren, und mit dem Menüeditor lassen sich selbst komplexe Menübäume ziemlich einfach erstellen.

Und nun etwas Musik bitte. iTunes dürfte auch PC-Nutzern hinreichend bekannt sein, darum verwende ich hier keine Zeit darauf, dieses Programm zu besprechen. Natürlich gibt es auf dem Mac die neuste Version immer zuerst.

Eine ganz und gar bemerkenswerte Anwendung ist GarageBand. Damit lassen sich sehr einfach Musikstücke produzieren. Mitgeliefert werden diverse Loops und Musikbruchstücke, die sich mit anderen Aufnahmen zu kompletten Songs vermischen lassen. Da kann man beispielsweise einen Europop-Dancebeat aus den 80ern mit einem Kontrabass aus der Jazzabteilung kombinieren, eine 70er-Jahre-Funkgitarre darüberlegen und dann dazu das Gedicht zu Tante Elses achtzigstem Geburtstag rappen, natürlich mit fetten Echoeffekten. Klingt super.

 

Nein, im Ernst: Es ist ziemlich unglaublich, wie schnell man mit GarageBand etwas hinkriegt, das sich wirklich nach professionell produzierter Musik anhört. Wer tatsächlich musikalisch im altmodischen Sinn ist, also ein Instrument beherrscht, kann MIDI-Geräte anschliessen oder auch akustische Instrumente aufnehmen und das ganze dann schön mit beliebig vielen Spuren abmischen. In der neusten Version ist GarageBand auch eine vollautomatische Podcast-Produktionsstätte. Fertige Podcasts können per Mausklick exportiert und publiziert werden.

Wer nach all der Kreativität auch wieder mal was "Seriöses" machen will, ist auch gut versorgt. Neue Macs kommen mit vorinstallierten Trial-Versionen von Microsoft Office und Apples iWork-Suite. iWork besteht aus den Programmen Pages (Textverarbeitung) und Keynote (Präsentation). Beide Programme bieten ein paar gute Ideen und hohe Benutzerfreundlichkeit. Die etwas exotischeren Funktionen von Word und PowerPoint werden zwar nicht abgedeckt, aber dafür bietet beispielsweise Keynote eine unschlagbare Palette an coolen Effekten.

Für den Durchschnittsuser ist die Wahl zwischen diesen Programmen vermutlich Geschmackssache, Poweruser und Unternehmen werden wohl weiterhin, schon allein aus Kompatibilitätsgründen, zu Microsoft Office greifen. Die aktuelle Office-Version für den Mac wurde 2004 publiziert und ist darum gegenüber den PC-Vorbildern noch mit ein paar Zusatzfeatures aufgefrischt. Die Messaging- und Kalenderapplikation heisst auf dem Mac aus irgendwelchen Gründen "Entourage", macht aber im wesentlichen das gleiche wie Outlook. Ansonsten ist die Bedienung der Programme aber fast identisch.

 

Anders als unter Windows spielt die "Formatting Palette" auf der rechten Seite eine grössere Rolle. Bei Office auf Windows klicke ich die meistens gleich weg, beim Mac ist sie aber erforderlich und auch deutlich intelligenter gelöst. Man gewöhnt sich schnell daran und beginnt schnell zu schätzen, dass man fast alles in dieser Palette einstellen kann. Kompatibilitätsprobleme mit ausgetauschten Files konnte ich bisher keine entdecken. Vorsichtshalber haben die Mac-Office-Applikationen aber einen eingebauten Kompatibilitätsreport, der in epischer Breite erläutert, welche speziellen Features auf welchen anderen Office-Versionen möglicherweise anders dargesteltl werden könnten. Leider ist die Stabilität von PowerPoint nicht über alle Zweifel erhaben, im Test stürzte das Programm vor allem bei grossen Files mit vielen Bildern gelegentlich ab. Mit Word und Excel zeigten sich bisher keine derartigen Probleme.

Zum Schluss sei noch eine tief ins Betriebssystem integrierte Applikation erwähnt: Die Volltext-Suchmaschine Spotlight erlaubt die Suche in Dokumenten, e-Mails, Kalendereinträgen usw. Die Funktionalität ist vergleichbar mit der neusten Version von Google Desktop, aber Spotlight arbeitet wesentlich diskreter im Hintergrund und stellt die Resultate besser strukturiert dar. Die Performance lässt auch keine Wünsche offen, schon während man den Suchbegriff tippt, schlägt einem das System erste Treffer vor. Da Spotlight extrem schnell mit einer Tastenkombination aufgerufen werden kann, sucht man Dateien nach einiger Zeit kaum noch über Verzeichnisbäume, sondern halt schnell per Schlagwort. Windows Vista wird übrigens eine ähnliche Funktionalität bieten, wenn es denn mal wirklich auf den Markt kommt.

 

Zusammenfassend gesagt ist die Breite und Qualität der Apple-Applikationen wirklich beeindruckend. Von Drittherstellern gibt es nicht ganz so viele Anwendungen wie für die Windows-Plattform, aber dank der steigenden Popularität des Macs werden es in letzter Zeit schnell mehr. Meine Lieblings-Brainstorming-Software MindManager von MindJet ist beispielsweise gerade erstmals in einer Mac-Version erschienen. Auch die übliche Internet-bezogene Software gibt es natürlich in Mac-Versionen: Firefox, Skype, Google Earth, Plazer, usw.

Die Apple-eigenen Anwendungen sind alle schön integriert und können sehr einfach Daten austauschen. Diese hohe Integration ist aber auch mein einziger echter Kritikpunkt: Man muss seine Daten schon vollständig den Apple-Programmen anvertrauen, um wirklich alle Vorteile geniessen zu können. Wo dann ganz genau was abgespeichert wird, ist meistens intransparent. iPhoto kopiert beispielsweise nach Gutdünken alle Fotos in seinen eigenen Verzeichnisbaum. Das kann man zwar manuell verhindern, aber die entsprechende Einstellungsmöglichkeit muss man erstmal überhaupt finden. Falls man mal auf die Idee kommt, beispielsweise Sounds aus GarageBand in ein in ein fremdes Programm exportieren zu wollen, muss man sich auf einige Klimmzüge einstellen. Ausserdem versuchen die meisten Applikationen, den User zur Benutzung der (kostenpflichtigen) .Mac-Onlineplattform zu motivieren. Etliche Funktionalitäten sind nur damit möglich. Da sind schon noch ein paar Reste der alten, geschlossenen Mac-Mentalität zu spüren.

Im nächsten Teil: Windows auf dem MacBook Pro | zum Überblick

Schlagworte zu diesem Artikel

Jetzt gratis anmelden und wir unterstützen Sie mit Informationen und aktuellen Lernangeboten!