26.02.08

MacBook Air im Test II/II: Ja, aber...

MacBookAir-Closeup

Dass das MacBook Air zu den schicksten Notebooks auf dem Markt gehört, steht fest. Ob es jedoch auch das viele Geld wert ist, ist eine andere Frage. Im zweiten Teil des Tests gehen wir auf diese Frage ein.

Link zu Teil 1 des Tests

Im ersten Teil haben wir uns angeschaut, wie mobil das MacBook Air wirklich ist und ob es auch vom "Touch und Feel" her an das herankommt, was man sich von Apple gewöhnt ist. Nun wollen wir die speziellen Features des dünnen MacBooks unter die Lupe nehmen.

Features

Nebst der Tatsache, dass das MacBook Air in einer etwas tieferen Gewichtsklasse spielt als andere Notebooks, stellt vor allem das Multitouch-fähige Touchpad einen grossen Unterschied zur restlichen Laptop-Welt dar. Mann kann, wie beim iPhone oder dem iPod touch auch, mit zwei Fingern in Bilder hinein- und herauszoomen oder zum Beispiel in iPhoto mit drei Fingern durch die Fotos hindurchblättern (Apple bietet hier einen guten Überblick an). Leider ist dieses Feature (noch) nicht systemweit implementiert. Dass man zur Zeit noch nicht im Firefox in Fotos hineinzoomen kann wie auf einem iPhone, ist zwar irgendwie verständlich (irgendjemand muss dies ja auch zuerst programmieren), aber schön wäre es irgendwie dennoch gewesen. Andererseits muss man auch sagen, dass das Multitouch-Touchpad "nice to have" ist, jedoch nicht gerade das Killer-Feature darstellt, welches einem das Leben erleichtert wie schon lange nichts mehr.

Schick aber etwas laut: das Keyboard des MacBook Air

(Foto: D. Amherd / neuerdings.com)

Beim Keyboard handelt es sich im Prinzip um ein normales MacBook-Keyboard. Sprich, man tippt sehr angenehm. Ich hatte den Eindruck, als würde das MacBook Air-Keyboard ziemlich scheppern (jedenfalls mehr als auf meinem MacBook), aber vielleicht lag das auch nur daran, dass die Tastatur quasi fabrikneu war. Dass die Tasten bei Bedarf automatisch beleuchtet werden, ist zwar ebenfalls "nice to have", jedoch könnte ich auch ohne überleben.

Wie inzwischen bekannt sein dürfte, muss das MacBook Air ohne eingebautes CD/DVD-Laufwerk auskommen. Als Alternative bietet Apple via bus-powered USB ein externes SuperDrive an, worauf ich hier nicht genauer eingehen werde (wir haben alle schon mal so etwas gesehen). Was aber mehr als erwähnenswert ist, ist die wirklich faszinierende Funktion "Remote Disc". Will bzw. muss man einmal dennoch via DVD ein Programm installieren (und hat sich die CHF 139.- für das externe SuperDrive gespart), kann man einfach die Disc in einen anderen Computer "seiner Wahl" einlegen, via WLAN darauf zugreifen und die Software so installieren. Toll an der Sache ist, dass es so einfach ist, wie es klingt.

Remote Disc im Mac OS X Finder

Man muss bloss auf dem "Remote Computer" (Mac oder Windows-PC!) eine kleine Applikation installieren und sieht dann, sobald man auf dem Remote Computer das OK zur Verbindung gegeben hat, im Finder des MacBook Air die eingelegte CD bzw. DVD (siehe Screenshot). Insofern wurde das Problem des fehlenden optischen Laufwerks ziemlich elegant gelöst - unterwegs DVDs schauen geht aber dennoch nur mit dem externen Laufwerk.

Fazit

Was ist nun also mit dem kleinen MacBook Air? Handelt es sich dabei wirklich um einen weiteren Geniestreich von Apple oder ist es eher ein hübsch designtes, jedoch teures Produkt, für Leute die es sich leisten können? Meiner Meinung nach ist eher das letztere der Fall. Das MacBook Air ist einfach ein grosses "Ja, aber" - Ja, es ist cool designt, dünn, leicht... hat aber nicht genug Anschlüsse, keinen austauschbaren Akku und ist vor allem eines: sehr teuer. Überspitzt ausgedrückt, handelt es sich beim MacBook Air um ein dünneres und leichteres MacBook mit einem speziellen Touchpad und Tastaturbeleuchtung. Ein Standard-MacBook mit 2GHz Prozessor, 2GB RAM, 80GB Festplatte und je einem VGA- bzw. DVI-Adapter kostet zur Zeit ?1227 (CHF1847). Der dünnere Bruder mit 1.6GHz-Prozessor hat einen Grundpreis von ?1699 (CHF2499) - mit externem Laufwerk, Ethernet-Adapter und einer Apple Remote (alles beim MacBook bereits inbegriffen) kommt das MacBook Air dann auf ?1837 (CHF2706) zu stehen. Man bezahlt als für die geringe Dicke, das Design und die paar speziellen Features des MacBook Air zwischen ?472 und ?610 mehr, als man für ein quasi ebenbürtiges MacBook bezahlen würde. Wer das will und kann und bereit ist, gewisse Kompromisse einzugehen wird mit dem MacBook Air wohl schon glücklich werden, rational gesehen, macht so ein Kauf jedoch keinen Sinn.

Dünn ists ja schon ... (Foto: D.Amherd / neuerdings.com)

Wieder einmal mehr schafft es Apple, ein Produkt höchst emotional zu positionieren und so die Fanboys und Leute, für die Geld nicht mehr eine so wichtige Rolle spielt, dazu zu bringen, ihren Geldbeutel zu zücken. Im Gegensatz zum iPhone fehlt jedoch eine wirkliche Revolution, welche den hohen Preis rechtfertigen würde. Insofern würde ich den grössten Anteil am Erfolg nicht der Entwicklungs-abteilung, sondern der Marketingabteilung zuschreiben, was bei Apple jedoch auch nicht gerade die neueste Erkenntnis ist.

Unter dem Strich: das MacBook Air ist ein wirklich cool designtes Notebook, welches nicht nur dünn, sondern auch leicht ist. Jedoch ist es, rational betrachtet, das viele Geld einfach nicht wert.

neuerdings.com: MacWorld 2008 - MacBook Air

MacMacken: 21 MacBook Air Macken

Apple: MacBook Air

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