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18.06.08

Logitech Squeezebox Duet im Test I/II: Der iPod für das Sofa

Logitech Duet 8 lr

Das Squeezebox Duet

wäre der optimale iPod-Ersatz für Stubenhocker, wenn Logitech sich an den UPnP-Standard gehalten hätte und die Kopfhörerbuchse am Duet nicht wegen eines Fehlers stumm wäre.

Dass ich vom Duet trotzdem begeistert bin, ist seinen Internetfunktionen, offenem Linux sowie cleveren Lösungen von Freeware-Programmierern und Drittherstellern zu verdanken. Damit läutet die Lösung eine neue Ära des Internet-Musikkonsum ein.

Das Squeezebox Duet von Logitech setzt sich zusammen aus einer Anschlussbox für die HiFi-Anlage und einer Funk-Fernbedienung mit Farbdisplay. Damit hat man die ganze Musiksammlung plus Unterhaltung aus dem Internet in der Hand.

Die Aufgabenstellung für den perfekten Sofa-Musikunterhalter ist einfach. Ich will einfach durch meine gesammelte MP3s zappen, egal wo diese lagern, zwischendurch meine Podcasts reinziehen und ansonsten meinen Lieblings-Radiosender oder Internetmusikdienst dudeln lassen. Die Musik soll, wenn sich die andern nerven, auch via Kopfhörer verfügbar sein. Zwingt mich Menschlichkeit in Küche oder Feuchtzellen, soll mich die akustische Untermalung am liebsten gleich begleiten.

Stumme Fernbedienung

Ich suche noch immer. Auch nachdem ich eine Woche mit dem Squeezebox Duet rumgespielt habe. Logitech bietet zwar mit dem Unterhalter in Form einer TV-Fernbedienung ein interessantes, neues Konzept das vor allem bei der Musikversorgung via Internet viel Komfort bietet. Gepatzt haben die Schweizer aber leider bei der Musikkonservenunterstützung (MP3) aus dem LAN und beim Kopfhöreranschluss. Letzterer, es sei gleich zu Beginn laut und deutlich geklagt ist funktionslos. Man kann also einen Hörer einstöpseln, der bleibt aber stumm. Auch das sich die Duet beim Einschalten mit hübschen sphärischen Tönen aus dem internen Lautsprecher meldet, ist reine Fopperei. Auch der eingebaute Speaker lässt sich nicht für Musikwiedergabe nutzen. Irgendwo scheint also zwischen Konzeption und Realisierung der Technik-Teufel bös zugeschlagen zu haben. Ob sich Lautsprecher und Kopfhörerdose durch spätere Softwareaktualisierung zum Leben erwecken lassen, weiss ich nicht.

Bewährtes Konzept

Grundsätzlich ist das Konzept der Duet aber ausgereift. Denn es stammt ursprünglich von Slimdevices. Der Mäusespezialist Logitech hat das Unternehmen im Jahr 2006 gekauft und sich damit die Bezeichnung Squeezebox und viel Know-how für vernetzte Heimunterhaltung einverleibt.

Die Squeezeboxen gelten seit 2001 als technisch herausragende Lösung, wenn man Musik von der PC-Festplatte im ganzen Haus verteilen will. Das Erfolgsgeheimnis von Slimdevices heisst Opensource. Sowohl die Software für den Medienserver (Windows, Mac, Linux) als auch die Schnittstellen der Abspielgeräte (Squeezebox) sind offen und so werkelte die Entwicklergemeine schnell an zusätzlichen Tools und Fähigkeiten. Heute tickern deshalb Wetterberichte, Börsenkurse oder Fussballresultate über das Display von unzähligen Squeezeboxen.

Nachdem Logitech die Firma im Herbst 2006 übernommen hatte, blieb es länger ruhig. Mit dem "Transporter" erfolgte zwar der Einstieg in die HiFi-Edelklasse, aber ansonsten machten vor allem die Konkurrenten Sonos, Roku Soundbridge und Terratec Noxon von sich reden.

Duet - Fernbedienung als Musikzentrale

Mit dem Duet kommt nun Squeezebox mit einem Paukenschlag zurück. Denn bezüglich Design und Benutzeroberfläche setzt Logitech damit neue Messstäbe.

Das System besteht aus zwei Teilen. Die kleine schwarze Squeezebox wird wahlweise digital (optisch/koaxial) oder analog mit herkömmlichen Cinch-Steckern an die Stereoanlage gestöpselt. Das Kästchen hat weder Anzeige noch Bedienelemente, man darf es also getrost vergessen und verstecken.

Wichtiger ist die Fernbedienung, die gewohnte Abmessungen hat und zum Laden in einer Schale ruht. Der Komfort und die sichtbare Intelligenz der Lösung liegen mit dieser Fernbedienung buchstäblich "auf der Hand". Man hat Display und Tasten immer dort, wo man sie braucht. Man muss also nicht auf eine kleine Anzeige bei der Stereoanlage schielen und auf diese mit einem Infrarot-Steuerknüppel zielen.

Man kann mehrere solcher Anschlussboxen im Haus verteilen und alle diese Boxen mit einer Fernbedienung ansteuern. Ferner kann man natürlich auch mehrere Fernbedienungen haben. Das System ist als Multiroom- und Multiuser-fähig.

Die Fernbedienung der Duet hat ein leuchtendes 2,4-Zoll grosses grafikfähiges Farbdisplay mit 240 x 320 Pixeln Auflösung. Es zeigt darauf bis zu 10 Zeilen Text mit je bis zu 30 Zeichen. Damit lässt sich flink durch Interpreten und Songtitelliste zappen, zu lange Texte scrollen automatisch.

Navigiert wird hauptsächlich über ein Drehrad mit zentralem Druckknopf sowie vier zusätzlichen, geschickt angeordneten Tasten. Fünf weitere Tasten sorgen für Steuerung der Lautstärke und Sonderfunktionen.

Das Drehrad reagiert dynamisch. Hat man 1000 Songs, blättert langsames Drehen durch einzelne Titel. Mehr Drehspeed springt zwischen den Anfangsbuchstaben. Ein wirklich flinker Daumen zappt mit drei Volldrehungen vom 1. zum letzten der 1000 Titel. Das Navigieren funktioniert in der Praxis ganz gut, ich wünschte mir aber dennoch zusätzliche Navigationshilfe, sei es durch eine Eintasten-Suchfunktion oder kontrolliert Umschaltung zwischen dem Scrollen in Anfangsbuchstaben und der Gesamtliste. Perfekt, weil simpel ist, die Verwaltung der Abspielliste. Man drückt die Plustaste und schon ist der Song in der Warteschlaufe. Auch hier ist mein Wunschzettel unerfüllt. Ich will beispielsweise bei langem Drücken der Plustaste in dieser Abspielliste landen und nur in ihr Scrollen.

Lobenswert ist, dass die Duet sehr flink reagiert und alles praktisch verzögerungsfrei vor sich geht. Ferner ist die Reichweite dank WLAN raumübergreifend. Man kann also mit der Fernbedienung in der Küche die Squeezebox in der Stube zum Schweigen bringen.

WLAN ist Bedingung

Damit wären wir bereits bei der Funktechnik. Bei den meisten herkömmlichen Lösungen kommunizieren Geräte und Fernbedienung via Infrarot. Das freut die Elektrosmog-Feinde und aber auch die Chiropraktiker. In den Praxen der Bandscheibenknackser sitzen nämlich immer wieder Patienten, die mit wilden Verrenkungen versucht haben, die lausige Reichweite von Infrarotfernbedienung zu erhöhen.

Die Squeezebox Duet verwendet statt Licht weitreichende Funkwellen und überwindet so Dutzende Meter und Wände. Die Kommunikation zwischen der Box an der Stereoanlage und der Fernsteuerung findet via Wireless-LAN (802.11g) statt. Die Squeezebox klinkt sich einfach in ein bereits vorhandenes Wireless-LAN ein. Nach Eingabe eines allfälligen Netzwerk-Kennwortes (WPA/WEP) hat die Duet somit auch gleich Zugriff auf Internetradio und MP3-Songs im Internet.

Wer kein WLAN hat, muss die Squeezebox per Ethernetkabel ans Internet anschliessen. Aber auch dann findet nur die Kommunikation zwischen Fernsteuerung und Box drahtlos statt.

Simple Installation

Die Inbetriebnahme der Duet ist simpel. Box anstöpseln, Fernbedienung einschalten und einfach brav die deutschsprachigen Setup-Anweisungen auf dem Mini-Display befolgen - so einfach kann Installation sein. Nervig ist, dass die Duet erst mal ihre Software aus dem Internet aktualisiert, was die Neugier einige Minuten auf die Probe stellt. Nach rund 15 Minuten war die Duet dann aber betriebsbereit.

"Internetradio, Unsere Empfehlung" war der erste Klickversuch und versorgte uns prompt mit Miles Davis. Ein 128 kbps schwerer Datenstrom und eine gute Elektronik in der Squeezebox sorgten für perfekten Sound, der sich von einer CD kaum unterscheiden lässt. Ein übliches UKW-Radio muss da schamvoll schweigen.

Das Radioangebot auf der Duet ist erschlagend und teils leicht verwirrend. Um dabei den Durchblick zu haben, muss man erst einmal den heutigen Internetradiomarkt verstehen.

Verwirrendes Angebot

Denn Internetradiostationen sind nicht mehr einfach einzelne Websites, sondern gehören meist sogenannten Verzeichnisdiensten an. Schliesslich will ja niemand an der Duet eine Internetadresse eintippen. Shoutcast ist einer der ersten und wichtigsten Verzeichnisdienste und vereint heute über 22'000 "Internetradios" die meist von rund einer halben Millionen Hörern genutzt werden. Neben Shoutcast gibt es zahlreiche weitere Dienste wie beispielsweise vTuner, der bei den Geräten von Terratec eingebaut ist.

Ergänzt wurde der Internet-Musikmarkt bald durch "Radio-on-demand-Dienste" wie Pandora oder classical.com. Hier macht man seinen "eigenen Radiosender" und definiert, welche Titel oder Stilrichtung man hören will. Diese Dienste sind teils kostenpflichtig.

Die nächste Evolutionsstufe waren Internetdienste, bei denen man seine eigenen MP3-Songs einlagert und dann ortsunabhängig hören kann. Ein Vertreter diese Kategorie ist MP3tunes.com.

Wenn wir schon bei Internetdiensten sind, darf man natürlich auch Podcasts nicht vergessen. Dabei handelt es sich meist um gesprochene Beiträge, die von Radiostationen oder Privaten zur Verfügung gestellt und jederzeit abgerufen werden können. Auch hier gibt es Verzeichnisdienste wie podcast.de sowie ein Abo-System, bei dem man alle Folgen einer bestimmten Radiosendung hören kann.

Die Versorgung aus dem Internet ist heute also vielfältig, inkonsistent und verwirrend. Ferner ist die Situation abstrakt, weil ja eigentlich niemand wirklich am PC Musik hören will, sondern lieber in der Stube lauscht.

Logitech vereint die Anbieter

Logitech versucht nun auf dem Squeezebox Duet mehrere solcher Dienst- und Verzeichnisanbieter unter einer eigenen Bedienoberfläche zu vereinen. Auf der Duet hat es also keinen Browser, sondern spezielle aufbereitete Verzeichnisse. Das Angebot unterscheidet sich auch lizenzrechtlichen Gründen aber von Land zu Land. So fehlt beispielsweise in Europa der in den USA beliebte Dienst von Pandora.

Auf meinem Testgerät befanden sich neben dem von Logitech verwalteten Favoriten last.fm, Radio io, RadioTime, Live365 und Shoutcast. Jeder dieser Dienste umfasst mehrere Tausend Radiostationen oder Streams. Jeder dieser Dienste büschelt sein Angebot anders. Die einen sortieren nach Musikstilrichtung oder Beliebtheit, andere lassen die Wahl nach Senderort zu und lassen sich sogar mit Suchbegriffen durchforsten. Bei einigen dieser Dienste kann man persönliche Konten eröffnen und dann im Webbrowser Favoriten definieren oder zusätzliche Radiostationen mittels Web-Adresse aufnehmen. Teils lassen sich gegen Bezahlung auch Zusatzdienste freischalten.

Logitech fungiert nun in diesem Angebotsreigen als Integrator. Auf der Internetseite Squeezenetwork kann man definieren, welche Konten man bei welchen Anbietern hat und die nötigen Anmeldeinfos hinterlegen. Dadurch hat dann die Squeezebox Duet vollen Zugriff auf diese Dienste. Das persönliche Konto bei Squeezenetwork und die Duet synchronisieren sich, indem man einmalig einen gerätespezifischen PIN-Code im Internet eintippt.

Im Internet verbindet man seine Logitech Squeezebox Duet mit persönlichen Konten bei Musikdiensten.

Beim Verbinden von Duet und Network mittels PIN ist Logitech leider ein Fehler unterlaufen. Der Prozess lässt sich mit jedem Gerät nur einmalig durchführen. Vergisst man seine Squeezenetwork-Zugangsinfos oder verkauft die Duet, lässt sich diese nicht an ein neues Konto koppeln. Der Kundendienst von Logitech kennt aber inzwischen das Problem und konnte es in meinem Fall "manuell" lösen. Die nächste Firmware soll das Problem dann grundsätzlich angehen.

Von Dienst zu Dienst

Das Duet ordnet das Musikangebot in vier Hauptgruppen: Internetradio (Shoutcast und Co.) Musikdienste (MP3Tunes etc.), Squeezenetwork und lokale Server im Heimnetzwerk. Leider ist dabei die Bedienung nicht immer transparent und vor allem bezüglich der Favoritenliste schlecht gelöst.

In der Favoritenliste kann man einfach die besten Radiostationen und die Lieblingssongs ab Festplatte auflisten. Leider gibt es getrennte Favoritenlisten, je nachdem ob man via Squeezenetwork oder über einen lokalen PC-Server verbunden ist. Diese Lösung ist total praxisfremd. Ich will meine Lieblingsmusik einmalig definieren und mich keinesfalls darum kümmern, über welche Technologie oder Plattformen die Musik letztlich "ausgeliefert" wird.

Positiv muss aber vermerkt werden, dass es bisher am Markt noch kein Musikgerät gibt, das so viele verschiedene Unterhaltungsplattformen in einem Gerät vereint. In der Praxis wird man sich zwar eh nur auf einen oder zwei Dienste beschränken. Dabei ist man aber froh, wenn man sich von seinem bisherigen Lieblingsdienst nicht verabschieden muss.

Ein zusätzlicher Audiodienst hat Logitech übrigens unerklärlicherweise im "Extras-Menü" versteckt. Hier finden sich die Sammlungen von Odeo und http://www.podcastalley.com/

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