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28.10.07

Mac OS X 10.5 Leopard im Test (I/III)Leopard: Viel Neues, wenig Spektakuläres

Max OS X 10.5 Leopard Box

Wir nehmen das neue Betriebssystem Leopard OS X 10.5 für den Mac unter die Lupe. Sollten Mac-User jetzt schon upgraden? Und haben Windows-Benutzer vielleicht einen Grund mehr, sich einen Wechsel zu überlegen?


Teil II: Neue und aufpolierte Anwendungen

Teil III: Mac OS X Leopard - Fazit: Unspektakulär, solide

Max OS X 10.5 Leopard Box

Mehr als zwei Jahre musste die Mac-Gemeinde auf eine neue Version von Mac OS X warten. Gestern kam nun endlich, mit vier Monaten Verspätung, Mac OS X 10.5, besser bekannt als "Leopard", auf den Markt. Immerhin, die Konkurrenz brauchte für einen vergleichbaren Versionssprung volle fünf Jahre... Die Begeisterung bei den Mac-Freunden ist gross, und die eifrigsten bildeten gar lange Schlangen vor den Geschäften.

129 Euro kostet ein Upgrade, für 199 Euro gibt es ein "Familienpaket" mit fünf Lizenzen. Bei allen neuen Macs ist Leopard natürlich gleich schon vorinstalliert, und wer sich erst in den letzten Wochen einen Mac gekauft hat, kriegt das Upgrade kostenlos.

Leopard bietet laut Apple nicht weniger als 300 neue Features.

 

Viele, vermutlich die deutlich Mehrheit davon, sind aber primär kosmetischer Natur. An wirklich grundsätzlich neuer Funktionalität ist eine Backuplösung hinzugekommen, die Apple-typisch den knackigen Namen "Time Machine" trägt. Ausserdem ist Boot Camp, die Lösung für das alternative Starten von Windows auf Intel-Macs, jetzt fest in Mac OS X integriert.

Unter der Haube bietet Leopard jetzt vollen Support für 64-Bit-Applikationen, was besonders im High-End-Bereich sicher Freude auslöst. Das neue Grafikframework "Core Animation" gibt Mac-Programmierern ausserdem allerlei einfach zu benutzende 3D-Funktionalitäten, was vermutlich (noch) aufwendigere Userinterfaces provozieren wird. Web-Entwickler dürfen sich über das vorinstallierte Framework "Ruby on Rails" freuen.

Der Upgrade eines Macs mit der alten OS-Version 10.4 geht flott von der Hand. Nach dem Testen der DVD und einem Reboot dauert es etwa 35 Minuten, bis sich das System selbständig und ohne manuelle Eingriffe aktualisiert hat. Nach meiner Mittagspause wartete ein fertig upgegradeter Mac auf mich, ohne irgendwelche Probleme. Im Internet gab es allerdings einige Berichte von Usern, die weniger Glück hatten. Es ist darum auf jeden Fall essentiell, dass man vor dem Versionswechsel ein Backup seiner Maschine macht und auch nochmal alle Systemkomponenten auf die neuste Version aktualisiert. Die Kompatibilität mit älterer Software und Hardware scheint gewährleistet zu sein, auch da hörte man bisher kaum negative Berichte.

Man sieht es Leopard deutlich an: Apple hat sich viel Mühe gegeben, das eh schon exzellente User Interface von Mac OS X noch weiter zu verbessern. Über die eine oder andere Neuerung kann man aber wohl noch geteilter Meinung sein.

 

Das neue Dock beispielsweise kommt mit hübschen Spiegeleffekten daher, aber dafür wirken die Icons kleiner. Gestartete Programme werden nicht mehr mit einem Pfeil, sondern mit einem merkwürdigen Glimmereffekt markiert. Ob das der Übersichtlichkeit wirklich gut tut, kann man sich fragen.

Hübsch anzusehen sind die neuen "Stapel", die auf einen Blick den Inhalt von Dock-Objekten anzeigen. Beispielsweise kann man ein häufig verwendetes Arbeitsverzeichnis ins Dock ziehen und so besonders schnell auf die zuletzt verwendeten Files zugreifen. Wer es etwas konventioneller mag, kann auch einen Grid-Modus für diese Funktion auswählen, der die Files in einer rechteckigen Box anzeigt. Da braucht man dann auch keine Angst zu haben, dass die Files vom seltsam krummen Stapel runterfallen.

Der Menübalken oben am Bildschirm ist neuerdings leicht durchsichtig, was zwar nett aussieht, aber je nach dahinterliegendem Inhalt der Lesbarkeit nicht gerade gut tut. Hier wollte Apple möglicherweise den Glaseffekten von Vista etwas entgegensetzen, was nicht unbedingt eine gute Idee war. Der Desktop von Leopard sieht also unter dem Strich besser aus, ist aber nicht viel benutzerfreundlicher geworden.

Mit dem Eye-Candy geht es im neuen Finder weiter. Wer den Leopard-Finder zum ersten Mal aufruft, denkt zunächst, sich in der Applikation vertan zu haben, denn die Mac-Variante des Windows-Explorer sieht jetzt aus wie iTunes. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, aber gewöhnungsbedürftig.

Neu hinzugekommen ist Cover Flow, ebenfalls bekannt von iTunes. Damit kann man effektvoll im 3D-Modus durch seine Dateien blättern. Dabei wird nicht nur das Icon angezeigt, sondern der volle Inhalt der Datei. Und bei mehrseitigen Dokumenten kann man sogar direkt im Finder blättern.

 

Was zunächst nach einem ziemlich sinnlosen Spezialeffekt aussieht, stellt sich in der Praxis als gar nicht so dumm heraus. Manchmal sucht man ja verzweifelt nach einer Datei, von der man nur noch weiss, dass die erste Seite irgendwie grün-weiss war. Und beim Durchblättern einer Bildersammlung auf der Suche nach dem passenden Motiv ist diese Funktion sowieso Gold wert.

Ebenfalls praktisch: Im Finder kann man nun auf einen Klick alle Dateien sehen, die man heute, gestern oder letzte Woche bearbeitet hat. Und ebenso kann man sich in einer einzigen Ansicht alle Bilder, Filme oder Dokumente anschauen, die irgendwo auf der Platte rumliegen. Diese Funktion ist nicht nur praktisch, sondern auch interessant, denn man staunt ganz schön, was sich auf einer Harddisk so alles ansammelt. Auch beim Plattenaufräumen kommen einem diese neuen Funktionen also durchaus entgegen.

Besonders nützlich ist die neue Funktion "Quick Look". Wenn man nur mal schnell sehen will, was in einer Datei drin ist, ohne gleich Word/Excel/sonstwas hochfahren zu müssen, kann man das nun mit einem Druck auf die Spacetaste tun.

 

Aufgefrischt wurde auch die eingebaute Suchfunktion Spotlight. Gegenüber der alten Version wirkt Spotlight jetzt deutlich flotter, auch bei einer sehr vollen Platte. Besonders praktisch: Wenn man den Namen einer Applikation anfängt zu tippen, zeigt Spotlight die Applikation sofort (und nicht wie früher erst nach 5-6 Sekunden) an, und mit einem Druck auf Enter wird das Programm gestartet. Da wird so manche Hotkey-Lösung weitgehend überflüssig.

Zudem findet Spotlight jetzt auch Begriffe in den eingebauten Wörterbüchern, und ausserdem kann es auch rechnen. Wer in den Suchbalken z.B. 66.33*89.34 eingibt, kriegt sogleich das richtige Resultat (5925.9222) angezeigt. Da wird der Taschenrechner weitgehend arbeitslos.

Ebenfalls neu und praktisch ist die Funktion "Spaces". Damit ist nun endlich eine Funktion für virtuelle Desktops fest in Mac OS eingebaut -- eine Funktion, die es im Unix-Bereich schon seit Jahrzehnten gibt. Mit Spaces kann man sich bis zu 16 virtuelle Bildschirme definieren, zwischen denen man mit einer Tastenkombination oder per Menü umschalten kann. So kann man auf einem Space beispielsweise Mail schreiben, auf einem anderen surfen, auf einem dritten Texte bearbeiten und auf einem vierten an Bildern basteln. Das funktioniert auch, wenn zwei physische Monitore angeschlossen sind.

 

Der Gewinn an Übersichtlichkeit ist beträchtlich. Allerdings merkt man Spaces an, dass es noch neu ist und noch nicht alles so glatt läuft, wie man es erwarten könnte. Beispielsweise schaltet das Ding manchmal beim Aufrufen einer Applikation spontan auf einen anderen Space um, obwohl man doch eigentlich nur ein neues Browserfenster aufmachen wollte. Da muss Apple die Konsistenz schon mal noch etwas optimieren.

Im nächsten Teil: Die neuen Applikationen.

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