19.06.08

Logitech Squeezebox Duet im Test II/II: Die Musikbibliothek in der Hand

Logitech Duet Kombi

Die Squeezebox Duet von Logitech bringt praktisch alle Audio-Internetdienste in die Stube. Doch wie bewährt sich der Unterhalter zum Verwalten der persönlichen Musiksammlung auf der Festplatte? Hier glänzt die Duet durch breite Formatunterstützung (MP3 über Ogg bis Flac), patzt aber wegen mangelndem Support von Universal Plug and Play (UPnP).


Die Duet bringt die eigene MP3-Sammlung in die Stube. (Bild: Logitech)

Nach der ersten Begeisterung über die Komponenten der Squeezebox Duet folgt mit der Erkenntnis, dass die Kombo kein UPnP versteht, einen Dämpfer. Das Duo aus Logitech Duet und Synology-Festplatte schafft aber dennoch eine PC-unabhängige Jukebox.

 

Heute bringt man von den meisten Tanzfeten nicht nur schwere Beine, sondern auch ein paar Megabyte MP3 mit nach Hause. Und die Kaufscheiben landen als erstes im PC, um ebenfalls auf die Festplatte "gerippt" zu werden. Denn nur so lässt sich Musik an Handy und tragbaren Playern später nutzen.

 

Ein Lobgesang auf UPnP

Im Laufe der Zeit läppert sich das zu Gigabytes und Hundertschaften von Ordnern zusammen. Ein Mediaplayer wie Logitech Squeezebox Duet kann das an der Stereoanlage abspielen. Dazu muss es allerdings die Songs erst mal im Netzwerk finden. Normalerweise verwendet man dabei den Standard UPnP, der von hunderten Herstellern eingehalten wird. Sogar Microsoft hält sich an UPnP und packt mit dem Mediaplayer auch gleich gratis einen UPnP-Server und Client auf jeden Windows-PC. Ein Server bietet Musik an, ein Client spielt sie ab.

Die besseren Nokia-Handys "reden" genauso UPnP wie das ADSL-Modem "FritzBox". Sogar die Gameboxen PS3 und Xbox 360 verwandeln sich dank UPnP in Musikanten. Bei UPnP kann jeder mit jedem: die Xbox spielt also Musik ab, die auf einer USB-Platte liegt, welche ihrerseits einfach an die Fritzbox gestöpselt wurde. Alle Welt spricht UPnP - ausser Logitechs Squeezebox Duet.

Kein Ton ohne SqueezeCenter

Die UPnP-Ignoranz der Squeezebox hat fatale Folgen. Die Duet findet nämlich schlicht meine Musik nicht. Obwohl sie mein Heimnetzwerk für den Internetzugriff verwendet sind die UPnP-Server als Musiklieferanten für sie "unsichtbar".

Erst wenn man Logitechs SqueezeCenter Software installiert und in Betrieb nimmt, erscheint die Musikbibliothek auf der Duet. Aber da das SqueezeCenter ebenfalls kein UPnP versteht, sieht nun die PS3 oder andere Abspieler meine Musik nicht. Man müsste also seine Musik durch zwei Serversysteme verwalten lassen. Dem dummen Tester stellt sich hier die Frage: Was soll das?


Das SqueezeCenter verwaltet die persönliche Musiksammlung.

Nachdem ich Logitechs Serversoftware auf dem PC installiert hatte, verrauchte meine Wut allmählich. Denn SqueezeCenter ist eine ausgereifte Musikverwaltung, dessen Möglichkeiten weit über jene des Mediaplayers von Microsoft hinausgehen.

SqueezeCenter ermöglicht nicht nur den einfachen Zugriff auf die Songs auf der Festplatte sondern verwaltet auch Radiostationen und Podcasts. Über das Center kann man ferner die Duet oder andere Squeezeboxen einfach konfigurieren und fernsteuern. Sogar der PC selbst lässt sich mittels Java-Plugin in eine Squeezebox verwandeln, ist dann also Server und Client.

Synology wird zum SqueezeCenter


Der PC als simulierte Squeezebox - dank SoftSqueeze.

Aber letztlich hatte ich einfach keine Lust, einen zusätzlichen Server auf meinen PC zu betreiben und diesen rund um die Uhr eingeschaltet zu lassen, nur damit ich auf meine Musikkonserven zugreifen kann.

 


Die Festplattenbox von Synology bedient Squeezeboxen und UPnP-Musikanten. (Bild: Synology)

Abhilfe in der grossen Not schaffte einmal mehr meine bewährte Netzwerkfestplatte Synology Diskstation DS107+. In dieser Box werkelt nämlich ein Mini-Linux. Da SqueezeCenter als Linux-Version erhältlich ist, haben findige Köpfe einen Weg gefunden, die Serversersoftware permanent auf der Synology zu installieren. Die Netzwerkfestplatte ist dann nicht nur ein multifunktionaler Server (Daten, Drucker, Internet) sondern werkelt nebenbei auch noch als SqueezeCenter. Das ganze Projekt nennt sich SSODS (SlimServer on Diskstation). Ganz ähnlich wie das Projekt Slug für den 70-Euro-Heimserver auf einem Linksys USB-Netzwerk-Sklaven.

Wie jenes hat aber auch die Installation von SSODS den Hauch des Tüftler-Risikos. Geht sie schief, verwandelt man schlimmstenfalls seine Diskstation in Elektronikschrott. In meinem Fall lief das Ganze, von einer erschreckenden Fehlermeldung abgesehen, glimpflich und erfolgreich ab. Nach 30 Minuten Schwitzen konnte ich via Browser auf das SqueezeCenter innerhalb meiner Diskstation zugreifen.

Server und Musikdaten befinden sich damit auf derselben Platte. Die Diskstation läuft nun zwar ebenfalls rund um die Uhr, verheizt dabei aber nur eine handvoll Watt. Das Ganze System bleibt weiterhin transparent und multifunktional; unter meldet sich der Fileserver von Synology, unter der Medienserver von Logitech.

Genüsslich durch die Sammlung

Nun konnte die Duet beim Genuss der eigenen Musiksammlung wirklich überzeugen. Die Audioqualität am Digitalausgang ist sehr gut, insbesondere verlustfrei kopierte FLAC-Songs sind glasklar.

Durch die Musiksammlung blättert man nach Interpret, Alben, Titel, Stil, Jahr und Aktualität. Ferner kann man sich auch einfach durch die vorhandene Ordnerstruktur hangeln. Albumbilder werden angezeigt, allerdings nicht in der hübschen Cover-Flow-Manier des iPod-Touch, sondern einfach statisch. Gefallen hat uns, dass man bei jedem Songs automatisch zu dessen Verwandten klicken kann. Spielt also ein Stück aus der Kategorie Jazz, bringt ein Klick auf die Kategorie der Abspielanzeige schnell alle anderen Jazz-Songs auf das Display.

Die Erzeugung einer Musik-Warteschlage ist einfach, man klickt einfach auf die Plus-Taste um Songs hinzuzufügen. Ferner lassen sich fertige Abspiellisten auch mit iTunes am PC erzeugen und dann im Playlist-Verzeichnis auf dem Server abspeichern.

Die cleverste Variante, eine Playlist zu erzeugen, bietet allerdings MusicIP Mixer . Dabei gibt man am PC einen oder mehrere Songs als "Muster" vor, und das Programm durchsucht dann die ganze Musiksammlung nach ähnlichen Songs und vereint diese zu einer Abspielliste. Die Playlist wird ebenfalls einfach auf dem SqueezeCenter gespeichert. Die kostenlose Version der Software erstellt nur Playlists mit maximal 75 Songs. Wer sich durch die nötige Installationsprozedur am Server hangelt, kann MusicIP sogar nutzen, dass man an der Duet auf einen Musiktitel klicken kann und so automatisch eine neue Playlist erzeugt.


Der MusicIP Mixer erstellt automatische Abspiellisten nach einem Mustersong.

Fazit: Je länger je lieber

Das Konzept der Logitech Duet eröffnet sich erst bei längerer Nutzung. Wenn man aber einmal gemerkt hat, wie man seine Lieblingsunterhalter aus Internet und Festplatte zusammenbüschelt, will man die Lösung nicht mehr aus den Händen geben. Dass man nebenbei auch noch integrierte Einschlafsounds abspielen kann oder die Duet als RSS-Reader für die Nachrichtenversorgung nutzen kann, entdeckt man zwar spät, aber freut sich dennoch über solche Gadgets. Die Plugin-Liste der Serversoftware ist so lang, dass sich damit bestimmt tagelang Zusatzfunktionen erforschen lassen.

Wenn Logitech bei der Duet Kinderkrankheiten heilt, insbesondere die Kopfhörerbuchse aktiviert und UPnP unterstützt, ist mein iPod für das Sofa gefunden.

Technische Daten:

Squeezebox-Controller

  • Beleuchtetes 6-cm-Farb-TFT-Display

  • Li-Ionen-Akku

  • Integriertes 802.11b/g-WiFi

Squeezeboc Receiver:

  • Digital optische und koaxiale sowie analoge Anschlüsse

  • 24-Bit-HiFi-DAC von Wolfson

  • Wiedergabe von MP3-, AAC-, WMA-, Ogg-, FLAC-, Apple Lossless-, WMA Lossless- und WAV-Musikdateien

  • Integriertes 802.11b/g-WiFi

  • 10/100-Mb/s-Ethernetanschluss

  • Software SqueezeCenter zum Zugriff auf die Musikbibliothek auf lokalen Computern

  • SqueezeNetwork zum Zugriff auf Internetradiosender und Online-Musikdienste

Voraussetzungen:

  • Ethernet- oder WiFi-Netzwerk (802.11b/g/n)

  • Breitband-Internetverbindung erforderlich

  • Windows 2000, Windows XP, Windows Vista

  • Mac OS X (10.3.5 oder höher)

  • Linux/BSD/Solaris (Perl 5.8.3 oder höher)

Preis: 399 Euro, 599 Franken

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