10.11.06

MacBook Pro im Test, Teil 3: Mac OS X

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Links zu Teil 1 und Teil 2 | zum Überblick

Langsam. Unübersichtlich. Bevormundend. Überladen mit albernen Kunti-Bunti-Grafikeffekten. So ist das Mac-Betriebssystem.

Das war zumindest jahrelang mein Vorurteil. Vielleicht stimmte das alles ja sogar auch, als ich zum letzten Mal einen Mac für mehr als zwei Minuten benutzte -- vor etwa 15 Jahren... Ähnliches hört man von vielen PC-Benutzern, die zumeist eins gemeinsam haben: Sie haben noch nie einen Mac der neuen Generation mit OS X ausprobiert.

OS X basiert auf der Unix-Variante OPENSTEP, die ursprünglich von Steve Jobs' alter Firma NeXT entwickelt wurde. Das resultierende Betriebssystem "Darwin" wird allgemein als eines der modernsten und leistungsfähigsten Betriebssysteme überhaupt angesehen. Beispielsweise unterstützt es Executables, die auf mehreren Prozessorarchitekturen funktionieren, was Apple bei der kürzlichen Umstellung auf Intel-Prozessoren sehr entgegenkam. Aber nicht nur unter der Haube, sondern auch im Userinterface hat sich Mac OS dramatisch weiterentwickelt. Die "Aqua" genannte Oberfläche ist schnell und effizient zu bedienen. Grafikeffekte gibt es zwar reichlich, aber sie werden in meist sehr subtiler Art eingesetzt.

Geradezu schockierend für einen Windows-User ist, wie wenig "Babysitting" Mac OS im Vergleich zu Windows braucht. Dinge funktionieren einfach. Apple ist extrem gut darin, intelligente Annahmen über Defaults und Automatismen zu treffen. Wenn die Maschine beispielsweise WLANs in der Umgebung findet, verbindet sie sich einfach ohne weiteres mit dem bevorzugten Netz oder mit einem anderen offenen Netz -- keine albernen Sprechblasen und Freigabedialoge wie bei Windows.

 

Ein Schlüsselerlebnis für mich war, als ich zum ersten Mal einen Drucker an meinen neuen Mac anschloss. Es passierte nämlich... absolut nichts. Keine endlosen Installationsdialoge wie bei Windows, keine wilde Treibersuche im Internet. Zu meiner grossen Überraschung tauchte der Drucker einfach im Druckdialog auf, ohne dass ich irgendwas machen musste.

Typischerweise werden auf dem Mac Applikationen über das sogenannte Dock am unteren Bildschirmrand aufgerufen. Die Applikationsicons sind immer präsent und mit einem kleinen Pfeil markiert, wenn die Applikation läuft. Diese Variante funktioniert um einiges schneller als das Windows-Startmenü, wenn man immer nur eine Handvoll von Applikationen benutzt. Nur Poweruser, die wirklich eine extrem breite Palette an Programmen verwenden, werden sich davon eingeschränkt fühlen. Das Umschalten zwischen laufenden Applikationen funktioniert ganz ähnlich wie bei Windows.

 

Als Windows-User gewöhnt man sich überhaupt ziemlich schnell an die Mac-Oberfläche. Gewöhnungsbedürftig sind die andersartigen Tastenkombinationen (Apple-Taste statt Control) und das Fensterhandling, das möglicherweise die grösste Schwäche von OS X ist. Wenn man mal zehn Applikationen mit je drei Fenstern offen hat, findet man wirklich nichts mehr auf dem Bildschirm. Es gibt keine Taskleiste mit allen offenen Fenstern wie bei Windows. Zum Glück gibt es dafür aber die Funktion "Exposé" (von Microsoft so ähnlich auch in Windows Vista eingebaut), die auf Tastendruck alle offenen Fenster verkleinert in einer Übersicht darstellt. So findet man sich meistens doch recht schnell zurecht.

Ein Genuss ist die Installation neuer Anwendungen. Meistens reicht ein Drag&Drop-Vorgang. Kein ständiges Neustarten wie bei Windows ist nötig. Einen neuen Mac aus der Schachtel hat man locker in einer Stunde komplett aufgesetzt. Für den gleichen Vorgang unter Windows müsste man schon mal das drei- bis vierfache an Zeit investieren. Die Stabilität des Systems ist bemerkenswert. Bisher ist es mir erst ein einziges Mal in drei Wochen passiert, dass ich Mac OS X wirklich rebooten musste. Alle Setup-Arbeiten mitgerechnet.

Aber Benutzerfreundlichkeit ist nicht alles, was Mac OS X zu bieten hat. Da es sich um ein ausgewachsenes Unix handelt, kommen auch Freaks zu ihrem Spass. Es gibt einen prima Bash-Shell-Kommandoprompt, samt allen üblichen Unix-Tools. Sogar der gute alte VI ist da. Wie schön. Nicht nostalgisch, aber nützlich sind die diversen Skriptsprachen, die mitgeliefert werden. Python, PHP, Perl und Ruby kommen neben dem hauseigenen AppleScript gleich vorinstalliert mit. Da freut sich der Hacker.

Natürlich hat OS X, wie jedes Betriebssystem, auch seine Nachteile. Insbesondere ist es ausgesprochen speicherhungrig. Ein Mac Mini mit 512 MB RAM reicht prima zum Websurfen, aber wenn man mehrere grössere Applikationen laufen lassen will, hat man meistens wenig Erfolg. Die Maschine bleibt praktisch stehen und legt lange Denkpausen ein. Unter einem Gigabyte RAM braucht man wirklich keinen Mac zu kaufen. Aber das ist bei der Konkurrenz ja nicht wesentlich anders.

Im nächsten Teil: Applikationen | zum Überblick

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